26. März 2026 | 10:37 Uhr

Note 3: befriedigend, frei von groben Fehlern, durchschnittliche Leistung.
Geht es nach Schulnoten, ist das Ergebnis der Stationskontrolle der Schleswig-Holsteinischen Bahnhöfe durchwachsen und auch 2025 ist keine deutliche Verbesserungen zu den Vorjahren zu verzeichnen. NAH.SH informiert über den Zustand der Bahnstationen in SH:
Die Beleuchtung an Bahnsteigen, Unterständen oder Unterführungen funktioniert nicht überall zuverlässig. An Wartehäuschen sind Scheiben häufig beschädigt, fehlen und werden erst nach längerer Zeit ersetzt. Vereinzelt mangelt es an Sitzmöglichkeiten. Graffiti und Schmierereien beeinträchtigen das Erscheinungsbild. Mangelnder Grünschnitt erschwert die Nutzung von Wegen und Leitsystemen: Zu diesen Ergebnissen kommen die Gutachter bei der Stationskontrolle 2025 an Bahnstationen in Schleswig-Holstein im Auftrag der NAH.SH. Im Jahresdurchschnitt vergaben sie für alle Stationen im Land die Gesamtnote 2,97.
Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen: „Das Gutachten zeigt: Viele Stationen sind in einem ordentlichen Zustand, aber es gibt weiterhin Verbesserungsbedarf. Saubere, gut beleuchtete und barrierefreie Bahnhöfe sind die Visitenkarte des öffentlichen Nahverkehrs und für viele Menschen der erste Eindruck vom System. Deshalb schauen wir genau hin, damit die Infrastrukturbetreiber weiter daran arbeiten, die Qualität an den Stationen Schritt für Schritt zu verbessern. Zudem prüfen wir, an welchen Stellschrauben wir landesseitig drehen können, damit die Fahrgäste mit einem guten Gefühl ein- und aussteigen.“
Vier unangekündigte Tests pro Jahr
Der aktuelle Bericht betrachtet das gesamte Jahr 2025. Die Begutachtungen führt die BahnStadt Planungsgesellschaft für Bahnhofsentwicklung mbH im Auftrag der NAH.SH durch. Die Gutachter überprüfen unangekündigt einmal pro Quartal alle 179 Bahnstationen und Bahnhöfe in Schleswig-Holstein sowie zusätzlich die vom schleswig-holsteinischen Nahverkehr bedienten Hamburger Stationen.
Bewertet werden unter anderem:
Zusätzlich prüfen die Tester*innen Bike-and-Ride-Stellplätze (B+R), deren Auslastung sowie Haltestellen des Ersatzverkehrs (EV). Die Kontrollen im vierten Quartal finden bei Dunkelheit statt, um auch die Beleuchtung zu bewerten. Alle festgestellten Mängel tragen die Tester*innen in eine interne Datenbank ein. Die Daten wertet BahnStadt mit der NAH.SH kontinuierlich aus und ermöglicht dadurch auch Langzeitvergleiche. Die Ergebnisse der Stationskontrollen veröffentlicht NAH.SH einmal jährlich in einem Bericht.
Im Jahresdurchschnitt schneiden die von AKN und NEG betriebenen Stationen mit den Noten 2,6 beziehungsweise 2,4 am besten ab. Die von DB InfraGO betriebenen Stationen erhalten im Durchschnitt eine 3,1 in Schleswig-Holstein und eine 3,3 in Hamburg.
Die besten Durchschnittsnoten in allen Teilbereichen erhielten:
Den dritten Platz mit der Gesamtnote 1,75 teilen sich acht Stationen: Holstentherme und Neumünster Süd (beide AKN), Bad St. Peter Süd, Fresenburg, Friedrichsgabe, Garding, Kating und Tating (alle DB InfraGO Schleswig-Holstein). Die genannten DB-Stationen wurden im Jahr 2024 für den Betrieb mit Akkuzügen u. a. mit Landesmitteln modernisiert und barrierefrei umgebaut.
Am schlechtesten schnitt bei der Überprüfung die Station Sierksdorf mit der Note 4,5 ab. Dahinter folgen Kupfermühle, Wilster und Büsum (alle DB SH) mit jeweils 4,2.
Zum Vergleich: Im letzten Bericht vergaben die Gutachter die Durchschnittsnote 3,0 für alle schleswig-holsteinischen Stationen.
Positiv bewerten die Gutachter die statischen Fahrgastinformationen an den Stationen im Land. Diese sind insgesamt zuverlässig vorhanden und haben sich an vielen Standorten verbessert, genauso bewährt sich der Einsatz von LED-Beleuchtung. Die Wege zu Haltestellen des Ersatzverkehrs sind gut ausgeschildert. Die Ausstattung mit digitalen Informationssystemen und Lautsprechern ist ausgebaut. Verbesserungsbedarf sehen die Prüfer weiterhin bei der Fahrgastinformation bei abweichenden Fahrplänen. Auch Umsteigewege sind für Fahrgäste nicht überall ausreichend klar gekennzeichnet.
Monitoring von schweren Mängeln
Gemeinsam mit den Gutachtern definiert die NAH.SH aus Fahrgastsicht besonders schwerwiegende Mängel, die von den Infrastrukturunternehmen prioritär bearbeitet werden sollen. Über die digitale Datenbank ist ein umfassendes Monitoring möglich: Alle beteiligten Akteure können nachvollziehen, ob und wann festgestellte Schäden behoben wurden.
NAH.SH-Geschäftsführer Dr. Arne Beck: „Mit den Stationskontrollen schaffen wir Transparenz über die Qualität an den Bahnhöfen im Land und eine gute Grundlage für eine bessere Zusammenarbeit mit den Verkehrs- und Infrastrukturunternehmen. Die Ergebnisse zeigen klar, wo Stationen gut funktionieren und wo Handlungsbedarf besteht. Zugleich wird deutlich, dass Bahnhöfe in der Verantwortung lokaler Eisenbahninfrastrukturunternehmen besser abschneiden als solche im Bundeseigentum – ein Befund, der die Diskussion über eine mögliche Regionalisierung der Infrastruktur erneut unterstreicht.“
Das Land Schleswig-Holstein und die NAH.SH haben keine direkten Verträge mit den Eisenbahninfrastrukturunternehmen und damit auch keine Möglichkeit, Qualitätsmängel unmittelbar zu sanktionieren. Gleichzeitig haben Land, NAH.SH und die Deutsche Bahn eigene Projekte gestartet, um das Erscheinungsbild an Stationen und im Stationsumfeld unabhängig vom Engagement der Infrastrukturbetreiber zu verbessern. Dazu zählen:
Das vom Bund bereitgestellte Sondervermögen für die Länder ermöglicht weitere Ausbauten und Sanierungen.
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