15. Juni 2026 | 14:41 Uhr

80 Prozent der Deutschen fahren Fahrrad. Mehr als die Hälfte würde künftig sogar gerne häufiger in die Pedale treten. Kinder verbinden das Fahrrad mit Freiheit, Selbstständigkeit und Spaß. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Fahrrad-Monitor 2025, die wichtigste bundesweite Radverkehrsstudie des Bundesverkehrsministeriums. Die Ergebnisse sind bemerkenswert. Denn sie zeigen vor allem eines: Deutschland hat kein Akzeptanzproblem beim Fahrrad. Die Menschen wollen Rad fahren.
Nur wenige Tage nach Veröffentlichung der Studie kündigte das Bundesverkehrsministerium ein neues Förderprogramm an. Mit „Junge Generation Fahrrad – aktiv mobil“ sollen bis zu 145 Millionen Euro in Projekte fließen, die die Sicherheit und Mobilität von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen verbessern.
Der Fahrrad-Monitor wird seit 2009 vom SINUS-Institut im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums durchgeführt und gilt als repräsentatives Stimmungsbild zum Radverkehr in Deutschland.
Die aktuellen Ergebnisse zeigen eine hohe Akzeptanz des Fahrrads. Vier von fünf Deutschen fahren zumindest gelegentlich Fahrrad. Noch wichtiger: Mehr als die Hälfte der Bevölkerung würde gerne häufiger mit dem Rad unterwegs sein. Damit verschiebt sich die Diskussion. Die Frage lautet längst nicht mehr, wie man Menschen vom Fahrrad überzeugt. Die Frage lautet vielmehr, warum viele Menschen trotz vorhandener Bereitschaft nicht häufiger Rad fahren.
Besonders spannend ist die erstmals durchgeführte Kinderbefragung. Die große Mehrheit der Kinder fährt gerne Fahrrad. Gleichzeitig äußern viele Sorgen und Ängste im Straßenverkehr. Große Fahrzeuge, dichter Autoverkehr, unübersichtliche Situationen und fehlende Sicherheit gehören zu den häufigsten Gründen. Genau hier zeigt sich die eigentliche Herausforderung. Kinder möchten selbstständig mobil sein. Eltern wünschen sich sichere Wege. Doch vielerorts fehlen die passenden Rahmenbedingungen. Der Fahrrad-Monitor beschreibt damit ein Problem, das viele Familien aus dem Alltag kennen.
Mit dem neuen Förderprogramm reagiert das Bundesverkehrsministerium auf genau diese Erkenntnisse. Gefördert werden sollen unter anderem sichere Schulwege, Querungshilfen, Verkehrsberuhigungen, Lückenschlüsse im Radwegenetz sowie weitere Maßnahmen für den Rad- und Fußverkehr. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein starkes Signal. Bei genauerem Hinsehen lohnt jedoch ein zweiter Blick. Denn das Programm sieht vor, bundesweit bis zu 30 Projekte bis zum Jahr 2031 zu fördern.
In Anbetracht der aktuellen Haushaltslage in Deutschland fällt uns die Einordnung der 145 Millionen Euro schwer. Ja, es gibt Geld für notwendige Infrastrukturmaßnahmen aber 30 Projekte in fünf Jahren wirken dagegen erstaunlich überschaubar. Deutschland zählt mehr als 11.000 Städte und Gemeinden. Mal ganz einfach gerechnet: das sind rund 13.000 € pro Stadt und Gemeinde bis 2031. Die Rechnung ist sicherlich nicht ganz gültig, zeigt uns aber: wo scheinbar Prioritäten liegen.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob Deutschland tatsächlich weitere Modellprojekte benötigt. Die grundlegenden Lösungen sind seit Jahren bekannt: sichere Kreuzungen, geschützte Radwege, verkehrsberuhigte Bereiche und durchgängige Verbindungen.
WE RIDE Kommentar:
Die Herausforderung liegt doch heute weniger im Erkenntnisgewinn als in der Umsetzung. Kontinuierliches Abarbeiten des Investitionsstaus muss die Devise sein und das erfordert Mut und Durchhaltevermögen. 145 Millionen € die ein Problem lösen sollen, dass aus einer Studie hervorging. Das ist in seiner Logik ein guter Vorgang. Aber es müssten 1,45 Milliarden sein, damit spürbar und flächendeckend Maßnahmen umgesetzt werden können. Dennoch: ein Schritt in die richtige Richtung!
WE RIDE GmbH
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