31.08.2026 | 14:20 Uhr

Wir treffen Andi Feldmann und Marco Strahl in Andis Werkstatt nahe Ulsnis. Viele kennen Andi aus dem Umfeld der legendären Werner-Comics und -Filme, an denen er gemeinsam mit seinem Bruder Rötger Feldmann über Jahre mitgearbeitet hat. Heute baut der Universalkünstler aus Metall, Schrott und jeder Menge Kreativität außergewöhnliche Kunstwerke. Für die Schlei-Region entstehen derzeit Fahrrad-Selfiestationen, die Radfahrende auf ihren Touren begleiten sollen. Ein Gespräch über Metallkunst, alte Motorräder, kreative Prozesse und die Frage, warum man nicht unbedingt Fahrradfan sein muss, um Kunst fürs Radfahren zu schaffen.
“Viele kennen mich noch aus den #Werner-Filmen. Ich habe an Büchern und Drehbüchern mitgeschrieben und bin seit jeher jemand, der gerne baut, schraubt und Dinge entstehen lässt. Heute steht vor allem mein YouTube-Kanal „Andis Funktions-Punk“ im Mittelpunkt. Dort zeigen wir Motorräder, Eigenbauten, Metallkunst und alles, was aus Kreativität, Schweißgerät und einer guten Idee entstehen kann. Zusammen mit einer kleinen, eingeschworenen Truppe restauriere ich alte Maschinen, entwickle verrückte Konstruktionen und verwandle Schrott in etwas Neues.
Eigentlich würde ich mich nicht als Bildhauer bezeichnen. Metallkünstler trifft es besser. Mich fasziniert die Idee, aus alten Materialien etwas zu erschaffen, das eine Geschichte erzählt. Genau deshalb hat mich auch das Projekt der Fahrrad-Selfiestationen gereizt. Als die Ostseefjord Schlei GmbH auf uns zukam und fragte, ob wir Kunstwerke rund ums Thema Fahrrad entwickeln könnten, war mein erster Gedanke allerdings: Fahrrad? Das ist eigentlich gar nicht mein Thema.
Denn ehrlich gesagt bin ich weder der große Selfie-Typ noch der klassische Fahrradfahrer. Meine Jugend auf dem Fahrrad war eher geprägt von abenteuerlichen Umbauten, fehlenden Bremsen und spektakulären Stürzen. Irgendwann gewann dann das Moped die Oberhand. Trotzdem hat das Projekt etwas in Bewegung gesetzt. Vielleicht gerade, weil ich mich mit dem Thema erst einmal auseinandersetzen musste. Heute kann ich mir sogar vorstellen, selbst wieder häufiger aufs Fahrrad zu steigen – vielleicht sogar auf ein E-Bike.
Die Selfiestationen entstehen gemeinsam mit meinem Freund und Schweißfachmann Marco Strahl. Wir sammeln alte Materialien, suchen nach besonderen Bauteilen und entwickeln die Ideen meist direkt in der Werkstatt. Vieles entsteht spontan. Oft wissen wir am Anfang selbst noch nicht genau, wie das fertige Kunstwerk aussehen wird. Wir fangen an, probieren aus, verwerfen Ideen und bauen weiter. Genau dieser kreative Prozess macht für mich den Reiz aus.
Besonders wichtig ist uns dabei, möglichst viel vorhandenes Material weiterzuverwenden. Alte Fahrräder, Schrottteile, ausrangierte Stahlkonstruktionen oder sogar eine historische Dampflokfigur finden ihren Weg in die Kunstwerke. Die Vorgabe lautet zwar immer: Das Thema muss Fahrrad sein. Aber wie wir dieses Thema interpretieren, bleibt uns überlassen. Genau diese Freiheit macht Spaß.
Mittlerweile stehen die ersten Stationen bereits in der Schlei-Region. Weitere sind geplant. Jede erzählt ihre eigene Geschichte und greift Besonderheiten des jeweiligen Ortes auf. Mal spielt eine alte Bahnstrecke eine Rolle, mal die regionale Fahrradkultur oder ein bestimmter Blick in die Landschaft. Entstehen soll am Ende eine Art Freiluft-Ausstellung, die Menschen mit dem Fahrrad entdecken können.
Was mich an dem Projekt besonders begeistert: Es verbindet Handwerk, Kreativität und die Region, in der ich lebe. Die Schlei gehört für mich zu den schönsten Gegenden Schleswig-Holsteins. Wenn Menschen künftig mit dem Fahrrad unterwegs sind, an unseren Kunstwerken anhalten, ein Foto machen und dabei vielleicht einen Ort neu entdecken, dann haben wir genau das erreicht, was gute Kunst für mich ausmacht: Sie bringt Menschen dazu, genauer hinzuschauen.”
WE RIDE GmbH
Gießerstraße 18
04229 Leipzig