
Bosch eBike Systems. Der Zweirad-Industrie-Verband. Öffentliche Auseinandersetzungen zwischen Messe und Verbänden. Und nun auch Shimano. Innerhalb weniger Monate haben sich zentrale Akteure der Fahrradbranche von der Eurobike distanziert oder ihre Teilnahme beendet. Die Häufung dieser Entscheidungen wirft Fragen auf – nach dem Zustand der Branche ebenso wie nach der Rolle ihrer wichtigsten Leitmesse.
Zuletzt hat Shimano angekündigt, ab 2026 nicht mehr als Aussteller auf der Eurobike vertreten zu sein. Der japanische Komponentenhersteller begründet den Schritt mit einer strategischen Neuausrichtung seines Messe- und Eventauftritts. Künftig wolle man stärker auf eigene und gezielt ausgewählte Formate setzen, bei denen der direkte Austausch mit Handelspartnern und Anwendern im Vordergrund stehe. Klassische Großmessen spielten dabei eine geringere Rolle.
Der Rückzug von Shimano ist besonders bemerkenswert. Kaum ein Unternehmen steht so sehr für technologische Standards und industrielle Kontinuität in der Fahrradbranche. Dass sich ausgerechnet ein solcher Akteur von der Eurobike verabschiedet, verleiht der aktuellen Entwicklung zusätzliches Gewicht.
Zuvor hatten bereits Bosch eBike Systems sowie der Zweirad-Industrie-Verband ihre Teilnahme an der Messe beendet oder deutlich infrage gestellt. Begleitet wurde dies von öffentlich ausgetragenen Konflikten zwischen Messeveranstalter und Branchenvertretungen über Ausrichtung, Nutzen und Relevanz der Veranstaltung.
Was könnte das für die Eurobike bedeuten? Zum einen verliert die Messe weiter an industrieller Strahlkraft, wenn zentrale Systemanbieter, Verbände und Technologietreiber fehlen. Zum anderen verstärkt sich der Eindruck, dass das bisherige Messekonzept für viele große Marktteilnehmer nicht mehr zur aktuellen Realität passt – weder wirtschaftlich noch strategisch. Steigende Kosten, geringere Budgets und der Wunsch nach direkterer Kommunikation verändern die Erwartungen an Branchenveranstaltungen grundlegend.
Gleichzeitig ist die Entwicklung kaum losgelöst vom Zustand der Fahrradbranche insgesamt zu betrachten. Nach Jahren des Booms folgen Insolvenzen, Restrukturierungen, Stellenabbau und eine spürbare Zurückhaltung bei Investitionen. Der Rückzug von der Leitmesse ist damit auch Ausdruck einer Branche, die derzeit mehr mit sich selbst beschäftigt ist als mit Inszenierung und Aufbruch.
Wir blicken mit Sorge auf diese Entwicklung. Wenn sowohl die Fahrradbranche als auch ihre wichtigste Messe weiter an Stabilität verlieren, gerät mehr ins Wanken als nur ein Messeformat.
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