21. Januar 2026 | 12:58 Uhr

Digitale Verkehrsreform: Radverkehr bleibt außen vor!

von Robert Strehler

Adobe Stock

Der Bundestag hat in dieser Woche über ein Paket von Änderungen im Straßenverkehrsrecht beraten, das vor allem auf Digitalisierung und effizientere Durchsetzung bestehender Regeln abzielt. Im Fokus standen unter anderem der digitale Führerschein, automatisierte Parkraumkontrollen („Scan-Cars“) sowie Anpassungen bei der Verkehrsüberwachung. Maßnahmen, die den Radverkehr ausdrücklich betreffen oder stärken, waren hingegen nicht Bestandteil der Beratungen.

Ziel der Reform ist es, Verwaltungsprozesse zu modernisieren und Kontrollen im Straßenverkehr zu vereinfachen. Der geplante digitale Führerschein soll perspektivisch über eine staatliche digitale Wallet abrufbar sein. Kommunen sollen zudem mehr Möglichkeiten erhalten, Parkverstöße automatisiert zu erfassen, um Personalengpässe auszugleichen und den Vollzug effizienter zu gestalten.

Aus Sicht des Radverkehrs ergeben sich daraus allenfalls indirekte Effekte. Eine konsequentere Parkraumüberwachung könnte dazu beitragen, dass Radwege seltener zugeparkt werden. Eine ausdrückliche Priorisierung von Verstößen, die die Sicherheit von Radfahrenden betreffen, ist im Gesetzentwurf jedoch nicht vorgesehen. Auch Zweckbindungen möglicher Mehreinnahmen für den Ausbau oder die Verbesserung von Radinfrastruktur fehlen.

Ebenso wurden keine neuen Regelungen zur Verkehrssicherheit im fließenden Verkehr diskutiert, etwa durch niedrigere Geschwindigkeiten oder strukturelle Maßnahmen zugunsten des Umweltverbunds. Der Radverkehr taucht im Reformpaket vor allem als Randgröße auf – nicht als eigenständiges Schutz- oder Gestaltungsziel.

Damit reiht sich das Vorhaben in eine Reihe von Gesetzgebungsprozessen ein, die stark auf technische Details und Vollzugsfragen im Kfz-Bereich fokussiert sind, während grundlegende verkehrspolitische Weichenstellungen ausbleiben.

Die Debatte wirft damit eine grundsätzliche Frage auf:
Warum wird Verkehrspolitik in Deutschland häufig kleinteilig und detailgenau im motorisierten Individualverkehr geregelt, während die großen, strukturellen Würfe für mehr Sicherheit, Nachhaltigkeit und Gleichberechtigung aller Verkehrsarten immer wieder vertagt oder garnicht besprochen werden?

Deine Takeaways

- digitale Verkehrsreform
- Diskussion über Blitzer-Warn-Apps
- KfZ wieder im Fokus

Hier geht es zur Lesung im Bundestag
Webseite des Deutschen Bundestag

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