20.09.2025 | 20:56 Uhr

Robert im Interview mit Verena Herbert, Gründerin von Fiin
Hallo liebe Verena, stell dich doch bitte kurz vor: Wer bist du – und wo befinden wir uns?
Ich bin Verena, 39 Jahre alt, Mutter einer kleinen Tochter und Gründerin von Fiin. Wir stehen hier mitten in meinem Herzensprojekt, das vor fast vier Jahren aus einer echten Leidenschaft entstanden ist. Online bin ich allerdings erst seit etwa zwei Jahren – denn bis dahin hat es eine ganze Weile gebraucht, um alles wirklich umzusetzen.
Was hast du gemacht, bevor du Fiin gegründet hast?
Beruflich komme ich eigentlich aus einer ganz anderen Richtung. Ich bin gelernte Technische Zeichnerin im Bereich Maschinenbau und war lange Zeit angestellt. Aber mit der Zeit habe ich gemerkt, dass mich das nicht mehr erfüllt. Ich wollte etwas Eigenes schaffen – etwas, das wirklich zu mir passt.
Deine Leidenschaft gilt also dem Radfahren – konkret dem Mountainbiken?
Ja, ganz klar. Ich bin seit 2007 auf dem Mountainbike unterwegs, anfangs vor allem im Cross-Country-Bereich. Aber gerade in den Bikeparks oder beim Gravity-Biken waren Frauen damals noch eine echte Seltenheit. Ich bin auch Rennen gefahren – und man kannte sich damals deutschlandweit. So wenige waren wir. Heute sieht das zum Glück anders aus, da ist richtig Bewegung drin.
War es dir wichtig, nicht allein zu sein mit dieser Leidenschaft?
Auf jeden Fall. Es ist einfach etwas anderes, als Frau Mountainbike zu fahren – vor allem, wenn es um Dinge wie Technik, Sprünge oder schwierige Passagen geht. Männer gehen da oft mit mehr Kraft und Risikobereitschaft ran. Frauen sind meist etwas vorsichtiger, bewegen sich anders – und ticken auch im Kopf ein bisschen anders. Da hilft es enorm, wenn man andere Frauen um sich hat, die das kennen, verstehen und unterstützen. Dieses Miteinander hat mir viel bedeutet.
Wie bist du selbst unterwegs? Bist du eher vorsichtig oder gehst du ans Limit?
Ich war nie der typische Adrenalin-Junkie. Ich habe meine Grenzen über die Jahre langsam verschoben – auf eine gesunde Weise. Ich wollte nie übermütig sein, habe mich nie verletzt, aber trotzdem auch größere Sachen ausprobiert. Das hat für mich gut gepasst.
Wie kamst du überhaupt zum Mountainbiken?
Über eine Gruppe von Arbeitskollegen. Die sind regelmäßig zusammen gefahren, und ich habe einfach mal mitgemacht. Diese Gruppendynamik war super – es hat von Anfang an Spaß gemacht, sich da anzuschließen.
Gab es einen konkreten Moment, der den Anstoß für deine eigene Kollektion gegeben hat?
Die Idee kam ganz klar aus der eigenen Erfahrung heraus. Es gab einfach wenig Auswahl – und wenn es etwas gab, hat es oft nicht richtig gepasst. Früher war es üblich, dass Firmen Männermodelle einfach leicht anpassten: ein bisschen schmaler, vielleicht rosa mit Blümchen – und fertig war das "Damenmodell". Das hat sich zwar etwas verbessert, aber die Branche sieht Männer noch immer als Hauptzielgruppe. Ich habe letztes Jahr mit einer Designerin gesprochen, die für eine renommierte Marke arbeitet. Sie hat mir offen gesagt: Eine Jacke wird für Männer designt, entwickelt und getestet. Für Frauen wird dann eine kostengünstige Variante daraus gemacht – mit zwei zusätzlichen Nähten unter der Brust. Und das war’s. Kein echtes Interesse, Frauen als Zielgruppe ernsthaft zu bedienen. Das spüren viele – und entscheiden sich dann entweder für die beste von wenigen schlechten Optionen oder kaufen einfach gar nicht.
