26. Oktober 2026 | 17:52 Uhr

Tour de France 2029: Tschechien konkretisiert Bewerbung

von Robert Strehler

Adobe Stock

Im Rennen um den Grand Départ der Tour de France 2029 konkretisiert sich eine weitere europäische Bewerbung. Tschechien plant einen Tourstart in Prag mit insgesamt drei Etappen durch Mittel- und Südböhmen. Die geschätzten Kosten liegen zwischen 22 und 30 Millionen Euro. Tour-Direktor Christian Prudhomme hat die vorgesehenen Strecken bereits besichtigt. Damit bekommt die deutsche Bewerbung mit Berlin und den ostdeutschen Bundesländern zusätzliche Konkurrenz.

Prag soll Ausgangspunkt der Tour de France werden

Tschechien verfolgt seit 2025 das Ziel, den Grand Départ der Tour de France auszurichten. Am 14. November 2025 stellte eine von der damaligen Regierung eingesetzte Arbeitsgruppe das Vorhaben erstmals offiziell bei der Amaury Sport Organisation (A.S.O.) in Paris vor. Inzwischen liegen konkrete Streckenplanungen und erste Kostenberechnungen vor. Wie tschechische Medien berichten, soll die Frankreich-Rundfahrt 2029 in Prag beginnen und anschließend durch Mittel- und Südböhmen führen. Der ehemalige Radprofi Roman Kreuziger, der selbst zehnmal an der Tour de France teilgenommen hat, ist an der Entwicklung des sportlichen Konzepts beteiligt. Gemeinsam mit Přemysl Novák, dem Organisator von L’Étape Czech Republic, arbeitet er an einem Auftakt, der unterschiedliche Fahrertypen anspricht und zugleich die touristische Vielfalt des Landes präsentiert.

Eine endgültige Regierungsentscheidung über die Finanzierung steht allerdings noch aus. Tschechien hat sein Konzept bereits bei der A.S.O. präsentiert, muss für die weitere Umsetzung jedoch noch die politischen und finanziellen Voraussetzungen schaffen.

Drei Etappen zwischen Prag und dem Böhmerwald

Das tschechische Konzept sieht drei Etappen mit einer Gesamtlänge von rund 570 Kilometern vor. Die erste Etappe soll über 188 Kilometer durch Prag und die umliegende Region führen. Geplant ist ein anspruchsvoller Rundkurs, der unter anderem an den Burgen Karlštejn und Křivoklát vorbeiführt. Nach mehr als 2.500 Höhenmetern soll das Peloton wieder in die Hauptstadt zurückkehren. Die zweite Etappe führt nach den bisherigen Planungen über rund 208 Kilometer von Tábor nach České Budějovice, dem deutschen Budweis. Die Strecke durch Südböhmen soll insbesondere den Sprintern eine Gelegenheit bieten. Am dritten Tag ist eine 174 Kilometer lange Etappe von Český Krumlov nach Kvilda vorgesehen. Dabei würde die Tour durch den Böhmerwald führen und bereits zum Auftakt eine bergige Herausforderung bieten.

Die vorgeschlagenen Strecken sollen sowohl sportlich abwechslungsreich sein als auch historische Städte, Landschaften und touristische Sehenswürdigkeiten präsentieren.

Noch handelt es sich allerdings um Planungen. Ob und in welcher Form die Etappen tatsächlich gefahren werden könnten, hängt von der Vergabeentscheidung und den weiteren Abstimmungen mit dem Veranstalter ab.

Kosten von bis zu 30 Millionen Euro

Die finanzielle Dimension der Bewerbung ist erheblich. Nach Angaben der tschechischen Arbeitsgruppe werden die Gesamtkosten auf 550 bis 750 Millionen tschechische Kronen geschätzt. Das entspricht ungefähr 22 bis 30 Millionen Euro. Darin enthalten sind die organisatorischen Verpflichtungen gegenüber der A.S.O., die Vorbereitung der Etappen und zusätzliche Maßnahmen zur internationalen Vermarktung des Landes. Nach dem bisherigen Finanzierungsmodell soll etwa die Hälfte der Kosten vom tschechischen Staat getragen werden. Die übrigen Mittel müssten Prag sowie die beteiligten Regionen Mittel- und Südböhmen aufbringen.

