
Für Andreas Brüning von isicargo beginnt nachhaltige Mobilität nicht beim Produkt, sondern bei der Frage, wie wir unsere Städte künftig gestalten wollen. Im Gespräch spricht der Stadtplaner und Mobilitätsexperte über urbane Transformation, neue Mobilitätskonzepte und die Rolle von Lastenrädern im Alltag. Warum er Lovens für eines der spannendsten Familien-Lastenräder am Markt hält, erklärt er dabei ganz nebenbei.
Robert im Interview mit Andreas Brüning
Hallo Andreas, erzähl doch mal: Was ist isicargo eigentlich genau?
isicargo ist mehr als ein klassischer Fahrradladen. Als ich das Unternehmen 2019 gegründet habe, war die Idee von Anfang an, Mobilität ganzheitlich zu denken. Wir verkaufen nicht einfach Fahrräder, sondern beraten Menschen zu passenden Mobilitätslösungen. Dabei orientieren wir uns eher an der Struktur eines Autohauses: vorne Beratung und Verkauf, hinten eine spezialisierte Werkstatt. Gerade bei hochwertigen Lastenrädern ist aus meiner Sicht ein professionelles Kundenerlebnis entscheidend.
Das Thema geht bei euch also deutlich über das Fahrrad selbst hinaus?
Absolut. Ich komme ursprünglich aus der Stadtplanung und interessiere mich vor allem für Mobilität und urbane Transformation. Uns geht es nicht nur darum, Fahrräder zu verkaufen, sondern darum, Transportmobilität in Städten neu zu denken. Dabei schauen wir sowohl auf Privatpersonen als auch auf Unternehmen. Gerade die urbane Wirtschaftsmobilität ist ein riesiges Thema: Viele Fahrten von Handwerksbetrieben, Dienstleistern oder Logistikunternehmen sind relativ kurz. Wir sind überzeugt, dass sich ein großer Teil davon mit Lastenrädern und Fahrrädern effizienter, nachhaltiger und stadtverträglicher abwickeln lässt als mit klassischen Transportern.
War für dich von Anfang an klar, dass das Lastenrad dabei im Mittelpunkt stehen würde?
Ja, ziemlich schnell. Für mich vereint das Lastenrad viele Lösungen für die Herausforderungen moderner Städte. Es steht für eine andere Form der Mobilität und einen bewussteren Umgang mit öffentlichem Raum. Deshalb war früh klar, dass der Fokus auf Lastenrädern liegen würde – für Privatkund*innen genauso wie für Unternehmen. Mit der Zeit kam ein weiterer Bereich dazu: Planung und Consulting. Gerade bei Unternehmen oder Projektentwicklungen geht es zunehmend um die Frage, wie Mobilität nachhaltiger organisiert werden kann. Statt immer neue Stellplätze zu schaffen, beschäftigen wir uns mit Konzepten rund um Lastenräder, E-Bikes, Sharing-Angebote und andere Alternativen zum klassischen Individualverkehr. Genau diese Verbindung aus Mobilität, Stadtentwicklung und praktischen Lösungen macht das Thema für mich so spannend.
Kam die Idee also aus deiner eigenen Lastenrad-Nutzung heraus?
Nicht direkt. Mein Zugang kam weniger über das Produkt selbst als über die Stadtplanung. Mich hat schon lange die Frage beschäftigt, wie wir Mobilität und öffentlichen Raum in Städten besser organisieren können. Dabei wurde das Lastenrad für mich zu einem spannenden Werkzeug, weil es viele Herausforderungen auf kurzen, alltäglichen Wegen lösen kann. Ich bin dabei kein Auto-Gegner, sondern eher ein Fahrradfreund. Für mich geht es nicht um ein Entweder-oder, sondern darum, für unterschiedliche Anforderungen die passenden Mobilitätslösungen zu finden.
Du hast gerade gesagt, dass es heute viel mehr Formen von Mobilität gibt als früher. Führt genau das auch zu den Konflikten, die wir aktuell auf den Straßen erleben?
Absolut. Der öffentliche Raum ist im Grunde derselbe geblieben, die Zahl der Mobilitätsformen hat sich aber massiv erhöht. Neben Autos, Bussen und Fahrrädern gibt es heute E-Bikes, Lastenräder, Scooter, Sharing-Angebote und viele weitere Fahrzeuge. Das macht Mobilität vielfältiger, aber auch komplexer. Viele Menschen müssen sich erst an diese neuen Geschwindigkeiten, Bewegungsmuster und Nutzungsformen gewöhnen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wo all diese Fahrzeuge Platz finden. Genau aus dieser Mischung aus begrenztem Raum, neuen Mobilitätsangeboten und veränderten Gewohnheiten entstehen viele der Konflikte, die wir heute erleben.