Was ist dir bei deiner Kollektion besonders wichtig?
Ein Riesenthema ist die Passform – vor allem bei Hosen. Zwar trägt jede Frau eine, aber fast keine ist damit wirklich zufrieden. Und das liegt oft daran, dass Frauenkörper sehr unterschiedlich sind: Manche haben viel Hüfte und eine schmale Taille, andere sind geradliniger gebaut. Aber die meisten Marken denken nur in zwei Kategorien – schlank oder kräftig. Dass es auch viele Kombinationsformen gibt, wird oft übersehen.
Wie setzt du das konkret in deiner Kollektion um?
Ich bin mit Fiin noch klein, deshalb kann ich keine riesige Auswahl bieten – aber es gibt bei mir schon lässigere Schnitte. Eine M ist wirklich eine M. Bei anderen Marken müsste man da oft schon zur L greifen. Ich will Klamotten machen, die sich gut anfühlen – mit einem Bund, der bequem, elastisch und verstellbar ist. Und: Mountainbike ist ein lässiger Sport. Also braucht es auch einen lässigen Style – keine Rennrad-Spanntextilien, sondern etwas mit mehr Luft, etwas Feminineres. Meine Schnitte sind runder, der Abschluss am Saum nicht so kantig. Und beim Design geht es mir darum, dass es wirklich ein Design ist – und nicht einfach nur ein Männerteil mit einem Blümchen drauf.
Wie entstehen deine Kollektionen – arbeitest du mit jemandem zusammen?
Ja, ich habe eine Designerin gefunden, die meine Ideen professionell umsetzt. Sie bringt meine Vorstellungen zu Papier, sodass ich damit direkt auf Produzenten zugehen kann. Da ich nicht aus der Branche komme, musste ich mir das alles Schritt für Schritt selbst aneignen – vom Schnitt über die Materialwahl bis zur Produktion.
Wann hast du mit Fiin so richtig gestartet?
So richtig los ging es 2023 – das war mein erstes Testjahr. 2024 dann der nächste Schritt. Ich bin komplett eigenfinanziert unterwegs, ohne Investoren, deshalb wachse ich bewusst langsam. Ich ergänze meine Kollektion regelmäßig um neue T-Shirts mit coolen Prints, was eben im kleinen Rahmen machbar ist. Der Austausch auf Events hilft mir sehr: Ich bekomme direktes Feedback von Kund*innen, was ich in der nächsten Kollektion berücksichtigen kann – sei es eine längere Ärmelpartie oder eine schmalere Passform.
Wo findet man deine tollen Sachen?
Im eigenen Online-Shop – und auf vier bis fünf Events im Jahr, wo man die Teile anfassen, anprobieren und direkt mit mir ins Gespräch kommen kann. Aktuell liegt mein Fokus komplett auf funktionaler, lässiger Mountainbike-Bekleidung für Frauen.
Wie fühlt es sich an, ein eigenes Label aufzubauen und weiterzuentwickeln?
Richtig gut. Es macht unglaublich viel Spaß – vor allem, weil man mit einer ganz anderen Motivation arbeitet als im Angestelltenverhältnis. Ich weiß genau, wofür ich das mache: für mich, aber auch für all die Frauen, die meine Sachen tragen. Wenn ich sehe, dass meine Kleidung gut ankommt, echte Probleme löst und einfach passt – dann ist das extrem erfüllend. Das motiviert mich, weiterzumachen und immer besser zu werden.
Zum Schluss: Woher kommt eigentlich der Name „Fiin“?
Ich bin in Wyk auf Föhr geboren – und „fiin“ heißt im Nordfriesischen „schön“. Auch in anderen nordischen Sprachen steht das Wort für etwas Positives, Feminines. Für mich passt das perfekt.
Vielen Dank!
WE RIDE GmbH
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