14. August 2025 | 00:23 Uhr

Radweg-Rückbau in Berlin: DUH klagt gegen Bezirksamt

von Robert Strehler

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) geht in Berlin in die Offensive: Sie bezeichnet den geplanten Rückbau des geschützten Radwegs auf der Kantstraße in Charlottenburg-Wilmersdorf als rechtswidrig und droht mit einer Klage. Ein am 22. Juli 2025 veröffentlichtes Rechtsgutachten stützt die Kritik. Statt den bestehenden Radweg zu erhalten, soll der Radverkehr künftig auf eine schmale gemeinsame Busspur verlegt werden – während zahlreiche Parkplätze bleiben. Für die DUH ist das ein klarer Verstoß gegen geltendes Recht und ein Rückschritt für die Verkehrssicherheit.

Warum die DUH protestiert

Die Kantstraße ist eine der wichtigsten Ost-West-Achsen im Berliner Westen. Der während der Corona-Pandemie eingerichtete Pop-up-Radweg gilt mit 3,6 Kilometern als einer der längsten geschützten Radwege in Deutschland. Seit seiner Einführung hat sich die Zahl der Radfahrenden dort mehr als verdreifacht – gleichzeitig verbesserte sich die Luftqualität deutlich.2

Nun soll die Spur für Radfahrende wieder verschwinden. Der Plan sieht vor, sie auf eine Busspur mit nur knapp drei Metern Breite zu verlegen. Das aktuelle Gutachten hält diese Lösung für unzulässig: Mindestbreiten werden nicht eingehalten, der Radverkehr werde de facto behindert und gefährdet. Damit würde der Berliner Senat gegen das eigene Mobilitätsgesetz und den Radverkehrsplan verstoßen.1

Sicherheit vs. Parkplätze

Besonders kritisch bewertet die DUH, dass trotz der Flächenknappheit Parkplätze erhalten bleiben sollen, während Rad- und Busverkehr sich den engen Raum teilen müssten. Aus Sicht der Umwelthilfe wird hier der Vorrang von Kfz-Stellplätzen über die Sicherheit der schwächeren Verkehrsteilnehmer gestellt.

„Statt sichere Radwege abzubauen, müssen endlich überflüssige Parkplätze weichen“, fordert DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Nur so könnten Radfahrende geschützt, Busse pünktlicher und der Lieferverkehr effizienter werden.1

Symbol für die Verkehrswende

Der Streit um die Kantstraße geht über eine einzelne Straße hinaus. Für viele gilt er als Gradmesser für die Berliner Verkehrspolitik. Wird die Stadt ihrer eigenen Verkehrswende gerecht – oder setzt sie weiterhin auf das Auto?

Fahrradinitiativen wie Changing Cities und der ADFC Berlin unterstützen die Position der DUH. Sie betonen, dass die Kantstraße zum Symbol für die Frage geworden ist, ob die Politik bereit ist, konsequent Platz für nachhaltige Mobilität zu schaffen. In den kommenden Wochen sind weitere Proteste und Demonstrationen angekündigt.3

Politische Dimension

Die Debatte hat längst die Landespolitik erreicht. Während sich Teile des Senats für den Rückbau aussprechen, um Autoverkehr und Parkplätze zu sichern, warnen Grüne und Linke vor einem „Rückfall in alte Denkmuster“. Auch juristisch könnte die Auseinandersetzung weitreichende Folgen haben: Sollte ein Gericht den Rückbau stoppen, wäre das ein Präzedenzfall für andere Städte, in denen Radwege zugunsten von Parkraum zurückgebaut werden sollen.

Fazit: Klage als letzte Chance

Mit ihrem Rechtsgutachten und der angekündigten Klage setzt die DUH ein starkes Signal: Sicherheit und Aufenthaltsqualität dürfen nicht hinter Parkinteressen zurückstehen. Der Konflikt auf der Kantstraße zeigt, wie heftig die Auseinandersetzung um den öffentlichen Raum in deutschen Städten geführt wird – und dass die Verkehrswende vor Gericht entschieden werden könnte.

Deine Takeaways

* 🚲 Die DUH hält den Rückbau des Radwegs Kantstraße für rechtswidrig – gestützt durch ein aktuelles Gutachten.

* 🛑 Radverkehr soll auf eine zu schmale Busspur verlegt werden, während Parkplätze bleiben – ein Verstoß gegen Mobilitätsgesetz und Sicherheit.

* ⚖️ Der Streit wird zum Präzedenzfall für die Verkehrswende – mit Protesten, Klagedrohung und großer Symbolkraft.

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