
Die Tour de France 2026 wirkt schon vor dem Start wie ein Versprechen. Die großen Namen sind da, die Formkurven passen, die Route ist schwer genug für echte Abstände. Und trotzdem steht über allem eine sehr einfache Frage: Wer kann Tadej Pogačar schlagen?
Die Antwort ist erst einmal unbequem für alle anderen: Pogačar bleibt der Favorit. Er ist aktuell der kompletteste Fahrer im Peloton. Er kann klettern, attackieren, Zeit fahren, sprinten und Rennen früh öffnen. Genau das macht ihn so schwer kontrollierbar. Pogačar wartet selten darauf, dass eine Etappe logisch entschieden wird. Er entscheidet lieber selbst, wann ein Rennen beginnt.
Die Tour 2026 passt zu diesem Fahrertyp. Sie startet am 4. Juli in Barcelona, beginnt mit einem Teamzeitfahren und führt über 21 Etappen bis nach Paris. Auf dem Programm stehen unter anderem acht Bergetappen, fünf Bergankünfte, ein Einzelzeitfahren und als großes Finale gleich zwei Etappen mit Alpe d’Huez-Bezug. Das ist keine Tour, die man verwalten kann. Sie verlangt Kontrolle, aber auch Mut.
Genau deshalb bleibt Jonas Vingegaard der gefährlichste Herausforderer. Wenn eine Tour in der dritten Woche richtig schwer wird, wenn Hitze, Höhe und Müdigkeit zusammenkommen, ist Vingegaard vermutlich der Fahrer, der Pogačar am ehesten weh tun kann. Er fährt weniger spektakulär, aber oft brutal effizient. Wenn sein Team die Tour verdichten und Pogačar isolieren kann, wird aus dem erwarteten Duell wieder ein echter Kampf.
Remco Evenepoel ist dagegen die große Wette. Er bringt alles mit, was eine moderne Tour braucht: Zeitfahrstärke, Selbstbewusstsein und einen Motor, der auf flacheren und welligen Etappen gefährlich werden kann. Die offene Frage bleibt der Hochgebirgs-Test. Wenn Evenepoel in den Zeitfahren Zeit gewinnt und in den Bergen stabil bleibt, kann er das Rennen taktisch unruhig machen. Wenn nicht, wird er gegen Pogačar und Vingegaard eher um das Podium als um Gelb fahren.
Aus deutscher Sicht ist Florian Lipowitz der spannendste Fahrer. Nicht als klarer Anwärter auf den Gesamtsieg, aber als ernsthafter Faktor in der Gesamtwertung. Er wirkt nicht wie ein Hype-Fahrer, sondern wie jemand, der sich Schritt für Schritt in diese Rolle hineingefahren hat. Für Red Bull-Bora-Hansgrohe kann er enorm wichtig werden: als Absicherung, als taktische Option und vielleicht sogar als eigener Podiumskandidat, wenn die Tour für ihn perfekt läuft.
Dahinter kommt eine neue Generation, die der Tour zusätzliche Spannung gibt. Fahrer wie Paul Seixas, Isaac del Toro oder Juan Ayuso müssen die Tour 2026 nicht gewinnen, um sie zu prägen. Sie können Etappen öffnen, Favoriten unter Druck setzen und zeigen, ob die nächste Verschiebung im Klassement bereits begonnen hat. Besonders Seixas bringt als junger Franzose natürlich eine Geschichte mit, die größer ist als seine Ergebnisliste: Frankreich wartet seit Jahrzehnten auf den nächsten echten Tour-Hoffnungsträger.
Unsere Einschätzung ist deshalb klar: Pogačar startet als Favorit. Vingegaard ist der gefährlichste Gegner. Evenepoel ist die taktische Wette. Lipowitz ist der deutsche Gesamtklassement-Faktor. Und die junge Generation bringt Unruhe in ein Rennen, das sonst schnell wieder zur reinen Pogačar-Frage werden könnte.
Wenn alle gesund bleiben, kann die Tour de France 2026 eine der spannendsten Ausgaben der vergangenen Jahre werden. Nicht, weil der Favorit unklar ist. Sondern weil genug Fahrer da sind, um ihn wirklich zu testen.
1. Tadej Pogačar
Der Maßstab. Komplettester Fahrer, größte Explosivität, schwer zu kontrollieren.
2. Jonas Vingegaard
Der gefährlichste Herausforderer. Besonders stark, wenn die Tour lang, schwer und zermürbend wird.
3. Remco Evenepoel
Die Wette. Kann über Zeitfahren und taktische Rennmomente gefährlich werden, muss aber im Hochgebirge bestehen.
4. Florian Lipowitz
Der deutsche Faktor. Kein Topfavorit auf Gelb, aber realistische Chance auf eine starke Gesamtwertung.
5. Paul Seixas / Isaac del Toro / Juan Ayuso
Die neue Generation. Noch nicht zwingend Siegkandidaten, aber gefährlich genug, um das Rennen aufzubrechen.
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