06.09.2026 | 21:02 Uhr

Mit dem Fahrrad durch die Geschichte im Herzogtum Lauenburg

von Anne-Katrin Hutschenreuter

Journal
(c) WE RIDE

Lorenz im Gespräch mit Christian Lopau

Wir treffen Christian Lopau in Berkenthin. Der Historiker und Archivar kennt das Herzogtum Lauenburg wie kaum ein anderer. Seit Jahrzehnten bewahrt er die Geschichte der Region – und vermittelt sie auf besondere Weise: vom Fahrradsattel aus. Mit seinen geführten Radtouren verbindet er historische Orte, spannende Geschichten und die schönsten Wege zwischen Seen, Wäldern und Wasserstraßen. Ein Gespräch über die Kunst des langsamen Reisens, verborgene Lieblingsorte und darüber, warum sich das Herzogtum Lauenburg am besten auf zwei Rädern entdecken lässt.

“Ich bin Historiker, Archivar und – mit kurzer Unterbrechung – im Herzogtum Lauenburg zu Hause. Nach meinem Studium in Hamburg bin ich in die Region zurückgekehrt und arbeite inzwischen seit mehr als 36 Jahren in den Archiven des Kreises. Heute betreue ich die Stadtarchive von Mölln und Ratzeburg sowie mehrere kleinere Archive im Norden des Herzogtums. Kurz vor meinem Ruhestand sitze ich aber noch immer regelmäßig auf dem Fahrrad – und verbinde dabei zwei Dinge, die mich seit vielen Jahren begleiten: Geschichte und Bewegung.

Für mich ist das Fahrrad eine der schönsten Möglichkeiten, eine Landschaft zu entdecken. Man ist langsam genug unterwegs, um Details wahrzunehmen, Gebäude, Wege oder besondere Orte bewusst zu erleben. Gleichzeitig kommt man weit genug, um Zusammenhänge zu erkennen und eine Region in ihrer ganzen Vielfalt kennenzulernen. Genau deshalb habe ich irgendwann begonnen, historische Bildungsarbeit aufs Fahrrad zu verlegen. Statt nur Vorträge zu halten, wollte ich Geschichte direkt vor Ort erlebbar machen und Menschen erreichen, die sonst vielleicht nie zu einer klassischen Veranstaltung gekommen wären.

Besonders schön finde ich, dass auf meinen Touren ganz unterschiedliche Menschen zusammenkommen. Manche interessieren sich vor allem für Geschichte, andere möchten einfach eine schöne Radtour fahren. Oft sind Familien dabei, manchmal auch Jugendliche oder Menschen, die ihre eigene Heimat neu entdecken möchten. Die Gespräche unterwegs gehören für mich genauso dazu wie die historischen Stationen. In den Pausen entstehen Begegnungen, man tauscht Erfahrungen aus und lernt neue Menschen kennen. Genau das macht diese Touren für mich so besonders.

Einer meiner Lieblingsorte liegt in Berkenthin. Hier treffen gleich mehrere historische Verkehrswege aufeinander. Die alte Salzstraße verlief ebenso durch den Ort wie der Stecknitzkanal, über den seit dem Mittelalter Salz von Lüneburg nach Lübeck transportiert wurde. Von der alten Kirche aus blickt man auf den Kanal, die Schleuse und die weite Niederung. Geschichte wird hier sichtbar und spürbar. Gleichzeitig ist es ein wunderbar ruhiger Ort, an dem man einfach eine Pause machen und die Landschaft genießen kann.

Überhaupt liebe ich die Vielfalt des Herzogtums Lauenburg. Die Seen, Wälder und Wasserwege bieten ideale Bedingungen zum Radfahren. Dazu kommen historische Städte wie Ratzeburg, Mölln oder Lauenburg, die sich wunderbar mit einer Tour verbinden lassen. Für mich macht genau diese Mischung den Reiz der Region aus: Man kann Kultur, Natur und Bewegung miteinander verbinden und entdeckt dabei immer wieder neue Perspektiven.

Einen einzigen Lieblingsort könnte ich deshalb gar nicht benennen. Der Blick auf die Inselstadt Ratzeburg mit ihrem Dom gehört sicherlich dazu. Genauso die Aussicht vom Askanierblick in Lauenburg über die Elbe oder die Wege entlang der Seen und durch die Schaalsee-Region. Oft sind es aber gar nicht die großen Sehenswürdigkeiten, sondern die Wege dazwischen. Genau dort zeigt sich für mich der besondere Charakter des Herzogtums Lauenburg – eine Region, die man am besten auf zwei Rädern entdeckt.”

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