29. April 2026 | 10:11 Uhr

Am Montag veröffentlichte das statistische Bundesamt aktuelle Zahlen zur Unfallstatistik für Deutschland für das Jahr 2025. Traurige Erkenntnis: Jedes 6. Todesopfer im Straßenverkehr ist Farhrradfahrer. Damit ist der Anteil von Fahrradfahrer*innen an den Verkehrstoten im vergangenen Jahr erneut gestiegen, um 3,8% im Vergleich zum Vorjahr und um 20,6% im Vergleich zu 2015. Damit wächst die Zahl der getöteten Radfahrenden doppelt so schnell wie die Gesamtzahl der im Straßenverkehr Getöteten. nsgesamt gab es im vergangenen Jahr 95.794 Fahrradunfälle mit Personenschaden. Bei zwei von drei Unfällen war ein zweiter Verkehrsteilnehmer beteiligt - in knapp 70 Prozent der Fälle war das ein Autofahrer. Letzter hatte dann meist auch Schuld am Unfall: Nur in jedem vierten Fall trug die Hauptschuld der Fahrradfahrer.
Diese Zahlen sind alarmierend. Sowohl ADFC als auch der Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR) fordern die deutliche Trennung der Verkehrsströme und eine fehlerverzeihende Infrastruktur.
„Sicherheit darf keine Frage des gewählten Verkehrsmittels sein“, betont DVR-Präsident Manfred Wirsch. „Dass die Zahl der getöteten Menschen auf dem Rad Jahr für Jahr steigt, ist eine dringender Handlungsauftrag für die Verkehrspolitik.“

(c)ADFC/Mosterz
ADFC-Bundesgeschäftsführerin Dr. Caroline Lodemann sagt:
„Immer mehr Menschen nutzen Fahrrad und E-Bike für ihre täglichen Wege. Das ist gut für die Gesundheit, die Stauentlastung und schützt das Klima. Gleichzeitig müssen die Unfallzahlen dringend fallen, statt weiter zu steigen. Wir weisen seit Langem darauf hin, dass zu viele Radwege in Deutschland mangelhaft sind – wenn es sie überhaupt gibt. Radwege müssen dringend sicher und fehlerverzeihend ausgebaut werden. Gefährliche Kreuzungen gilt es, durch getrennte Ampelphasen, gute Sichtbeziehungen und eine bauliche Trennung von Kfz- und Radverkehr sicher zu gestalten. Eine sofort umsetzbare Maßnahme für die Sicherheit der Radfahrenden ist Tempo 30 als Standard und Tempo 50 als Ausnahme – so wie in Helsinki, das bei der Verkehrssicherheit ganz vorne liegt. Dafür braucht es vor allem den politischen Willen, die Sicherheit von Radfahrerinnen und Radfahrern ernst zu nehmen.“
Trennung der Verkehrsströme: Infrastruktur muss Fehler verzeihen
Der DVR fordert eine flächendeckende Aufwertung der Radinfrastruktur – durch die qualitative Erneuerung bestehender Wege sowie den Bau neuer Wege. Im Zentrum der Maßnahmen muss die konsequente bauliche Trennung von Fuß-, Rad- und Pkw-Verkehr stehen, insbesondere an bekannten Unfallschwerpunkten. Radwege müssen für alle Verkehrsteilnehmenden an Kreuzungen, Einmündungen und Zufahrten klar erkennbar und intuitiv verständlich gestaltet sein. Freie Sichtbeziehungen zwischen allen Verkehrsteilnehmenden dürfen nicht durch parkende Fahrzeuge beeinträchtigt werden. Maßnahmen wie vorgezogene Haltelinien für Radfahrende sowie getrennte Ampelphasen für Rad- und Autofahrende können das Unfallrisiko an Kreuzungen zusätzlich reduzieren. Darüber hinaus müssen Radwege ausreichend breit, gut instandgehalten und frei von Hindernissen sein. So lassen sich auch die häufigen Alleinunfälle reduzieren, die oft Menschen ab 65 Jahren betreffen. Wo eine bauliche Trennung der Verkehrsarten nicht umsetzbar ist, muss die zulässige Höchstgeschwindigkeit abgesenkt werden. Dies erhöht die Überlebenschancen Radfahrender erheblich.
„Wir bauen Straßen noch zu oft nach dem Prinzip Hoffnung – in der Erwartung, dass alle Beteiligten jederzeit fehlerfrei am Verkehr teilnehmen“, sagt Manfred Wirsch. „Doch eine gute Infrastruktur muss menschliche Fehler ausgleichen und darf sie nicht mit schweren Unfällen bestrafen. Deshalb ist jeder Euro für eine moderne Radinfrastruktur ein lohnenswerter Beitrag zu mehr Sicherheit – und auch ein Beitrag zur Senkung der volkswirtschaftlichen Kosten von Straßenverkehrsunfällen, die 2024 erstmalig die Grenze von 40 Milliarden Euro durchbrochen haben.“
- Zahl der getöteten Radfahrenden ist 2025 weiter gestiegen
- Ältere Radfahrende besonders gefährdet
- Autofahrerinnen und -fahrer sind häufigste Unfallgegner von Radfahrenden
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