01. November 2025 | 15:50 Uhr

Branchenverbände steigen bei Eurobike aus – deutsches Fahrrad-Ökosystem stellt Leitmesse infrage

von Lorenz Oberdoerster

Robert Strehler

Die Verbände ZIV – Die Fahrradindustrie und Zukunft Fahrrad haben angekündigt, ihre Zusammenarbeit mit der Eurobike zu beenden und 2026 nicht mehr an der Messe teilzunehmen. Damit verabschieden sich zwei der wichtigsten Akteure der deutschen Fahrradwirtschaft von der bisher größten Branchenplattform.

In einer gemeinsamen Erklärung erklärten die Verbände, die Gespräche mit der Eurobike-Organisation über eine inhaltliche und strukturelle Neuausrichtung seien gescheitert. Laut Bernhard Lange, Vorsitzender des ZIV, sei nicht erkennbar gewesen, „dass beide Gesellschafter mit derselben Konsequenz Maßnahmen unterstützen, die nötig wären, um die Messe zukunftsfähig für die Fahrradbranche aufzustellen“. Auch Ulrich Prediger, Vorstand von Zukunft Fahrrad, betonte, die Mitglieder hätten klare Vorstellungen zu notwendigen Anpassungen formuliert, doch eine realistische Umsetzung sei nicht in Sicht.¹

Dem Schritt ging ein umfangreicher Feedback-Prozess nach der Eurobike 2025 voraus, bei dem ein „10-Punkte-Plan Eurobike 2026“ entstand. Ziel war es, die Messe stärker an den aktuellen Entwicklungen der Fahrradwirtschaft auszurichten – insbesondere an Themen wie Alltagsmobilität, E-Bikes, Cargo-Bikes und nachhaltige Logistik.² Doch die Gespräche mit den Messegesellschaften verliefen offenbar ohne greifbares Ergebnis.

Der Rückzug der Verbände sorgt in der Branche für Aufsehen. Die Eurobike galt jahrzehntelang als Leitmesse der internationalen Fahrradwelt – ein Ort, an dem sich Industrie, Handel, Politik und Medien trafen. Der Ausstieg bedeutet mehr als nur den Verlust zweier Partner: Er stellt das Selbstverständnis der Messe infrage. Denn ohne die Rückendeckung der zentralen Interessenvertretungen droht ihr ein Verlust an Legitimität.

Kritiker bemängeln schon länger, dass die Messe den Wandel der Branche nur unzureichend abbildet. Während E-Bikes, urbane Mobilitätslösungen und Digitalisierung längst das Marktgeschehen prägen, stehe die Eurobike noch zu stark im Zeichen klassischer Produktpräsentationen.³ Auch die Frage, ob Frankfurt als Standort langfristig die internationalen Ansprüche erfüllt, wird in der Industrie zunehmend offen diskutiert.

Für die Branche selbst beginnt nun eine Phase der Neuorientierung. Ob eine andere Plattform künftig die Rolle der Eurobike übernehmen kann – oder ob sich kleinere, spezialisierte Formate durchsetzen – bleibt abzuwarten. Klar ist nur: Die Entscheidung von ZIV und Zukunft Fahrrad sendet ein Signal. Die deutsche Fahrradwirtschaft will mehr Mitsprache, mehr Dynamik und Messen, die den Wandel zur neuen Mobilitätskultur glaubwürdig verkörpern.

Am Ende steht weniger ein Bruch, sondern vielleicht der Beginn einer Neuordnung: Die Fahrradbranche sucht nach einer Bühne, die so flexibel ist wie ihr eigener Wandel.

¹ https://www.ziv-zweirad.de/2025/10/30/ziv-die-fahrradindustrie-und-zukunft-fahrrad-beenden-zusammenarbeit-mit-der-eurobike
² https://zukunft-fahrrad.org/gemeinsame-pressemitteilung-zur-eurobike-kooperation
³ https://www.velobiz.de/news/ziv-und-zukunft-fahrrad-beenden-zusammenarbeit-mit-der-eurobike-veloQXJ0aWNsZS8zMzc2MAbiz

Deine Takeaways

  • ZIV und Zukunft Fahrrad beenden Zusammenarbeit mit EUROBIKE
  • Verbände nicht auf EUROBIKE 2026 vertreten
  • Welche Auswirkungen hat dieses Signal?
zur Pressemeldung
Webseite vom ZIV

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