26. Oktober 2026 | 17:35 Uhr

Tour de France 2027: Von Edinburgh nach Paris

von Robert Strehler

A.S.O. Amaury Sports Organisation

Die Strecke der Tour de France 2027 steht fest. Am 22. Oktober hat Tour-Direktor Christian Prudhomme in Paris den Parcours der 114. Frankreich-Rundfahrt vorgestellt. Vom 2. bis 25. Juli führt das Rennen über 3.479 Kilometer von Schottland nach Paris. Neben einem historischen Grand Départ in Großbritannien warten sechs Bergetappen, zwei Einzelzeitfahren und anspruchsvolle Abschnitte in den Alpen und Pyrenäen.

Historischer Grand Départ in drei Nationen

Die Tour de France 2027 beginnt erstmals in Schottland. Am 2. Juli startet das Peloton in Edinburgh und macht sich auf den Weg nach Carlisle in Nordengland. Bereits die erste Etappe führt damit über eine Landesgrenze. Die 184 Kilometer lange Strecke dürfte insbesondere den Sprintern die erste Gelegenheit bieten, das Gelbe Trikot zu übernehmen.

Am zweiten Tag geht es von Keswick durch den Lake District nach Liverpool. Auf 223 Kilometern stehen fünf kategorisierte Anstiege auf dem Programm. Das wellige Profil eröffnet Ausreißern und offensiv fahrenden Teams Möglichkeiten, bevor die dritte Etappe von Welshpool nach Cardiff die Fahrer durch Wales führt.

Damit durchquert die Tour bereits an den ersten drei Renntagen drei Nationen des Vereinigten Königreichs. Es ist der dritte britische Grand Départ nach London 2007 und Yorkshire 2014.

Der Auftakt hat über den sportlichen Wettbewerb hinaus Bedeutung. Großbritannien wird 2027 erstmals sowohl die Tour de France der Männer als auch die Tour de France Femmes im selben Jahr eröffnen. Die Frauen starten am 30. Juli in Leeds.

21 Etappen und zwei lange Einzelzeitfahren

Die Tour de France 2027 umfasst insgesamt 21 Etappen, verteilt auf sieben Flachetappen, sechs hügelige Etappen, sechs Bergetappen und zwei Einzelzeitfahren. Drei Ruhetage sollen den Fahrern Gelegenheit zur Regeneration geben.
Besondere Bedeutung kommt den beiden Zeitfahren zu. Auf der siebten Etappe führt ein 38 Kilometer langer Kampf gegen die Uhr von Blois nach Chambord. Ein weiteres Einzelzeitfahren über 33 Kilometer rund um Toulouse folgt auf der 16. Etappe.

Mit insgesamt 71 Zeitfahrkilometern bietet die Tour 2027 so viel Raum für diese Disziplin wie keine Austragung seit 2012. Für die Favoriten auf den Gesamtsieg verändert das die Anforderungen erheblich. Reine Kletterspezialisten müssen auf den Zeitfahrstrecken konkurrenzfähig bleiben, während starke Zeitfahrer in den Bergen möglichst wenig Zeit verlieren dürfen. Nach den ersten Renntagen auf britischem Boden und der Rückkehr nach Frankreich führt die Strecke zunächst durch die Normandie und anschließend über weitere anspruchsvolle Abschnitte in Richtung Alpen.

Zu den besonderen Herausforderungen gehören die Bergankünfte am Grand Colombier und in Les Saisies. Gerade die Kombination aus langen Anstiegen, wechselnden Etappenprofilen und den Zeitfahren dürfte verhindern, dass sich die Gesamtwertung frühzeitig auf einen einzigen Fahrertyp zuschneiden lässt. Auch die Côte de Domancy, bekannt aus früheren internationalen Radsportwettbewerben, gehört zum Streckenprogramm. Auf dem Weg nach Sallanches können die Fahrer ihre Qualitäten auf steilen Anstiegen unter Beweis stellen.

Die Pyrenäen bilden schließlich einen weiteren Schwerpunkt der Rundfahrt. Mit der Bergankunft am Col du Portet bei Saint-Lary-Soulan wartet eine besonders anspruchsvolle Prüfung auf die Classementfahrer.

Die Tour wird internationaler

Der Grand Départ in Edinburgh steht zugleich für eine Entwicklung, die den internationalen Charakter der Tour de France immer stärker prägt. Auslandsstarts sind längst mehr als eine gelegentliche Besonderheit. Sie verbinden sportliche Inszenierung mit touristischer Aufmerksamkeit, wirtschaftlichen Interessen und der Möglichkeit, den Radsport in unterschiedlichen europäischen Regionen sichtbar zu machen. Für die Gastgeberregionen eröffnet das Chancen, stellt sie aber auch vor erhebliche organisatorische Herausforderungen. Verkehrsführung, Sicherheit, Unterbringung, Logistik und die Einbindung lokaler Akteure müssen über Jahre vorbereitet werden. Entscheidend ist deshalb nicht allein, wie viele Menschen während der Etappen an der Strecke stehen. Ebenso wichtig ist die Frage, welche langfristigen Impulse für den Radverkehr, den Tourismus und die lokale Infrastruktur entstehen.

Gerade in Großbritannien, wo der Radsport seit dem Grand Départ 2014 in Yorkshire eine hohe öffentliche Aufmerksamkeit genießt, wird sich zeigen müssen, wie die Veranstalter den sportlichen Höhepunkt mit nachhaltigen Projekten verbinden.

Auch die Tour de France Femmes setzt neue Akzente

Eine Besonderheit des Jahres 2027 ist die enge Verbindung der beiden großen Rundfahrten. Die Tour de France Femmes beginnt am 30. Juli in Leeds und führt über Manchester und Sheffield nach London, wo ein Mannschaftszeitfahren auf dem Programm steht. Die gemeinsame Austragung der Grand Départs in Großbritannien unterstreicht die wachsende Bedeutung des Frauenradsports im internationalen Veranstaltungskalender. Für den britischen Radsport bedeutet das einen außergewöhnlichen Sommer mit zwei Großereignissen innerhalb weniger Wochen.

Ein Vorgeschmack auf die kommenden Tour-Jahre

Mit Edinburgh 2027 setzt die Tour de France ihre Serie internationaler Austragungsorte fort. Gleichzeitig richtet sich der Blick bereits auf 2029. Für dieses Jahr bewirbt sich eine deutsche Initiative mit Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen um den Grand Départ. Auch Tschechien verfolgt entsprechende Pläne.

Deine Takeaways

- Die Tour de France 2027 führt vom 2. bis 25. Juli über 3.479 Kilometer von Edinburgh nach Paris.
- Sechs Bergetappen und insgesamt 71 Kilometer Einzelzeitfahren prägen den Kampf um den Gesamtsieg.
- Großbritannien richtet erstmals in einem Jahr die Grand Départs der Männer und Frauen aus.

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