14.04.2026 | 13:19 Uhr

VeloBerlin: Das Fahrradfestival für alle – im Interview mit Isabell Eberlein

von Robert Strehler

Journal
(c) WE RIDE

Die VELOBerlin fand vom 11. bis zum 12. April 2026 statt - Das Fahrradfestival für alle. Mitten im urbanen Flair des ehemaligen Flughafens Tempelhof erlebst du die ganze Welt des Radfahrens – offen, vielfältig und voller Bewegung. Entdecke die neuesten Fahrrad- und Mobilitätsprodukte, teste sie auf großzügigen Teststrecken und Fun-Parcours und finde heraus, welches Bike wirklich zu dir passt. Auf mehreren Bühnen erwarteten dich Talks, Shows und Rennen – von inspirierenden Reisegeschichten bis zu sportlichen Highlights. Ein Wochenende für Friends & Family, für Community und Neugier – an einem der spannendsten Mobilitätsorte Berlins. Aufsteigen, ausprobieren, feiern!

Wir haben im Vorfeld ein ausführliches Interview mit Isabell Eberlein von VeloKonzept geführt. Welche Vision und Ideen stecken hinter dem Bikefestival - wie wir bereits wissen: die VeloBerlin 2026 war ein voller Erfolg (inklusive bestes Wetter).

Anne-Katrin und Robert im Interview mit Isabell Eberlein

Hallo Isabell, du bist geschäftsführende Gesellschafterin von Velokonzept, Mitgründerin des Netzwerks Women in Cycling und CEO der VELOBerlin. Kannst du auf das generelle Konzept der VELOBerlin eingehen? Was hat es mit dieser Veranstaltung auf sich und worin unterscheidet sie sich von anderen Events in der Bike-Branche?

Die VELOBerlin ist keine Fahrradmesse, sondern ein Fahrrad-Festival, auf dem man das Fahrrad in all seinen Facetten erleben kann. Wir bringen unterschiedliche Fahrrad-Communities zusammen, die sonst vielleicht auch gar nicht so viel miteinander zu tun haben. Natürlich geht es ums urbane Radfahren, aber um sportliches Radfahren – in all seinen Facetten (Road, Gravel, fixed, etc...). Die VELOBerlin findet am symbolträchtigen Flughafen Tempelhof statt, zu dem die Berliner*innen eine besondere Verbindung haben. Dieser Ort steht für Freiheit, genauso wie das Fahrrad und ist der ideale Veranstaltungsort, um das positive Gefühl des Radfahrens zu feiern.

Und kannst du noch etwas zum Festival-Charakter sagen? Was macht diese besondere Stimmung aus? 

Für ein Festival bieten wir Action, Essen und Erlebnis. unser Bühnenprogramm bietet von Musikbeiträgen, über Reisevorträge, aber auch politische Diskussionen, Fahrradpersönlichkeiten, Geschichten und Austauschsituationen. Es gibt viele Mitmachgelegenheiten, Workshops – also Möglichkeiten, aktiv zu werden. Gleichzeitig haben wir ein großes Rennprogramm – mit Kinderrennen, aber auch wirklich profiartigen Rennen und Community-Rennen wie „Last One Standing“. Bei einem Festival darf eine gute Verpflegung nicht fehlen, bei den Radfahrer*innen der gute Kaffee nicht. Den bieten wir ebenso wie leckeres Essen von lokalen Anbieter*innen in unserem Biergarten mit diversen Foodtrucks an. Wenn man bei Sonnenschein im Biergarten sitzt und den freien Blick auf das Tempelhofer Feld genießt, ist das ein einzigartiges Gefühl – fast wie Urlaub in der eigenen Stadt.

Die Fahrradbranche ist gerade ziemlich in Bewegung – viel Umbruch, viel Trouble. Kommt die Branche mit besonderen Erwartungen – oder tragen alle diesen Festivalcharakter mit? 

Wir sind in unserer Ausrichtung ganz klar B2C. Mit unserem Festivalcharakter versuchen wir ein Stück weit „Berlin Creative“ zu feiern – also die Frage: Was bedeutet Radfahren in der Hauptstadt für die Berliner*innen, wofür stehen Berliner Subkulturen? Da entwickeln wir uns auch immer weiter. Die VELOBerlin zieht Besucher*innen aus der Berliner Umgebung und immer mehr aus weiteren Regionen an. Unser Festival mit Berlin Vibe hat auch zum Ziel Leute aus der ganzen Republik oder aus angrenzenden europäischen Ländern für ein Wochenende nach Berlin zu uns zu locken. 

