28. Oktober 2026 | 12:07 Uhr

Radfahren ist weit mehr als eine umweltfreundliche Art, von A nach B zu kommen. Es ist Bewegung im Alltag, Prävention auf zwei Rädern und ein wichtiger Baustein für ein gesundes Leben in der Stadt. Wer regelmäßig Fahrrad fährt, stärkt das Herz-Kreislauf-System, verbessert die Ausdauer und kann das Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen senken. Gleichzeitig kann aktive Mobilität dazu beitragen, Bewegungsmangel entgegenzuwirken und die mentale Gesundheit zu fördern. Der entscheidende Vorteil: Die Bewegung muss nicht zusätzlich in den Tagesablauf integriert werden – sie wird ganz selbstverständlich Teil des Weges zur Arbeit, zum Einkauf oder zu Freunden.
Wie eng Gesundheit und Verkehrsplanung zusammenhängen, zeigt der Blick nach Dänemark. In Kopenhagen wird Radverkehr seit Jahrzehnten nicht allein als Frage der Infrastruktur oder der Lebensqualität verstanden, sondern auch als Investition in die öffentliche Gesundheit. Die Überlegung dahinter: Wenn mehr Menschen im Alltag Rad fahren, können Krankheiten vermieden, Lebensqualität gewonnen und langfristig Gesundheitskosten reduziert werden. Genau an dieser Schnittstelle von individueller Gesundheit, kommunaler Mobilität und gesellschaftlichem Nutzen setzt das Internationale ADFC-Symposium und formuliert einen klaren Appell:
Die Evidenz ist eindeutig
Regelmäßige körperliche Aktivität stärkt die körperliche und psychische Gesundheit, beugt zahlreichen chronischen Erkrankungen vor und trägt dazu bei, länger gesund zu leben. Radfahrensenkt unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und verschiedene Krebserkrankungen und wirkt sich positiv auf Fitness, psychisches ohlbefinden und Lebensqualität aus.
Aktive Mobilität erschließt dieses Potenzial im Alltag: Wer zu Fuß geht oder Fahrrad fährt, erbindet notwendige Wege mit regelmäßiger Bewegung. Gerade das Fahrrad erweitert den Radius aktiver Mobilität und ermöglicht es vielen Menschen, Bewegung selbstverständlich in ihren Alltag zu integrieren.
Bewegungsförderung braucht gesunde Lebenswelten
Nicht nur Sport ist Bewegung. Sie entsteht auf den Wegen, die Menschen ohnehin zurücklegen: zur Schule oder Kita, zur Arbeit, zum Bäcker oder Supermarkt, zum Arzt, zum Sport, zu Freundinnen und Freunden oder zur Familie.
Wir wollen, dass mehr Menschen solche Alltagswege sicher, selbstständig und komfortabel zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen können – in jedem Alter und in unterschiedlichen
Lebenssituationen.
Radwege sind Gesundheitsinfrastruktur
Aus Sicht des ADFC darf Gesundheit nicht länger nur ein positiver Nebeneffekt von Radverkehrspolitik sein:
Radwege ermöglichen Mobilität und schaffen zugleich Voraussetzungen für Bewegung, Prävention, Selbstständigkeit, Teilhabe und Lebensqualität.
Der gesundheitliche und präventive Nutzen aktiver Mobilität muss zu einem eigenständigen Maßstab politischer Entscheidungen werden. Er muss mitentscheiden,
— welche Infrastruktur Priorität erhält, wie ihr gesellschaftlicher Nutzen bewertet wird, wie Förderprogramme und Förderkriterien ausgestaltet werden und welche Mittel langfristig und
verlässlich zur Verfügung stehen.
Gesundheitsnutzen muss Prioritätenund Finanzierung verändern
Eine besondere Verantwortung liegt beim Bund. Aktive Mobilität dient zugleich Gesundheit und Prävention, Verkehrssicherheit, Klima- und Umweltschutz sowie lebenswerten Städten und Gemeinden.
Dieser Mehrfachnutzen muss die Perspektive des Bundes auf die Förderung des Radverkehrs und die Finanzierung der Radverkehrsinfrastruktur verändern. Gesundheit ist ein eigenständiger Grund, Radverkehr stärker zu priorisieren und seine Infrastruktur konsequent zu finanzieren.
Der Bund muss deshalb seine Förderpolitik, Bewertungsmaßstäbe und Prioritäten weiterentwickeln und zugleich eine langfristige und verlässliche Finanzierungsperspektive für Radverkehrsinfrastruktur sichern.
Länder und Kommunen tragen Verantwortung für Planung und Umsetzung vor Ort. Gerade dort entscheidet sich, ob der Weg zur Schule, zum Arbeitsplatz oder zum Einkauf tatsächlich sicher und bequem mit dem Fahrrad zurückgelegt werden kann – und damit, ob gesunde Lebenswelten im Alltag Realität werden.
Der ADFC treibt die Debatte voran
Der ADFC wird diese Perspektive stärker in die politische Debatte einbringen und Akteurinnen und Akteure aus Gesundheit, Kommunen, Wissenschaft, Wirtschaft, Sport, Bildung und weiteren gesellschaftlichen Bereichen einladen, ihn zu unterstützen und ihre jeweiligen Handlungsmöglichkeiten einzubringen.
Unser Appell
Der ADFC appelliert an die Gesundheits- und Verkehrspolitik: Gesundheit und Prävention müssen die Priorisierung und Bewertung von Radverkehrsinfrastruktur sowie die Ausgestaltung der Radverkehrsförderung mitbestimmen.
Für den Bund heißt das: Radverkehr muss einen höheren politischen Stellenwert bekommen. Förderpolitik und Bewertungsmaßstäbe müssen seinem gesellschaftlichen Nutzen für Mobilität, Gesundheit und Prävention stärker Rechnung tragen; seine Infrastruktur braucht dauerhaft verlässliche Finanzierung.
Länder und Kommunen müssen diesen Anspruch in ihrer Verkehrs- und Infrastrukturpolitik aufnehmen und vor Ort die Bedingungen schaffen, die aktive Mobilität im Alltag ermöglichen.
Wer Menschen zu mehr Bewegung ermutigt, muss auch dazu beitragen, dass sie im Alltag sichere Wege dafür finden.
• ADFC fordert Bundesregierung auf, Radwege als Gesundheitsinfrastruktur zu fördern.
• Regelmäßiges Radfahren kann die Gesamtmortalität um bis zu 10 Prozent senken.
• Bewegungsmangel verursacht in Deutschland jährliche Behandlungskosten von rund zwei Milliarden Euro.
WE RIDE GmbH
Gießerstraße 18
04229 Leipzig