Und worauf konzentriert ihr euch bei isicargo konkret?
Unser Schwerpunkt liegt klar auf dem Cargo-Sektor. Dazu gehören kompakte Lastenräder für Familien und den Alltag genauso wie Premium-Modelle wie Lovens oder größere Fahrzeuge für gewerbliche Anwendungen. In unserem Mobility Hub zeigen wir außerdem vierädrige E-Cargo-Fahrzeuge mit hoher Zuladung, die für viele Transportaufgaben eine echte Alternative zum Transporter sein können. Genau diese Vielfalt macht den Cargo-Bereich für uns so spannend: vom Familientransport bis zur urbanen Wirtschaftslogistik.
Wenn hier Menschen in den Laden kommen – verstehen sie diese größere Idee hinter isicargo eigentlich direkt? Oder wollen viele erstmal einfach nur ein Fahrrad anschauen?
Das ist ganz unterschiedlich. Manche kommen mit einer klaren Vorstellung von nachhaltiger Mobilität, andere suchen einfach eine praktische Transportlösung. Und natürlich gibt es auch Menschen, die zunächst einfach ein Lastenrad anschauen möchten. Uns geht es deshalb weniger darum, ein bestimmtes Produkt zu verkaufen. Wir versuchen zuerst zu verstehen, wie die Menschen ihren Alltag gestalten: Welche Wege fahren sie? Was möchten sie transportieren? Welche Anforderungen haben sie? Daraus entwickelt sich dann die passende Lösung. Genau das macht den Reiz aus – denn Lastenräder sind längst kein Nischenprodukt mehr, sondern für ganz unterschiedliche Lebenssituationen interessant.
Nach welchen Kriterien entscheidet ihr eigentlich, welche Marken und Räder bei euch im Laden stehen?
Uns ist wichtig, verschiedene Lösungen vergleichbar zu machen. Kund*innen sollen die Möglichkeit haben, unterschiedliche Konzepte direkt zu testen und miteinander zu vergleichen. Gleichzeitig sind wir bei der Auswahl sehr konsequent. Für uns muss ein Rad so gut sein, dass wir selbst damit fahren würden. Entscheidend sind Qualität, Zuverlässigkeit und ein funktionierender Service. Ein Fahrrad ist ein Alltagsprodukt, das gewartet werden muss. Deshalb achten wir nicht nur auf das Fahrzeug selbst, sondern auch auf Ersatzteilversorgung, Werkstattzugang und die Zusammenarbeit mit den Herstellern. Wenn Produkt, Service und Partnerschaft zusammenpassen, wird eine Marke Teil unseres Portfolios.
Wenn wir über Familienmobilität sprechen: Gibt es ein Lastenrad, das viele der Qualitäten vereint, die dir bei einem Produkt wichtig sind?
Für mich ist das ganz klar Lovens. Das Rad vereint viele Eigenschaften, die im Familienalltag wirklich zählen: Platz, Komfort, Sicherheit und eine hohe Alltagstauglichkeit. Besonders beeindruckend finde ich, dass Familien es über viele Jahre nutzen können. Selbst meine Kinder mit 12 und 14 Jahren könnten theoretisch noch vorne mitfahren. Dazu kommen viele durchdachte Details – von der dynamischen Lenkung über Sicherheitsfeatures wie Akku-Diebstahlschutz und Blinker bis hin zur schnellen Verstellbarkeit für unterschiedlich große Fahrer*innen. Man merkt einfach, dass hier nicht nur auf Design geachtet wurde, sondern vor allem auf Funktion und Bedienbarkeit. Für mich macht genau diese Kombination aus Komfort, Sicherheit, Qualität und dem typisch entspannten holländischen Fahrgefühl Lovens zu einem der spannendsten Premium-Lastenräder für Familien.
Wie ist der Kontakt zu Lovens entstanden und was hat euch an der Marke von Anfang an überzeugt?