Wird es auf der VELOBerlin auch wieder ein Women in Cycling-Treffen geben?

Ja, auf jeden Fall. Am Samstag, dem 11. April 2026 findet im VELOSalon das Format „Women in Cycling: Apéro & Austausch“ ab 16.30 Uhr statt – organisiert vom Women in Cycling Berlin Hub. Women in Cycling Germany ist ein Netzwerk, das Frauen*, die im Fahrradsektor arbeiten, vernetzen und stärken möchte. Die Session richtet sich sowohl an Frauen*, die bereits in der Branche tätig sind, als auch an diejenigen, die sich beruflich für die Fahrradwelt interessieren. Im Fokus ist die Frage: Wie können wir mehr Frauen für das Fahrradfahren begeistern? Es wird einen Austausch zwischen Berliner Fahrradhändler*innen und sportlichen und urbanen Radcommunities mit allen Frauen, die auf der VELOBerlin sind. Das Event beginnt dieses Jahr mit einer geführten Tour über die Messefläche, anschließenden Impulsen und Networking. 

Wenn ich mir mein Wochenende bei euch zusammenstelle: Wie sieht ein idealer Festival-Samstag oder -Sonntag aus? Was sollte ich auf keinen Fall verpassen?

Am Samstag geht es früh los. Es gibt Workshops – je nach Use Case, schaut einfach in unser umfassendes Programm. Wenn man mit Familie kommt, gibt es zum Beispiel Angebote für Kinder, wie Checker Julian. Parallel laufen den ganzen Tag Rennen des Berliner Sportverbandes, die man sich anschauen kann. Und natürlich kann man selbst testen und Räder ausprobieren. Am Nachmittag kommen dann die größeren Programmpunkte. Es gibt die Verleihung des Berliner Engagementpreises Fahrrad, mit dem engagierte Menschen ausgezeichnet werden. Ein besonderes Highlight am Samstag ist das Fixed Gear Rennen „Last One Standing“ – draußen, in Biergartenatmosphäre. Und danach gibt es noch eine Party, die man nicht verpassen sollte, mit Kino, Bingo, Karaoke und Tanzsalon. Am Sonntag startet alles etwas später. Wenn man in Ruhe die Stände anschauen möchte, lohnt es sich, gegen 10 oder 11 Uhr da zu sein. Ein großes Highlight in diesem Jahr ist das parallel stattfindende Laufrad-Rennen Das wird auf jeden Fall besonders. Und ansonsten gehören dazu: ein guter Kaffee, Zeit zum Verweilen und vielleicht noch ein spannender Vortrag.

Zum Abschluss: Wenn ihr auf die letzten Jahre der VELOBerlin schaut – und auf das, was noch kommt – wie würdet ihr die Entwicklung beschreiben? Und wo soll die Reise hingehen?

Die Veranstaltung gibt es jetzt zum 14. Mal. Gestartet sind wir 2011 – damals waren wir das erste Publikumsfestival für urbane Mobilität, sagt Ulrike Saade. Am Anfang waren wir noch an der Messe Berlin – der Umzug nach Tempelhof war dann der größte Schritt, den wir gemacht haben. Mit den alten Hangars, dem überdachten Vorfeld und der großen Freifläche haben wir ganz neue Möglichkeiten bekommen, das Fahrrad zu emotionalisieren . Für die Zukunft wünschen wir uns, noch stärker zielgruppenspezifisch zu diversifizieren. Wir sagen ja, wir sind ein Fahrrad-Festival für alle – aber diese Zielgruppen müssen wir auch klarer ausdifferenzieren. Familien mit kleinen Kindern haben andere Bedürfnisse als die Radsport-Community. Und die teilt sich wiederum auf in Rennrad, Gravel und MTB. Die Frage ist: Wie holen wir alle gut ab? Da machen wir schon gute Schritte, wollen das aber weiter vertiefen. Wir stehen für urbanes Radfahren, aber auch für sportliches Freizeitradfahren. Gleichzeitig merken wir, dass auch Tourismusregionen zunehmend ausstellen und zeigen wollen, wie man ihre Region mit dem Fahrrad erleben kann. Und wir arbeiten weiter an unserem Markenkern: Festival-Fokus, das Berlinerische am Radfahren – dieses Lebensgefühl, diese Offenheit. Und um noch ein paar Zahlen zu nennen: Wir haben über 200 Aussteller*innen, fünf Testtracks, drei Bühnen, drei Food-Courts, über 1000 Sportler*innen und über 100 Speaker*innen, mit denen wir planen.

Vielen Dank! 

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