Die Verantwortlichen argumentieren mit der weltweiten Aufmerksamkeit der Tour de France und den möglichen wirtschaftlichen Effekten für Tourismus, Hotellerie und Gastronomie. Allerdings bleibt offen, in welchem Umfang sich die Investitionen tatsächlich refinanzieren lassen. Erfahrungen anderer Gastgeberregionen zeigen zwar erhebliche wirtschaftliche Impulse, diese sind jedoch nicht automatisch auf jedes Austragungsland übertragbar.

Auch die Unterbringung des Tour-Trosses gilt als Herausforderung. Rund 4.500 Menschen reisen nach Angaben der tschechischen Organisatoren im unmittelbaren Umfeld der Rundfahrt mit. Entsprechende Hotelkapazitäten und Transportmöglichkeiten müssen in den Gastgeberregionen bereitstehen.

Tour-Direktor hat die Strecken bereits besichtigt

Die tschechischen Pläne sind bei der A.S.O. angekommen. Tour-Direktor Christian Prudhomme hat die vorgesehenen Strecken bereits aus einem Hubschrauber begutachtet. Nach Angaben tschechischer Medien reagierte Prudhomme positiv auf das Konzept. Gleichzeitig wurden Fragen zur Logistik und insbesondere zu den Übernachtungskapazitäten aufgeworfen.

Bereits bei der Präsentation im November 2025 hatte der Tour-Direktor die Qualität der tschechischen Planungen hervorgehoben. Zugleich machte er deutlich, dass mehrere Länder Interesse an einer Austragung haben und die A.S.O. die organisatorischen Details sorgfältig prüfen werde. Eine positive Reaktion auf die Streckenbesichtigung ist deshalb noch keine Vorentscheidung zugunsten Tschechiens.

Zwei Bewerbungen, unterschiedliche Konzepte

Während Deutschland mehrere Bundesländer und eine historische Erzählung miteinander verbindet, setzt Tschechien auf eine kompaktere geografische Struktur. Die geplanten Etappen konzentrieren sich auf Prag und den Süden des Landes. Das könnte Vorteile bei der Streckenorganisation bieten. Gleichzeitig stellen die Unterbringung des Tour-Trosses und die Finanzierung erhebliche Anforderungen.

Eine zusätzliche Frage ist, wie die Bewerber den Grand Départ nutzen wollen, um langfristige Impulse für den Radverkehr zu schaffen.

Entscheidung über den Grand Départ 2029 rückt näher

Die A.S.O. dürfte nach bisherigen Medienberichten im Frühjahr 2027 über die Vergabe des Grand Départ 2029 entscheiden. Neben Deutschland und Tschechien wurde auch Slowenien als möglicher Interessent genannt. Für Tschechien ist nun insbesondere die finanzielle Zustimmung der Regierung entscheidend. Erst danach kann das Land seine Planungen verbindlich weiterverfolgen.

Die kommenden Monate werden zeigen, welches der vorliegenden Konzepte den Zuschlag erhält. Sicher ist bereits jetzt: Der Grand Départ 2029 ist weit mehr als die Vergabe eines Radrennens.

Deine Takeaways

- Tschechien plant drei Etappen mit insgesamt rund 570 Kilometern durch Prag, Mittel- und Südböhmen. Das Budget liegt bei 22 bis 30 Millionen Euro.
- Tour-Direktor Christian Prudhomme hat die Strecken besichtigt. Die endgültige politische Finanzierungszusage steht noch aus.
- Die ostdeutsche Bewerbung setzt auf Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie den 40. Jahrestag der Friedlichen Revolution.

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