16.02.2026 | 13:58 Uhr

Ein Besuch in Buggingen bei tune – wo Leichtbau auf Leidenschaft trifft. In der Produktion entstehen individuelle Naben, handmontiert und perfekt auf dich abgestimmt. Drei Farben, zwei Kugellagertypen, Lasergravur? Kein Problem. Hier wird Individualität zum Markenkern – Made in Germany.
Anne-Katrin im Interview mit Julian Schaible
Hey Julian, wer bist du und was machst du bei #tune? Und wie hat sich die Marke in den letzten Jahren entwickelt?
Ich bin Julian, arbeite seit rund drei Jahren bei #tune als Sales- und Marketingmanager – in einer Zeit, die ziemlich bewegt war. tune wurde übergeben, vom ursprünglichen Gründer an einen neuen Eigentümer. Das war nicht nur ein Inhaberwechsel, sondern auch ein Generationenwechsel, wie ihn viele Unternehmen gerade erleben – besonders in der Fahrradbranche, wo viele Marken von Enthusiast*innen gegründet wurden, die jetzt überlegen, wie sie ihr Lebenswerk in neue Hände geben. Meine Rolle ist vielseitig – tune ist kein Großkonzern mit klar abgesteckten Zuständigkeiten, sondern eine Manufaktur mit flachen Hierarchien. Wenn du im Marketing arbeitest, bedeutet das auch: Kamera in die Hand nehmen, Events organisieren, Produkte inszenieren – alles mit einem hohen Maß an Eigenverantwortung und Kreativität. Gerade das macht den Reiz aus. tune war schon immer ein bisschen anders – etwas unkonventioneller, etwas verspielter, sehr nahbar. Uli, der Gründer, ist früher barfuß auf der Eurobike rumgelaufen, verkleidet als Koch mit einem Tablett voller Fahrradteile, kombiniert mit Lebensmitteln. Dieses Augenzwinkern, diese Liebe zum Detail und zum Anderssein – das alles spürt man bei uns noch heute. Klar, vieles ist professioneller geworden, aber der kreative Freigeist gehört nach wie vor zur DNA von tune.
Du hast uns eben schon skizziert, wo ihr heute steht. Lass uns nochmal einen Schritt zurückgehen: Wie hat alles angefangen – und wie blickst du auf die Entwicklung von tune zurück?
Die Geschichte von #tune beginnt ziemlich unkonventionell – mit dem persönlichen Wunsch von Gründer Uli Fahl, leichter mit dem Rad in die Berge zu kommen. Als Chemiker und Kletterer fing er Anfang der 90er an, sein Bike zu tunen: leichtere Schrauben, dann Schnellspanner, später ganze Laufräder. Damals war „Bike-Tuning“ noch kein Begriff. Aus dieser Leidenschaft entstand #tune – zunächst als Ein-Mann-Projekt im Münchner Keller, später im Schwarzwald. Uli hat nicht nur optimiert, sondern Neues gedacht und ausprobiert. Das kam an: Fahrer*innen wie Markus Klausmann, Sabine Spitz oder Jan Ullrich gewannen mit tune-Teilen Titel – und sogar auf der Raumstation Mir waren unsere Schnellspanner im Einsatz. In den 90ern war #tune Innovationsführer, später wurde es ruhiger. Der nächste Schritt kam vor zwei Jahren: Die Marke wurde Teil der carbovation GmbH – zu der auch Lightweight gehört – mit starker industrieller Kompetenz im Rücken, aber weiterhin lokal verankert und eigenständig. Viele hatten Sorge, dass #tune seine Seele verliert – aber das Gegenteil ist passiert: Wir bringen Struktur und Strategie rein, ohne den kreativen Spirit aufzugeben. Die neuen Produkte zeigen das: leichter, robuster, leistungsstärker – und „Made in Germany“. Für uns fühlt es sich an wie ein Revival mit Rückenwind.
Was dürfen wir für die Zukunft erwarten?
Wir haben aktuell super viel in der Pipeline – da wird dieses Jahr noch einiges kommen. Es wird definitiv nicht ruhig um uns und ich glaube auch nicht, dass sich das in absehbarer Zeit ändern wird. Wir sind jetzt im 36. Jahr der Firmengeschichte und arbeiten intensiv daran, die Marke fit für die Zukunft zu machen. Natürlich ist das ein Prozess, der Einsatz und Geduld erfordert. Aber wir sind überzeugt, dass wir tune in guten Händen weiterentwickeln. Gerade in der Fahrradbranche stehen viele Firmen an einem Punkt, an dem sie sich neu aufstellen müssen – und genau da befinden wir uns auch. Nur eben mit dem Vorteil, dass wir sowohl die Erfahrung als auch die kreative Energie haben, diesen Wandel aktiv zu gestalten.
Stammt der Name tune tatsächlich vom Tuning-Gedanken – also dem Bike ein Upgrade zu verpassen?
Ja, genau – das war der Ursprung. Der Gedanke: Du kannst dein Bike leichter, besser, individueller machen – also tunen. In den frühen 90ern war das noch neu, aber Uli, unser Gründer, hatte ein gutes Gespür dafür. Er wurde damals sogar als Tuning-Papst bezeichnet. Alte Flyer von ’93 nennen sich „Tuning-Bibel“ – das zeigt, wie tief das im Markenkern verankert ist. Viele Produktnamen wie „TSR“ kennt heute niemand mehr so genau – aber dass #tune für Tuning steht, ist bis heute klar.
Was macht tune-Produkte besonders – und wie viel vom „wilden Geist“ steckt heute noch drin?
tune war von Anfang an wild, kreativ und ein bisschen unkonventionell – das merkt man bis heute. Früher gab es Komponenten in allen erdenklichen Farben, mit ungewöhnlichen Namen wie “Dreckschleuder” oder “Geiles Teil”. Dieser spielerische, fast anarchische Zugang hat die Marke stark geprägt – genauso wie die auffälligen, oft schrillen Messeauftritte, etwa auf der #Eurobike. Produktseitig ist tune historisch vor allem für hochwertige Naben bekannt, die wir auch heute noch selbst drehen. In Zukunft wollen wir uns aber stärker als Laufradhersteller positionieren, weil dort unserer Meinung nach das größte Potenzial liegt – nicht nur technisch, sondern auch aus Nutzer*innensicht. Die Wurzeln bleiben: leicht, langlebig, in Europa gefertigt, mit einer Prise Individualität.
Wie lautet eure Vision?
Unsere Vision ist klar: tune wieder als die Laufradbauer Marke „Made in Germany“ zu positionieren – als eigenständige Alternative zu den großen Playern. Dabei geht’s für mich nicht nur ums Produkt, sondern auch um kreative Selbstverwirklichung: starke Kampagnen, gute Geschichten, Austausch mit der Community – ob im Forum, auf Messen oder direkt mit Kund*innen. Wenn wir so neue Menschen für tune begeistern und die Marke wieder sichtbar machen, sind wir auf dem richtigen Weg.
Vielen Dank!
WE RIDE GmbH
Gießerstraße 18
04229 Leipzig