06. August 2026 | 15:45 Uhr

Tour de France Femmes: Vollering schlägt zurück – Niedermaier fährt ins Weiße Trikot

von Robert Strehler

WE RIDE GMBH

Nach fünf von neun Etappen hat sich der Kampf um den Gesamtsieg bei der Tour de France Femmes deutlich zugespitzt. Demi Vollering gewann am Mittwoch die schwere Etappe durch das Beaujolais, Marlen Reusser verteidigte das Gelbe Trikot nur knapp. Aus deutscher Sicht sorgte Antonia Niedermaier für den bisher stärksten Auftritt: Die 23-Jährige rückte auf den vierten Gesamtrang vor und übernahm das Weiße Trikot.

Die fünfte Etappe führte über 140 Kilometer von Mâcon nach Belleville-en-Beaujolais. Acht gewertete Anstiege und rund 2.900 Höhenmeter machten das Teilstück zu einem der anspruchsvollsten Tage der bisherigen Rundfahrt.

Vollering griff bereits 31 Kilometer vor dem Ziel an und sorgte damit für eine deutliche Auswahl im Feld. Titelverteidigerin Pauline Ferrand-Prévot konnte das Tempo nicht mehr mitgehen und verlor am Ende 2:35 Minuten auf die Spitze. Auf dem Mont Brouilly setzte Vollering weitere Attacken, denen nur Reusser und Katarzyna Niewiadoma-Phinney folgen konnten. Im Sprint des Spitzentrios setzte sich die Niederländerin schließlich vor Reusser und Niewiadoma-Phinney durch.

Für Vollering war es der vierte Etappensieg ihrer Karriere bei der Tour de France Femmes. Durch die Zeitgutschriften verkürzte sie ihren Rückstand auf Reusser in der Gesamtwertung auf zwölf Sekunden.

Reusser bleibt in Gelb – drei Fahrerinnen setzen sich ab

Nach fünf Etappen führt Reusser weiterhin die Gesamtwertung an. Vollering folgt mit zwölf Sekunden Rückstand, Niewiadoma-Phinney liegt als Dritte bereits 1:17 Minuten zurück.

Dahinter hat sich Antonia Niedermaier auf den vierten Platz verbessert. Ihr Rückstand auf Reusser beträgt 2:40 Minuten. Dominika Włodarczyk folgt mit 2:54 Minuten, Elisa Longo Borghini liegt 2:58 Minuten hinter der Gesamtführenden.

Reusser und Vollering gehen damit nahezu gleichauf in die entscheidende Phase der Tour. Niewiadoma-Phinney bleibt ebenfalls im Rennen, muss am Mont Ventoux jedoch Zeit gutmachen. Für Ferrand-Prévot war die fünfte Etappe dagegen ein schwerer Rückschlag: Die Vorjahressiegerin verlor den Anschluss an die drei stärksten Fahrerinnen und liegt nun rund fünf Minuten hinter Gelb.

Niedermaier zeitweise virtuell in Gelb

Eine zentrale Rolle spielte auf der fünften Etappe auch Antonia Niedermaier. Die Deutsche gehörte zu einer 19 Fahrerinnen starken Ausreißergruppe, die sich nach rund 54 Kilometern absetzen konnte. Zeitweise betrug der Vorsprung 1:50 Minuten – damit lag Niedermaier zwischenzeitlich sogar virtuell an der Spitze der Gesamtwertung.

Als Vollering und die weiteren Favoritinnen das Rennen im Finale eröffneten, wurde die Spitzengruppe wieder gestellt. Niedermaier konnte sich dennoch lange in der Verfolgergruppe halten und erreichte das Ziel als Sechste, nur 45 Sekunden hinter dem siegreichen Trio.

Damit sprang sie in der Gesamtwertung von Platz neun auf Platz vier. Zusätzlich übernahm sie das Weiße Trikot der besten Nachwuchsfahrerin. Vor den entscheidenden Bergetappen ist Niedermaier damit nicht mehr nur eine Kandidatin für die Top Ten, sondern besitzt eine realistische Chance auf eine sehr starke Gesamtplatzierung.

