30. September 2026 | 17:00 Uhr

Grand Départ 2029: Wird das Olympia-Aus zur Chance für die Tour?

von Robert Strehler

Adobe Stock


Das Aus der Berliner Olympia-Bewerbung verändert die sportpolitische Lage in der Hauptstadt und in Ostdeutschland. Während die Pläne für Olympische und Paralympische Spiele vorerst beendet sind, läuft die Bewerbung für den Grand Départ der Tour de France 2029 weiter.

Damit rückt eine Frage stärker in den Mittelpunkt: Könnte die neue entfachte Debatte dem Grand Départ sogar helfen?
Nicht, weil Olympia und Tour de France direkt vergleichbar wären. Sondern weil Berlin nun neu bewerten muss, welche internationalen Sportgroßveranstaltungen politisch, finanziell und gesellschaftlich tragfähig sind.

Berlin bleibt der entscheidende Faktor

Unmittelbar nach dem Olympia-Aus entstanden Zweifel, ob auch die Tour-Bewerbung politisch ins Wanken geraten könnte. Die sportpolitische Sprecherin der Berliner Linken, Claudia Engelmann, hatte gegenüber dem rbb auf die angespannte Haushaltslage hingewiesen. Bei möglichen Ausgaben für Sportgroßereignisse müsse geprüft werden, ob Mittel nicht dringender für bestehende Sportstätten benötigt würden.

Ein grundsätzliches Nein zum Tourstart ist daraus allerdings nicht geworden. Engelmann stellte anschließend klar, dass sie Großveranstaltungen nicht pauschal ablehne, sondern eine Finanzierung fordere, die nicht zulasten der alltäglichen Sportinfrastruktur geht. Und wer sich ihren Post genau angeschaut hat: “Ich freue mich, wenn wir einen gemeinsamen Weg finden, dass die Tour de France in unserer Stadt starten kann!”

Damit liegt der entscheidende Punkt auf dem Tisch: Die Frage ist weniger, ob Berlin internationale Sportereignisse will, sondern unter welchen Bedingungen.

Tour und Olympia sind „zwei Paar Schuhe“

Auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung sieht den Grand Départ nicht automatisch durch das Olympia-Aus gefährdet. Gegenüber der Leipziger Volkszeitung warnte er heute davor, nach der Olympia-Bewerbung nun auch den Grand Départ preiszugeben.Ähnlich argumentiert der Leipziger Bundestagsabgeordnete und Radsport-Olympiasieger Jens Lehmann. Er verweist darauf, dass Gastgeberstädte von einem Grand Départ wirtschaftlich profitieren können und Olympia und Tour de France unterschiedlich bewertet werden müssten.

Rückhalt in Mitteldeutschland bleibt

Politisch dürfte neben Berlin vor allem entscheidend sein, ob die drei mitteldeutschen Länder bei ihren bisherigen Zusagen bleiben. Die gemeinsame Bewerbung wurde mit Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie Berlin entwickelt und offiziell an die A.S.O. übergeben.
Gerade Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben den Grand Départ bislang öffentlich unterstützt. Bei der offiziellen Übergabe bezeichneten die jeweiligen Regierungschefs das Projekt als Chance für internationale Sichtbarkeit, Tourismus, Wirtschaft und Radsport.
Die Bewerbung lebt gerade davon, dass sie nicht ausschließlich auf Berlin setzt. Der Tourstart soll eine gesamte Gastgeberregion miteinander verbinden. Berlin liefert dabei die internationale Symbolkraft des Mauerfall-Jubiläums, Mitteldeutschland die sportliche und regionale Bühne.

Das Olympia-Aus hat also keine freie Bahn geschaffen.

Aber es hat die Ausgangslage verändert und für die deutsche Grand-Départ-Bewerbung könnte genau darin die Chance liegen.

Deine Takeaways

- Olympia - Aus und Wahlergebnisse bringen neue Dynamik in Berlin
- Sportgroßveranstaltungen entfachen neue Debatte
- Grand Départ 2029 erhält Rückenwind

zur aktuellen Erklärung
Webseite des Vereins Grand Départ Allemagne e.V.

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