18. September 2025 | 10:23 Uhr

Schulwege Check - VCD wertet über 21000 Gefahrenstellen für Kinder aus

von Lorenz Oberdoerster

WE RIDE

Der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat gemeinsam mit der „Initiative für sichere Straßen“ im Sommer 2025 einen bundesweiten Schulwege-Check durchgeführt. Zwischen dem 3. Juni und dem 15. August konnten Bürgerinnen und Bürger Gefahrenstellen auf Schulwegen online melden. Diese Meldungen wurden kartografiert und ausgewertet, um ein möglichst realistisches Bild der Lage zu erhalten. Insgesamt gingen 21.083 Hinweise ein, wovon rund 15.000 Gefahrenstellen den Fuß- und Radverkehr betreffen – also genau jene Wege, die Kinder am häufigsten nutzen. Damit liegt erstmals eine bundesweite und sehr konkrete Datengrundlage zu potenziellen Gefahrenpunkten auf Schulwegen vor.

Die Ergebnisse verdeutlichen, wie groß der Handlungsbedarf ist. In 85 Prozent der Meldungen spielen Autos eine Rolle, sei es durch zu schnelles Fahren, riskante Überholmanöver, Falschparken oder mangelnde Rücksichtnahme auf schwächere Verkehrsteilnehmende. Zugleich wird klar, dass nicht nur das Verhalten von Autofahrenden, sondern auch strukturelle Probleme eine wichtige Rolle spielen. Dazu gehören unübersichtliche Kreuzungen, schlechte Sichtverhältnisse, fehlende Querungshilfen oder zu schmale Geh- und Radwege. Diese Punkte führen dazu, dass sich Kinder und Eltern unsicher fühlen – und erhöhen objektiv das Risiko von Unfällen. Bemerkenswert ist, dass sich diese subjektiven Einschätzungen sehr stark mit objektiven Daten wie Unfallstatistiken und Geschwindigkeitsmessungen decken. Das verleiht den Ergebnissen des Checks zusätzliche Schlagkraft.

Auf Grundlage dieser Erkenntnisse fordert der VCD konsequente Maßnahmen für mehr Sicherheit. An erster Stelle steht die Einführung von Tempo 30 auf allen Straßen innerhalb von Ortschaften, auf denen Kinder unterwegs sind. Nach Ansicht des Verbandes kann eine flächendeckende Reduzierung der Geschwindigkeit nicht nur die Unfallzahlen senken, sondern auch die Schwere möglicher Unfälle mindern und das Sicherheitsgefühl verbessern. Daneben setzt der VCD auf eine kindgerechte Infrastruktur: besser sichtbare und klar markierte Übergänge, Schulstraßen, verkehrsberuhigte Zonen sowie sichere Rad- und Gehwege. Ziel ist es, Gefahren nicht nur punktuell zu entschärfen, sondern systematisch zu reduzieren. Das entspricht dem Leitbild der „Vision Zero“, das langfristig keine Verkehrstoten und Schwerverletzten mehr zulassen will.

Besonderes Augenmerk liegt auch auf Beteiligung und Transparenz. Über das Portal schulwege.de können Bürgerinnen und Bürger weiterhin Gefahrenstellen melden. Damit steht Kommunen eine fortlaufende Datengrundlage zur Verfügung, um gezielte Maßnahmen zu planen und umzusetzen. Parallel setzt der VCD auf digitale Schulwegplaner und Routenempfehlungen, die Eltern und Kindern Orientierung geben und Verantwortliche vor Ort für die Problemlagen sensibilisieren. Solche Instrumente schaffen Öffentlichkeit, erleichtern Planungen und zeigen, wo Verbesserungen am dringendsten sind.

Der Schulwege-Check macht zudem deutlich, dass Verkehrspolitik und Klimapolitik eng miteinander verknüpft sind. Wenn Kinder sich auf dem Schulweg sicher fühlen und diesen eigenständig zurücklegen können, stärkt das nicht nur ihre Selbstständigkeit, sondern reduziert auch das Elterntaxi-Phänomen und damit den Autoverkehr insgesamt. Der VCD betont daher, dass sichere Schulwege ein entscheidender Schlüssel für eine nachhaltige Verkehrswende sind. Je mehr Kinder zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule kommen, desto weniger Staus und Gefahren entstehen vor den Schultoren – und desto mehr wird auch die Lebensqualität in Wohngebieten verbessert.

Insgesamt versteht der VCD die Ergebnisse des Schulwege-Checks als klaren Handlungsauftrag an Politik und Verwaltung. Flächendeckendes Tempo 30, sichere und kinderfreundliche Verkehrsführung, Schulstraßen und bessere Querungsmöglichkeiten sollen nicht länger Modellprojekte bleiben, sondern zum Standard werden. Nur so können Gefahrenstellen nachhaltig abgebaut werden. Durch das Zusammenspiel aus Bürgerbeteiligung, objektiven Daten und politischem Willen lässt sich nach Ansicht des Verbands ein Umfeld schaffen, in dem Kinder sicher und selbstständig unterwegs sind.

Damit liefert der Schulwege-Check nicht nur eine Momentaufnahme, sondern eine Basis für konkrete Maßnahmen und langfristige Veränderungen. Er zeigt, dass die Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr ein zentraler Baustein für eine zukunftsfähige Mobilität ist. Der VCD appelliert daher an Kommunen und Länder, die gewonnenen Daten ernst zu nehmen, Maßnahmen zügig umzusetzen und Eltern wie Kindern eine echte Wahlfreiheit zu ermöglichen. Nur mit sicheren Schulwegen können Kinder ihr Recht auf Mobilität selbstständig und gefahrlos wahrnehmen – und damit beginnt auch die Verkehrswende im Kleinen.

Deine Takeaways

- 21.083 Gefahrenstellen dokumentiert, davon ca. 15.000 für Fuß- und Radverkehr – zeigt den großen Handlungsbedarf auf deutschen Schulwegen.

- Hauptprobleme: zu schnelles Fahren, falsches Parken & mangelhafte Infrastruktur; Autos sind in 85 % der Fälle genannt.

- Forderungen: Tempo 30 innerorts + sichere, kinderfreundliche Verkehrsführung inkl. Schulstraßen, sichere Übergänge und Beteiligungsmöglichkeiten via Schulwege-Plattform.

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