24. Juni 2026 | 12:00 Uhr

Die EUROBIKE steht vor einem Umbruch. Nach rückläufigen Ausstellerzahlen und wachsender Kritik am Konzept will sich die Frankfurter Messe ab 2027 stärker auf das Fachpublikum konzentrieren und künftig im Zweijahresrhythmus stattfinden. Gleichzeitig kündigte der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) mit der „towards tomorrow – European Bike Show“ ein neues Format in Köln an.
Der Schritt ist die Folge eines länger schwelenden Konflikts. In den vergangenen Jahren hatten zahlreiche internationale Marken ihre Präsenz in Frankfurt reduziert oder ganz eingestellt. Verbandsmitglieder wie Bosch und Paul Lange unterstützen inzwischen den neuen Weg des ZIV. Gleichzeitig kämpft die Branche weiterhin mit den Folgen des Fahrradbooms während der Corona-Pandemie. Hohe Lagerbestände, sinkende Margen und eine zurückhaltende Nachfrage prägen das Marktumfeld.
Für die EUROBIKE bedeutet das einen tiefgreifenden Wandel. Zur diesjährigen Veranstaltung werden knapp 800 Aussteller erwartet – nur noch gut halb so viele wie im Vorjahr. Rund 300 davon stammen aus China. Kritiker bemängeln seit längerem, dass asiatische Hersteller und Nachbauten zu viel Raum einnehmen und europäische Marken nicht ausreichend geschützt würden. Doch die Debatte reicht inzwischen über die Frage hinaus, welche Veranstaltung das bessere Konzept bietet. Vielmehr stellt sich die grundsätzliche Frage, ob sich die Fahrradbranche in einer wirtschaftlich anspruchsvollen Phase eine weitere Zersplitterung leisten kann. Während die EUROBIKE auf ihre internationale Strahlkraft setzt, wollen die Verbände mit einem eigenen Format Politik, Industrie und Handel enger zusammenbringen. Regionale Festivals und weitere Veranstaltungen ergänzen das Angebot.
Aus Sicht vieler Unternehmen sind Zeit, Budgets und Personal jedoch begrenzte Ressourcen. Damit wächst die Herausforderung, immer mehr Formate zu bespielen. Vielleicht geht es deshalb weniger um die Frage, welche Messe gewinnt. Sondern darum, welche Rollen die verschiedenen Formate künftig einnehmen sollen. Andere Branchen haben gelernt, dass starke Ökosysteme nicht dadurch entstehen, dass jeder alles macht. Sondern dadurch, dass unterschiedliche Akteure ihre jeweiligen Stärken ausspielen.
Ob die Fahrradbranche diesen Weg findet, dürfte eine der spannendsten Fragen der kommenden Jahre werden.
WE RIDE GmbH
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