23. März 2026 | 15:14 Uhr

Muss die Cyclingworld die bessere EUROBIKE sein?

von Robert Strehler

Lorenz Oberdoerster

Die Frage steht im Raum – auf Fluren, an Ständen, in Gesprächen zwischen Marken und Medien: Muss die Cyclingworld die bessere Eurobike sein? Oder zeigt sich gerade eine Chance für die Branche, mehrere starke Plattformen zu entwickeln, die unterschiedliche Funktionen erfüllen? Wir haben zugehört und der Tenor war schon: die Cyclingworld wird der EUROBIKE den Rang ablaufen.

Wir haben uns Gedanken gemacht und sind mit unseren Eindrücken vom Wochenende der dieser Frage nachgegangen und ob es das "A wird B ablösen oder den Rang ablaufen überhaupt braucht!"

Aber eins nach dem anderen: 3 Tage Event, volle Teststrecken, rund 500 Marken, über 30.000 Besucherinnen und Besucher und eine Atmosphäre, die eher an ein Festival als an eine klassische Messe erinnert. Dazu noch das wahnsinnig gute Frühlingswetter. Vom 32-Zoll-Konzeptbike über Full-Suspension-Gravel bis hin zu Rädern unter fünf Kilogramm zeigt sich: Innovation findet nicht nur im Labor statt, sondern direkt im Kontakt mit der Szene.

Eine Messe, die sich wie Saisonauftakt anfühlt

Was die Cyclingworld besonders macht, ist ihre Zugänglichkeit. Das Publikum wirkt bewusst gemischt: Familien, Commuter, E-Bike-Nutzerinnen, Gravel-Enthusiasten, Rennrad-Nerds, Designliebhaberinnen – und auch Menschen, die einfach Lust haben, Fahrrad zu erleben.
Unterschiedlichste Teststrecken, Ausfahrten und ein spürbar entspannter Rahmen sorgen dafür, dass Produkte nicht nur präsentiert, sondern ausprobiert werden. Gespräche entstehen niedrigschwellig – zwischen Start-up und Konzern, zwischen Szene und Industrie.

Unser Eindruck vor Ort: eine starke B2C-Prägung, weniger klassische Ordermesse. Das passt auch zu einem Trend, den die Veranstalter selbst betonen: Das Fahrrad wird zunehmend zum Lifestyle-Produkt, Ausdruck von Haltung, Design und individueller Mobilität.

Profil statt Konkurrenzdenken

Viele Aussteller äußern sich aktuell skeptisch gegenüber der Eurobike – gleichzeitig wird die Cyclingworld von vielen als sehr passendes Format gefeiert. Doch daraus automatisch eine Konkurrenzsituation abzuleiten, greift aus unserer Sicht zu kurz. Denn die Branche verändert sich. Die Produktwelten differenzieren sich aus:
High-End-Komponenten, Cargo-Bikes, urbane Mobilität, Performance-Sport, digitale Integration – ein einzelnes Format kann diese Vielfalt kaum vollständig abbilden.

Dass Veranstaltungen heute stärker profilierte Rollen einnehmen, kann deshalb auch als Zeichen von Reife verstanden werden. Die Branche hat zwei Bühnen in unterschiedlicher Funktion. Wir verstehen das eher als Chance und weniger als "A ist besser als B!". Die Eurobike bleibt eine zentrale Plattform für internationale Vernetzung, Skalierung und industriepolitische Themen. Die Cyclingworld positioniert sich dagegen immer klarer als kuratierter Treffpunkt für Community, Markenidentität und direkten Austausch mit Nutzerinnen und Nutzern.

Oder anders gesagt:
Die eine Veranstaltung denkt stärker vom Markt, die andere stärker vom Produkt und vom Erlebnis. Beides ist relevant. Gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten können unterschiedliche Formate sogar helfen, Budgets gezielter einzusetzen und Zielgruppen klarer anzusprechen. Vielleicht liegt die eigentliche Stärke nicht darin, dass ein Event das andere ersetzt.
Sondern darin, dass die Fahrradbranche mehrere funktionierende Treffpunkte hat, die unterschiedliche Perspektiven ermöglichen:
Industrie und Community.
Business und Kultur.
Innovation und Anwendung.

Die Cyclingworld zeigt eindrucksvoll, wie groß die Begeisterung für das Fahrrad weiterhin ist – über Zielgruppen hinweg und mit viel Offenheit für neue Ideen.
Die entscheidende Frage ist deshalb vielleicht nicht, welche Messe die bessere ist. Sondern welche Rolle sie jeweils spielen kann.

Deine Takeaways

- Cyclingworld 2026
- Eindrücke von WE RIDE

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