10. September 2026 | 10:52 Uhr

Towards Tomorrow 2027 nimmt konkrete Formen an. Rund ein Jahr vor der Premiere der neuen europäischen Fahrradmesse haben die Organisatoren in Köln zu einem ersten größeren Auftaktevent eingeladen. Dabei ging es nicht nur um Hallen, Stände und klassische Messeplanung. Die Veranstaltung sollte vor allem zeigen, welchen Anspruch das neue Format verfolgt: eine internationale Branchenplattform zu schaffen, die gemeinsam mit der Fahrradindustrie entwickelt wird. Damit nimmt auch der Wettbewerb um die zukünftige Leitmesse der europäischen Fahrradbranche weiter Fahrt auf.
Vom 6. bis 8. September 2027 soll die erste Ausgabe der Towards Tomorrow – European Bike Show in Köln stattfinden. Veranstaltet wird die Messe von der Koelnmesse, während der ZIV – Die Fahrradindustrie als Branchenpartner eine zentrale Rolle bei Entwicklung und Positionierung des neuen Formats übernimmt.
Der Anspruch ist dabei von Beginn an groß. Towards Tomorrow soll keine weitere regionale Fahrradmesse werden, sondern ein international ausgerichteter Treffpunkt für Hersteller, Zulieferer, Handel und weitere Akteure der Fahrradwirtschaft.
Beim Auftaktevent am 9. September wurde nun erstmals konkreter sichtbar, wie sich das Konzept entwickeln soll. Potenzielle Aussteller, Vertreter der Branche und Medien bekamen Einblicke in die Planungen und konnten sich mit den Organisatoren über Erwartungen an eine zukünftige Branchenmesse austauschen.
Ein zentrales Versprechen der neuen Veranstaltung lautet dabei sinngemäß: von der Branche für die Branche. Hersteller, Händler und Verbände sollen stärker in die Entwicklung einbezogen werden und Einfluss darauf nehmen können, welche Themen, Formate und Strukturen eine moderne Fahrradmesse benötigt.
Das ist auch eine Reaktion auf die Veränderungen der vergangenen Jahre. Klassische Messeformate stehen zunehmend unter wirtschaftlichem Druck. Für Unternehmen stellt sich immer häufiger die Frage, ob hohe Kosten für Messestände, Personal, Reisen und Logistik noch im Verhältnis zum tatsächlichen Nutzen stehen.
Gleichzeitig bleibt der Bedarf nach persönlichen Treffen groß. Produktneuheiten müssen präsentiert, Geschäftsbeziehungen gepflegt und neue Kontakte geknüpft werden. Genau zwischen diesen beiden Anforderungen versucht sich Towards Tomorrow zu positionieren.
Dabei soll die Messe ausdrücklich als B2B-Veranstaltung funktionieren und damit Industrie und Fachhandel in den Mittelpunkt stellen.
Die eigentliche Bedeutung von Towards Tomorrow 2027 erschließt sich allerdings erst mit Blick auf die Eurobike.
Der ZIV hatte sich nach Jahren der Zusammenarbeit von der bisherigen Leitmesse in Frankfurt entfernt und anschließend gemeinsam mit der Koelnmesse das neue Format angekündigt. Damit entstand erstmals seit langer Zeit eine ernsthafte Konkurrenzsituation um den zentralen Branchentreffpunkt in Deutschland.
Zwischenzeitlich stand sogar eine nahezu direkte zeitliche Konkurrenz der beiden Veranstaltungen im Raum. Inzwischen hat die Eurobike reagiert und ihren Termin für 2027 wieder in den Frühsommer gelegt.
Die Eurobike 2027 findet vom 30. Juni bis 2. Juli in Frankfurt statt, Towards Tomorrow folgt gut zwei Monate später vom 6. bis 8. September in Köln.
Eine direkte Terminkollision wurde damit vermieden. Das grundsätzliche Problem bleibt allerdings bestehen: Die Fahrradbranche bekommt innerhalb weniger Monate zwei große deutsche Veranstaltungen, die beide um Aussteller, Fachbesucher, Budgets und Aufmerksamkeit konkurrieren.
Genau diese Frage dürfte in den kommenden Monaten entscheidend werden.
Towards Tomorrow konnte bereits bei seiner ersten Präsentation Unterstützung aus wichtigen Teilen der Branche vorweisen. Neben Verbänden und Einkaufskooperationen haben auch zahlreiche bekannte Unternehmen Interesse an der neuen Veranstaltung signalisiert.
Doch zwischen einer grundsätzlichen Unterstützung und einer tatsächlich gebuchten großen Messepräsenz liegt ein entscheidender Unterschied.
Für die Positionierung von Towards Tomorrow 2027 wird deshalb ausschlaggebend sein, welche großen internationalen Fahrrad-, Komponenten- und Zubehörmarken am Ende tatsächlich nach Köln kommen. Ebenso wichtig dürfte sein, ob es gelingt, den Fachhandel in relevanter Größenordnung zu mobilisieren.
Denn eine Leitmesse entsteht nicht allein durch die Größe des Messegeländes oder den Anspruch der Veranstalter. Sie entsteht vor allem dann, wenn die wichtigsten Unternehmen, Entscheider und Händler einer Branche an einem Ort zusammenkommen.
2027 könnte deshalb zu einem richtungsweisenden Jahr für die deutsche und europäische Fahrradmesse-Landschaft werden.
Die Eurobike verfügt über jahrzehntelange Erfahrung, eine international bekannte Marke und ein bestehendes Netzwerk. Towards Tomorrow wiederum kann sich ohne historische Strukturen neu entwickeln und verspricht, aktuelle Bedürfnisse der Branche stärker in den Mittelpunkt zu stellen.
Nach Jahren mit Pandemie, Lieferkettenproblemen, Fahrradboom und anschließender Marktkonsolidierung ist allerdings auch klar: Viele Unternehmen schauen inzwischen deutlich genauer auf ihre Ausgaben.
Zwei große Messeauftritte innerhalb eines Sommers dürften deshalb nicht für jeden Hersteller selbstverständlich sein.
Das Auftaktevent in Köln war somit mehr als nur ein erster Blick auf eine neue Messe. Es markiert den Beginn eines Wettbewerbs darum, wie und wo sich die europäische Fahrradbranche künftig treffen möchte.
Ob Towards Tomorrow 2027 tatsächlich zur neuen internationalen Leitveranstaltung werden kann, lässt sich heute noch nicht beantworten. Die Ambitionen sind groß, relevante Akteure stehen hinter dem Projekt und mit Köln gibt es einen erfahrenen Messestandort.
WE RIDE GmbH
Gießerstraße 18
04229 Leipzig