12. Mai 2026 | 09:12 Uhr

Der Volksentscheid „Berlin autofrei“ hat die notwendige Zahl an Unterschriften verfehlt. Nach Angaben des Berliner Landeswahlleiters wurden bis zum Ende der Eintragungsfrist am 8. Mai 2026 rund 144.500 Unterschriften eingereicht. Erforderlich gewesen wären 173.961 gültige Unterschriften – sieben Prozent der Stimmberechtigten in Berlin. Bis zum Vormittag des 11. Mai waren 82.248 Unterschriften geprüft, davon galten 67.674 als gültig. Das endgültige Ergebnis soll spätestens am 22. Mai bekanntgegeben werden.¹
Damit kommt es vorerst nicht zu einem Volksentscheid über das von der Initiative vorgeschlagene Gesetz zur gemeinwohlorientierten Straßennutzung. Ziel war es, den Autoverkehr innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings deutlich zu reduzieren. Private Autofahrten sollten stark eingeschränkt werden, während unter anderem Rettungsdienste, Menschen mit Behinderung, Liefer- und Wirtschaftsverkehr weiter Ausnahmen erhalten sollten.²
Politisch ist das Volksbegehren damit gescheitert. Gesellschaftlich lässt sich die Bilanz weniger eindeutig ziehen. Denn auch ohne Volksentscheid hat „Berlin autofrei“ eine Frage sichtbar gemacht, die weit über die Hauptstadt hinausweist: Wieviel Platz wird den Verkehrsformen zur Verfügung gestellt und wie wollen wir den öffentlichen Raum gestalten?
Genau darin liegt die eigentliche Wirkung des Verfahrens. 144.500 eingereichte Unterschriften reichen nicht für den nächsten formalen Schritt, sind aber dennoch ein deutliches Signal. Über Monate wurde in Berlin über Flächengerechtigkeit, Verkehrssicherheit, Aufenthaltsqualität, Lieferverkehr, Erreichbarkeit und Alltagstauglichkeit diskutiert. Das Thema war nicht nur eine verkehrspolitische Forderung, sondern ein öffentlicher Stresstest für die Vorstellung davon, wie Stadt in Zukunft funktionieren soll.
Das Scheitern kann deshalb auch eine Chance sein. Die Debatte muss nun nicht bei der Maximalforderung stehen bleiben. Sie kann konkreter werden: weniger Durchgangsverkehr in Wohnquartieren, sichere Schulwege, mehr Platz für Rad- und Fußverkehr, bessere Lieferkonzepte, mehr Aufenthaltsqualität und eine konsequentere Umsetzung bereits beschlossener Mobilitätsziele. Gerade weil das Volksbegehren polarisiert hat, liegt nun die Aufgabe bei Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft, aus Aufmerksamkeit handhabbare Schritte zu machen.
Für die Verkehrswende ist das Ergebnis also kein Schlussstrich. Es zeigt vielmehr, wie groß die Hürde für direkte Demokratie ist – und wie schwer es bleibt, aus einer starken Idee eine mehrheitsfähige konkrete Regelung zu formen. Gleichzeitig hat „Berlin autofrei“ bewiesen, dass die Frage nach gerechter Straßennutzung längst nicht mehr nur in Fachkreisen geführt wird. Sie ist in der Stadtgesellschaft angekommen.
Kommentar der Redaktion:
Auch ein gescheiterter Volksentscheid kann eine neue Dynamik in eine autogerechte Langzeitdebatte bringen und ist daher ein wichtiger erster Schritt in Sachen nachhaltiger Mobilität.
Quellen:
¹ Landeswahlleiter Berlin: Pressemitteilung zum Stand der eingereichten Unterschriften, 11. Mai 2026.
https://www.berlin.de/wahlen/pressemitteilungen/2026/pressemitteilung.1670049.php
² Tagesspiegel Background: „Volksbegehren Berlin autofrei gescheitert“, 11. Mai 2026.
https://background.tagesspiegel.de/verkehr-und-smart-mobility/briefing/volksbegehren-berlin-autofrei-gescheitert
- „Berlin autofrei“ verfehlt mit rund 144.500 eingereichten Unterschriften das notwendige Quorum.
- breite Debatte über Flächengerechtigkeit und Straßennutzung ausgelöst.
- Scheitern als Chance!
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