Wir waren tatsächlich einer der ersten Händler für Lovens in Deutschland. Zusammen mit Ahoi Velo aus Hamburg sind wir damals auf die Marke aufmerksam geworden. Der Kontakt entstand schnell und unkompliziert. Gleichzeitig sorgte Lovens damals mit seinem Design und ersten Auszeichnungen bereits für Aufmerksamkeit. Als die ersten Räder bei uns ankamen, war eigentlich sofort klar, dass das Produkt überzeugt. Das Fahrverhalten, die Verarbeitung und die vielen durchdachten Details haben direkt gezeigt, dass hier viel Entwicklungsarbeit drinsteckt. Man merkt einfach: Das Rad funktioniert. Und genau das ist am Ende das Wichtigste.
Ihr denkt also nicht nur das Fahrrad selbst neu, sondern auch alles drumherum digital mit?
Genau. Mit unserer App „isipisi“ wollen wir alles bündeln, was Kund*innen rund um ihr Fahrrad benötigen. Das Rad wird einmal digital erfasst – inklusive wichtiger Daten wie Rahmennummer oder Schlossnummer – und begleitet die Nutzerinnen anschließend über seinen gesamten Lebenszyklus. In der App finden sich Rechnungen, Termine und Servicedaten an einem Ort. Dazu kommen Funktionen wie GPS-Tracking, Bewegungsalarm, Werkstattbuchungen oder Schadensmeldungen. Für uns ist das der nächste logische Schritt: Das Fahrrad endet nicht beim Kauf, sondern ist Teil eines Mobilitätssystems, das möglichst einfach, transparent und digital funktionieren sollte.
Das heißt, ihr denkt nicht nur das Fahrrad neu, sondern auch die komplette Infrastruktur dahinter?
Genau. Mit unserer App verknüpfen wir Fahrrad, Service und Verwaltung in einem System. Kund*innen haben alle relevanten Daten, Dokumente und Termine jederzeit griffbereit. Wer möchte, kann zusätzlich einen GPS-Tracker nutzen und Funktionen wie Standortanzeige oder Bewegungsalarm aktivieren. Für uns geht es dabei vor allem darum, Prozesse einfacher zu machen – für Kund*innen genauso wie für unser Team. Viele Fahrradbetriebe arbeiten noch mit zahlreichen einzelnen Systemen nebeneinander. Wir versuchen, diese Bereiche zusammenzuführen. Denn gerade in Zukunft wird guter Service immer wichtiger. Produkte lassen sich heute fast überall kaufen. Der Unterschied entsteht durch die Betreuung davor und danach.
Wenn du in die Zukunft blickst – wo soll die Reise für isicargo hingehen?
Wir haben vieles von dem erreicht, was wir uns am Anfang vorgenommen haben. Mir ging es nie darum, möglichst groß zu werden oder überall Filialen zu eröffnen. Wichtiger war mir, Kundennähe zu schaffen und Mobilität ganzheitlich zu denken. Heute liegt unser Fokus vor allem darauf, Strukturen und Prozesse weiterzuentwickeln – für Kund*innen genauso wie für unser Team. Ein großes Thema ist dabei die Digitalisierung. Nach viel Entwicklungsarbeit haben wir gerade unsere eigene Kunden-App „isipisi“ veröffentlicht. Damit wollen wir Service, Wartung, Kommunikation und alles rund ums Fahrrad an einem Ort bündeln. Denn moderne Mobilität besteht für uns nicht nur aus dem Produkt selbst, sondern aus dem gesamten Erlebnis dahinter. Gleichzeitig bleiben wir unseren Kernthemen treu: Lastenrad, urbane Mobilität, Consulting und neue Mobilitätskonzepte. Spannend sind dabei auch Forschungsfragen – etwa welche Rolle Fahrräder und Lastenräder künftig in Krisen- oder Katastrophensituationen spielen können. Wachstum um jeden Preis ist dabei nicht unser Ziel. Uns geht es darum, die richtigen Dinge gut zu machen.
Und wenn du zum Schluss noch einen Wunsch frei hättest?
Ich wünsche mir, dass die Stärke des lokalen Fachhandels auch künftig erkannt wird. Viele Händlerinnen machen das, was sie tun, mit großer Leidenschaft und echter Kundennähe. Wir beraten, lösen Probleme und begleiten Menschen oft über viele Jahre. Diese Nähe ist ein wichtiger Teil nachhaltiger Mobilität. Schön wäre, wenn genau das auch in Zukunft seinen Wert behält – für uns bei isicargo und für viele engagierte Händlerinnen in der Branche.
Vielen Dank!
Details:
isicargo
Shop Schöneberg
Hauptstraße 68, 12159 Berlin
Montag-Samstag: 10.00-18.00 Uhr (Mi Ruhetag)
WE RIDE GmbH
Gießerstraße 18
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