So stehen die deutschen Starterinnen

Antonia Niedermaier – 4. Gesamtwertung und Weißes Trikot

Niedermaier war die große deutsche Gewinnerin der fünften Etappe. Sie fuhr offensiv, lag zeitweise virtuell in Gelb und wurde am Ende starke Sechste. Mit 2:40 Minuten Rückstand belegt sie den vierten Gesamtrang und führt die Nachwuchswertung an. Der Mont Ventoux wird nun zeigen, ob sie auch im Kampf um das Podium bestehen kann.

Maria Rosa Klöser – wichtige Helferin für Niewiadoma-Phinney

Klöser erreichte das Ziel der fünften Etappe auf Rang 46 mit 10:02 Minuten Rückstand. Ihre Aufgabe bei Canyon//SRAM liegt vor allem in der Unterstützung von Niewiadoma-Phinney und Niedermaier. Nachdem gleich zwei Fahrerinnen des Teams unter den besten vier der Gesamtwertung liegen, dürfte die taktische Bedeutung der Deutschen weiter wachsen.

Liane Lippert – im Dienst der Gesamtführenden

Lippert gehörte ebenfalls zur großen Ausreißergruppe des Tages. Nach der Einholung unterstützte sie ihre Movistar-Kapitänin Reusser und kam auf Platz 40 ins Ziel. Ihr persönlicher Rang im Gesamtklassement ist zweitrangig: Entscheidend wird sein, wie lange sie Reusser auf den kommenden Anstiegen begleiten kann.

Franziska Koch – starke Arbeit für Vollering

Auch Koch war Teil der 19-köpfigen Spitzengruppe. Im Finale konnte sie Vollering nach deren Angriff noch einmal unterstützen und half dabei, den Vorsprung auf die Verfolgerinnen auszubauen. Koch wurde 38. der Etappe und erfüllte damit eine wichtige taktische Aufgabe beim Tagessieg ihrer Kapitänin.

Linda Riedmann – schwieriger Tag im Beaujolais

Riedmann erreichte das Ziel auf Rang 97 mit knapp 25 Minuten Rückstand. Nach ihrem zehnten Platz auf der zweiten Etappe musste sie auf dem schweren Profil erwartungsgemäß Zeit abgeben. Ihre Chancen liegen eher auf weniger bergigen Teilstücken als in der Gesamtwertung.

Hannah Ludwig – nicht mehr im Rennen

Ludwig trat zur fünften Etappe nicht mehr an. Damit sind noch fünf der ursprünglich sechs deutschen Starterinnen im Rennen. Einen konkreten Grund für ihren Ausstieg nannte der Veranstalter in seinem Etappenbericht nicht.

Der Mont Ventoux wird zum nächsten großen Prüfstein

Nach dem ersten echten Schlagabtausch zeichnet sich ein Dreikampf zwischen Reusser, Vollering und Niewiadoma-Phinney ab. Die Abstände sind allerdings noch klein genug, um die Tour an einem einzigen schweren Tag komplett zu verändern.

Am Donnerstag wartet zunächst eine weitere hügelige Etappe über 153,4 Kilometer von Montbrison nach Tournon-sur-Rhône. Am Freitag folgt mit der Bergankunft am Mont Ventoux der sportliche Höhepunkt der Rundfahrt. Dort dürfte sich zeigen, ob Reusser ihre knappe Führung verteidigen kann – und wie weit Niedermaier im Kreis der besten Rundfahrerinnen bereits ist.

Deine Takeaways

  • Demi Vollering gewinnt die fünfte Etappe, Marlen Reusser bleibt mit zwölf Sekunden Vorsprung in Gelb
  • Antonia Niedermaier verbessert sich auf Gesamtrang vier und übernimmt das Weiße Trikot
  • Fünf deutsche Fahrerinnen sind weiterhin im Rennen
  • Hannah Ludwig trat zur fünften Etappe nicht mehr an

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