04.11.2025 | 15:39 Uhr

Wer die Schicke Mütze in Düsseldorf betritt, merkt schnell: Hier geht’s nicht nur ums Rad. Zwischen fein kuratierten Bikes, Schrauber*innenwerkstatt und Espressomaschine entsteht ein Ort, der Fahrradkultur nicht verkauft, sondern lebt. Seit Jahren ist die Mütze Treffpunkt für Szene, Schrauber*innen, Genießer*innen – und alle, die den Wandel der Stadt nicht dem Zufall überlassen wollen.
Cris und Robert im Gespräch mit Carsten Wien
“Ich bin Carsten Wien und gemeinsam mit Konrad und Kerstin betreibe ich seit elf Jahren die Schicke Mütze in Düsseldorf. Unser Zuhause ist inzwischen die Oststraße 20, wo wir uns die Räume mit Nils von #Motivaktiv teilen. Auch wenn ich dort ein kleines Büro habe, bin ich viel unterwegs – die Zeit reicht selten aus, um wirklich dort zu sitzen.
Bevor ich die Schicke Mütze mit aufgebaut habe, habe ich 30 Jahre in der Musikbranche gearbeitet: Retail, Labels, Vertrieb – ich war unter anderem für WOM, HMV und Mastervoice tätig. Später habe ich mit Freunden einen Plattenladen in Düsseldorf betrieben, elf Jahre lang. In dieser Zeit habe ich das Rennradfahren wiederentdeckt – eine alte Leidenschaft aus meiner Kindheit. Der Gedanke, endlich wieder mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, war für mich ein ganz persönlicher Gamechanger. Ich habe mir ein langweiliges Alltagsrad gekauft und gemerkt, wie viel Spaß mir Radfahren macht. Später habe ich das alte Rennrad meines Vaters restauriert – und das hat einiges ins Rollen gebracht.
Konrad stellte damals in einem Forum die Frage, wer Lust auf Ausfahrten mit klassischen Rädern hätte. Ich fuhr mit zur L’Eroica nach Gaiole in Chianti, tauchte in die Community ein – und wir fingen an, hier in Düsseldorf eigene Touren mit Schotterabschnitten zu organisieren. Was damals noch belächelt wurde, nennt sich heute Gravel. Schnell entstand die Idee, einen Ort zu schaffen, an dem sich alles ums Rad dreht: ein Fahrrad-Café. Der Impuls kam von Dieter Mauermann, Gastronom und Werber, der damals das "Curry" betrieb. Er war überzeugt: Wenn er nochmal etwas macht, dann einen Ort fürs Fahrrad. So entstand die #Schicke Mütze – anfangs als Treffpunkt für Ausfahrten, später mit eigenem Shop für besondere Marken, Accessoires und Klamotten, die man sonst kaum irgendwo bekommt. Es war uns wichtig, das Thema Rad nicht nur sportlich zu denken. Unser Laden sollte offen sein für alle – für Alltagsfahrer*innen genauso wie für Rennrad-Nerds. Als wir damals eröffnet haben, stand ein altes Klapprad vor der Tür. Ein Zeichen: Hier geht es nicht um elitären Quatsch, sondern um Begeisterung für das Fahrrad. Ich habe lange parallel im Plattenladen und im Radladen gearbeitet, sechs Tage die Woche. Irgendwann musste ich mich entscheiden. Die Mütze ist gewachsen – mit viel Herzblut, Events, Ausfahrten, mit Gravel – schon lange, bevor es ein Trend wurde. Wir waren die Ersten, die Marken wie #Panaracer oder #Ritchey in Deutschland sichtbar gemacht haben. Ich habe Tom Ritchey angeschrieben, weil ich seine Bikes, die es hier nirgends gab, geil fand. Heute arbeiten wir direkt mit ihm zusammen. Die Schicke Mütze hat sich zu einem echten Ort für Fahrradkultur entwickelt. Sie ist nicht nur ein Laden, sondern eine Idee.
Ich lebe gerne in Düsseldorf. Die Stadt ist kompakt, das Umland wunderschön und mit dem Rad bist du in 15 Minuten draußen in der Natur. Trotzdem hat Radfahren hier einen schweren Stand. Autofahrende haben eine enorme Lobby und die Stadt tut sich schwer, Flächen umzuverteilen. Wir versuchen, etwas zu bewegen. Wir waren bei der Tour de France dabei, haben das Bicycle Film Festival mitgeholt, Kinderrennen und Laufradrennen organisiert. Uns ging es immer darum, Fahrradfahren sexy zu machen – auch für Menschen, die es bisher nicht auf dem Schirm hatten. Unsere Community ist gewachsen. Heute gibt es unzählige Ausfahrten in Düsseldorf, Gruppen für jedes Level. Ein Stück davon haben wir sicher mit angestoßen. Wenn ich nach vorn blicke, wünsche ich mir, dass Städte wie Düsseldorf erkennen, wie wichtig der Radverkehr für die Zukunft ist. Wir verstehen uns als Impulsgeber – und hoffen, dass das, was wir aufgebaut haben, weiter wächst. Ob mit jungen Teams wie Nils und Roxy, die ihre Kinder mit aufs Rad nehmen, oder mit all denen, die sich anschließen und weitermachen: Die Schicke Mütze soll bleiben, was sie ist – ein Ort fürs Fahrrad. Und für alle, die das Radfahren lieben. Und wer weiß: Vielleicht entsteht durch Impulse aus der Schicken Mütze irgendwann ein Radweg in der Oststraße. Das wäre doch was!”
Details:
Schicke Mütze
Laden vor Ort: Oststraße 119 Hinterhaus, 40210 Düsseldorf
Radausstatter und Werkstatt: Montag bis Samstag: 11.00 bis 18.00 Uhr
WE RIDE GmbH
Gießerstraße 18
04229 Leipzig