08. Juli 2025 | 13:40 Uhr

In Bonn wurde kürzlich eine Fahrradstraße zurückgebaut – und ein neuer Ratsbeschluss bringt das Thema wieder auf den Tisch. Für uns bei WE RIDE ist klar: Fahrradstraßen sind ein zentrales Werkzeug der Mobilitätswende. Umso unverständlicher, wenn funktionierende Maßnahmen auf formaler Ebene wieder zurückgenommen werden müssen.
Rückbau statt Rückenwind?
Konkret geht es um die Straße „Auf den Steinen“ im Stadtteil Ückesdorf. Dort hatte die Stadt eine Fahrradstraße eingerichtet – inklusive roter Markierungen und entsprechender Beschilderung. Doch ein Gericht entschied 2024: Die Anordnung sei nicht ausreichend begründet. Die Folge: Schilder wurden abgebaut, Markierungen überklebt.
Ein bedauerlicher Rückschritt – nicht nur für den Radverkehr in Ückesdorf, sondern für das Vertrauen in die Umsetzungsfähigkeit der Verkehrswende insgesamt.
Was ist jetzt neu und warum ist gerade wieder aufgekommen?
Am 3. Juli 2025 beschloss der Bonner Stadtrat, die Fahrradstraßenstrategie neu aufzusetzen. Hintergrund ist eine aktualisierte Verwaltungsvorschrift zur StVO, die die Umsetzung erleichtert. Die Stadt kündigte an, auch frühere Fälle wie „Auf den Steinen“ und die Rheinaustraße neu anzuordnen – diesmal rechtssicher.
Für uns ist das der richtige Schritt: zurück auf Los, aber mit Rückenwind.
Warum ist das so brisant?
Fahrradstraßen sind mehr als Markierung. Sie schaffen Sicherheit, Sichtbarkeit und Platz – besonders für Menschen, die sich sonst im Straßenverkehr oft hinten anstellen müssen.
Rückbauten schwächen Vertrauen.
Wer Verkehrswende will, muss sie aber auch professionell umsetzen. Wenn Fahrradstraßen aus formalen Gründen zurückgenommen werden, wirkt das wie ein Rückschritt – und sowas wird natürlich als Steilvorlage genutzt, um politischen Druck zu erzeugen. Die CDU Bonn nutzt die formalen Fehler, um OB Katja Dörner und ihre Radverkehrspolitik grundsätzlich infrage zu stellen. Es fallen Begriffe wie „Täuschung“ und „Missmanagement“.
Diese politische Zuspitzung verfehlt aber den Kern: Nicht die Fahrradstraße ist das Problem – sondern der Umgang mit dem Verfahren.
Klar ist: Kritik ist legitim, aber sie sollte nicht den Fortschritt im Radverkehr blockieren. Und wer genau in die Meldung der Stadt schaut: "Für die Straße Auf den Steinen in Ückesdorf, bei der das Verwaltungsgericht Köln 2024 im Eilverfahren über ein Aussetzen der Fahrradstraßen-Anordnung entschieden hatte, sieht die neue Planung im Wesentlichen mehr Kfz-Parkraum in der Straße vor..." Nicht, dass es am Ende zu wenig Parkplätze gab und es vielleicht sogar nur darum ging? Oder anders gefragt: Was haben eigentlich KfZ in einer Fahrradstraße zu suchen?
Signalwirkung über Bonn hinaus? Hoffentlich nicht!
Was in Bonn passiert, wird auch in anderen Städten genau beobachtet. Wenn hier Rückbauten Schule machen, droht ein bundesweiter Rückschritt in der kommunalen Radinfrastruktur.
* Fahrradstraße wird zurückgebaut wegen Verfahrensfehler
* CDU fühlt sich "überrumpelt"
* Neuer Erlass der Stadt regelt Rahmenbedingungen
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