06.04.2026 | 18:33 Uhr

Quelle beauté naturelle: Vintage Räder by Joli Vélo

von Anne-Katrin Hutschenreuter

Journal
(c) WE RIDE

Lorenz im Interview mit Christopher Laliat

Natürliche Schönheiten, das sind sie alle. Die französischen Vintage-Rennräder aus den 60ern, 70ern, 80ern und frühen 90ern von Christopher Laliat. Räder mit Geschichte, Patina und Seele – und mit jemandem dahinter, der sie genau dafür liebt.

Wir treffen Chris in einem Keller am Jungfernstieg, im Projekt Besser-Nachbarschaften. Kein klassischer Radladen, kein Schaufenster, keine Laufkundschaft. Stattdessen: warme Rahmenfarben, polierte Felgen, Kisten voller Ersatzteile und diese ruhige Atmosphäre, die Orte haben, an denen konzentriert gearbeitet wird. „Ich bin Chris, Christopher. Ich komme aus Frankreich und ich bin seit fast neun Jahren in Kiel. Und ich bereite schöne Vintage-Rennräder auf – seit drei Jahren.“ Der Weg dorthin war alles andere als geplant. Als Chris nach Kiel zog, interessierten ihn Fahrräder kaum. „Ich hatte Oldtimer und alte Motorräder. Fahrräder? Gar kein Interesse.“ Der Wendepunkt kam pragmatisch: Er suchte ein Rennrad für sich selbst. Kiel gefiel ihm, vor allem wegen der Radinfrastruktur – die Preise in Deutschland allerdings weniger. „Ich habe automatisch mit Frankreich verglichen.“ Also begann er, von seinen Fahrten in die Heimat Fahrräder mitzubringen. Aus einem Rad für sich selbst wurden sechs Stück. Sauber gemacht, neue Reifen, ab in den Kofferraum. „Ich habe meine Fahrtkosten bezahlt – mit Bonus.“ Drei, vier Mal im Jahr. Irgendwann kam der Gedanke, daraus mehr zu machen.

Hauptberuflich arbeitet Chris als Webdesigner. Viel Bildschirm, wenig Hände. „Ich wollte etwas Handwerkliches machen.“ Er meldete ein Kleingewerbe an, kaufte mehr Räder, einen Anhänger und fand diesen Keller. Das war der Startpunkt. Was er heute kann, hat er sich selbst beigebracht. „Ich wusste nicht, wie man ein Tretlager tauscht oder einen Steuersatz einstellt. Keine Ahnung. Alles YouTube und Übung.“ Am Anfang mit Respekt, später mit Routine. Fehler gehörten dazu. Neues Werkzeug auch. Heute ist der Keller gut ausgestattet – und Chris sicher in dem, was er tut. Fast alle Räder, die hier stehen, stammen aus Frankreich. Peugeot, Motobécane, ein paar Ausnahmen. „Das Design gefällt mir einfach. Farben, Rahmenformen.“ Dazu kommt die Verbindung zur Heimat: Bis in die 80er war die französische Fahrradindustrie riesig. „Und bei den alten Rädern hast du auch nur französische Teile.“ Das fühlt sich stimmig an.

Am meisten liebt Chris den Moment nach der Arbeit: Ein völlig verdrecktes Rad, das langsam wieder zum Vorschein kommt. Alles reinigen, Verschleißteile tauschen, Lager neu fetten. „Manchmal sitze ich fünf Minuten davor und gucke es einfach an.“ Wenn das Rad später jemandem Freude macht, schließt sich der Kreis. Platzbedingt stehen hier maximal rund 50 Räder. In Frankreich warten noch über 120. Drei- bis viermal im Jahr fährt Chris los und bringt im Schnitt 25 mit. Verkauft wird vor allem in Kiel – inzwischen aber auch deutschlandweit und darüber hinaus. „Finnland, Polen – jetzt soll ein besonderes Rad nach New York gehen.“ Der Verkauf läuft bewusst anders: keine festen Öffnungszeiten, nur Termine. Sichtbar über Kleinanzeigen, Instagram und seine Website. “Manchmal kommen Leute aus Hamburg oder Berlin, machen eine Probefahrt und fahren direkt mit dem Rad nach Hause.“

Fünf bis sechs Stunden Arbeit stecken im Schnitt in einem Rad. Komplettreinigung, polierte Felgen, neue Reifen, Züge, Hüllen, oft Kette und Bremsklötze, frisches Lenkerband, manchmal ein neuer Sattel. Lackiert wird nicht. „Das Fahrrad soll sein ursprüngliches Fahrrad bleiben.“ Keine modernen Teile, die nicht zum Baujahr passen. Alles soll zusammengehören. Die Preise bleiben bodenständig: meist zwischen 400 und 550 Euro, im Schnitt etwa 450. Für besondere Raritäten gibt es Ausnahmen. Sechs Monate Garantie sind inklusive. Viele Räder stammen aus Garagen, in denen sie Jahrzehnte standen. „Meistens private Leute. Oft erste Besitzer.“ Manchmal erzählen sie ihre Geschichten mit: Paare, die einst zwei Räder in gleicher Farbe kauften, gemeinsame Touren, ein Leben auf zwei Rädern. Diese Momente gehören für Chris dazu.

Warum Kiel? „Hier macht Fahrradfahren richtig Spaß. Die Infrastruktur ist top.“ Vielleicht ist es die Mischung aus diesem Ort, der Nähe zum Radfahren, der Sehnsucht nach Heimat und der Liebe zu Vintage-Design aus den 70ern und 80ern. Und ja, es ist ein Keller. „Manchmal haben Leute Angst, sich mit einem unbekannten Franzosen im Keller zu treffen“, sagt Chris und lacht. „Aber es ist gut beleuchtet. Und ich glaube, ich bin ziemlich nett.“ Da sind wir uns einig.

Details:

Joli Vélo
Kleiststrasse 25
24105 Kiel

Termin nach Absprache
+49 151 28856484
www.jolivelo.com/
@joli.velo

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