01. Juni 2026 | 12:05 Uhr

In Berlin entsteht ein neues Kongressformat für die deutsche Fahrradwirtschaft. Die „towards tomorrow – Cycling Industry Convention 2026“ findet am 5. November 2026 im WECC Berlin statt und löst nach 16 Jahren die bisherige Branchenveranstaltung vivavelo ab. Ausgerichtet wird das Format von zentralen Akteuren der Branche: VSF, ZIV – Die Fahrradindustrie und Zukunft Fahrrad. Ziel ist es, die Branche nach herausfordernden Jahren wieder stärker zusammenzuführen und politische Gestaltungskraft aufzubauen.
Der Kongress kommt in einer Phase, in der sich die Fahrradwirtschaft neu sortiert. Nach dem starken Wachstum der Corona-Jahre hatten Hersteller, Handel und Dienstleister mit hohen Lagerbeständen, sinkenden Margen und rückläufigen Umsätzen zu kämpfen. 2025 stabilisierte sich der Markt zwar auf hohem Niveau, der Umsatz aus Fahrrad- und E-Bike-Verkäufen sank aber weiter um 7,7 Prozent auf 5,85 Milliarden Euro. Gleichzeitig wurden in Deutschland weiterhin rund 3,8 Millionen Räder verkauft, davon etwa zwei Millionen E-Bikes.
Im Zentrum des neuen Kongresses steht deshalb nicht nur die Frage, wie die Branche wieder wachsen kann. Es geht auch um politische Rahmenbedingungen. Besonders wichtig ist der Branche der rechtliche Status von Pedelecs als Fahrräder. Diese Einordnung ist entscheidend, weil sie Nutzung, Regulierung, Infrastrukturzugang und Marktentwicklung direkt beeinflusst. Der ZIV warnt seit längerem davor, dass eine stärkere Einordnung von Pedelecs als Kraftfahrzeuge den Erfolg des E-Bikes und damit einen zentralen Wachstumstreiber der Fahrradbranche gefährden könnte.
Neben dem Pedelec-Status stehen auch Leasing, Gebrauchtmarkt, Digitalisierung, Fachkräftemangel, Service und neue Zielgruppen auf der Agenda. Laut Veranstaltern soll der Kongresstag Keynotes, Panels, Deep Dives, Ausstellungsflächen und einen Netzwerkabend mit politischer Keynote verbinden. Damit positioniert sich „towards tomorrow“ bewusst an der Schnittstelle von Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Mobilitätsdebatte.
Die Neugründung ist auch vor dem Hintergrund der Krise der Eurobike relevant. ZIV und Zukunft Fahrrad hatten die Zusammenarbeit mit der Messe beendet; kritisiert wurden unter anderem mangelnde politische Relevanz, hohe Kosten und sinkende Besucher- und Ausstellerzahlen.
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