16. April 2026 | 10:13 Uhr

3. Nationale Verkehrssicherheitskonferenz: Vision Zero im Fokus – jetzt aber wirklich?

von Anne-Katrin Hutschenreuter

BMV

Das Bundesministerium für Verkehr hat am 14. April 2026 in Berlin die Nationale Verkehrssicherheitskonferenz ausgerichtet. Rund 300 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Kommunen und Verbänden diskutierten Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit. Themen waren unter anderem sichere Infrastruktur für den Rad- und Fußverkehr, Unfallprävention auf Landstraßen sowie bessere Datengrundlagen für politische Entscheidungen.

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder betonte die Bedeutung des Leitbilds Vision Zero – also das Ziel, langfristig keine Verkehrstoten mehr zu akzeptieren. Der Ansatz wurde bereits 1997 in Schweden gesetzlich verankert und gilt international als Referenz für moderne Verkehrssicherheitspolitik.

Ein Blick ins europäische Ausland zeigt, dass Vision Zero besonders dort Wirkung entfaltet, wo politische Ziele konsequent in Infrastruktur, Regulierung und Finanzierung übersetzt werden:

Schweden: Vision Zero ist seit 1997 gesetzliche Grundlage der Verkehrspolitik. Straßen werden nach dem sogenannten Safe-System-Prinzip gestaltet, bei dem menschliche Fehler nicht tödlich enden sollen. Dazu gehören unter anderem Mittelbarrieren auf Landstraßen oder sichere Querungen für den Fußverkehr.

Norwegen: Norwegen gehört zu den Ländern mit den niedrigsten Verkehrstotenraten in Europa. In Oslo gab es zeitweise keine tödlichen Unfälle von Fußgängerinnen und Fußgängern oder Radfahrenden – erreicht durch Temporeduktionen, Verkehrsberuhigung und eine Neuverteilung des Straßenraums.

Niederlande: Der konsequente Ausbau baulich getrennter Radwege und sichere Kreuzungsdesigns führen zu hoher Radnutzung bei gleichzeitig vergleichsweise niedrigen Unfallzahlen. Die Niederlande gelten daher als internationales Referenzmodell für sichere Radinfrastruktur.
Spanien: Spanien führte 2021 flächendeckend Tempo 30 auf einspurigen innerörtlichen Straßen ein. Studien zeigen, dass geringere Geschwindigkeiten maßgeblich dazu beitragen, schwere Verletzungen und tödliche Unfälle zu reduzieren.

Es ist grundsätzlich positiv, dass Vision Zero erneut prominent diskutiert wird. Gleichzeitig stellt sich die Frage, warum das Ziel in Deutschland weiterhin eher als Orientierung dient – und nicht als verbindlicher politischer Rahmen mit klar priorisierten Maßnahmen.
Während andere Länder Vision Zero systematisch in Temporegelungen, Infrastrukturplanung und Finanzierung integriert haben, bleibt der Ansatz hierzulande häufig programmatisch. Gerade im urbanen Raum könnten konsequente Geschwindigkeitsreduktionen, sichere Radnetze und eine klare Priorisierung ungeschützter Verkehrsteilnehmender schneller Wirkung entfalten.

Vision Zero bedeutet letztlich, dass jeder Verkehrstote einer zu viel ist – und dass Sicherheit nicht nur mitgedacht, sondern strukturell priorisiert werden muss. Wir bleiben dran!

Deine Takeaways

- Nationale Verkehrssicherheitskonferenz unterstreicht die Bedeutung von Vision Zero als mögliches Leitbild der Verkehrspolitik
- Konkrete priorisierte Maßnahmen zur verbindlichen Umsetzung wurden bislang nur begrenzt benannt
- Internationale Beispiele zeigen, dass konsequente Temporeduktionen und sichere Infrastruktur zentrale Hebel für mehr Verkehrssicherheit sind

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