01.12.2025 | 13:43 Uhr

Von Frauen für Frauen: Judith Schäfer für Liv

von Anne-Katrin Hutschenreuter

Journal
Judith Schäfer, Liv-Project-Managerin in Deutschland – ist auf und abseits des Rads mit voller Leidenschaft für die Women-Only-Brand Liv unterwegs. (c) Judith Schäfer

Mit Liv setzt die Giant Group auf eine klare Mission: mehr Frauen aufs Rad – und zwar mit Bikes, die von Grund auf für sie entwickelt wurden. Project Managerin Judith gibt im Interview Einblicke dazu, wie die Women-Only-Brand arbeitet, warum Community-Building dabei eine zentrale Rolle spielt und wie Liv Frauen vom ersten Kilometer bis zum großen Rennrad-Abenteuer begleitet. 100 Prozent der Ressourcen fließen in die Entwicklung von Fahrrädern und Ausrüstung, die Passform, Leistung und Spaß garantieren – basierend auf wissenschaftlichen Daten und der wohl wichtigsten Perspektive: der Eigenerfahrung der Radfahrer*innen.

Anne-Katrin und Zoe im Interview mit Judith Schäfer

Judith, magst du dich bitte kurz vorstellen – wer bist du und was machst du bei Liv?

Sehr gern. Ich bin Liv-Project-Managerin – eine Position, die es in jedem Land in Europa und international innerhalb der Giant Group gibt. Liv ist unsere Women-Only-Brand, neben Marken wie Giant, Cadex und Momentum. In Deutschland verantworte ich alles rund um Liv: digitales Marketing, Website, Newsletter mit speziellem Liv-Content und unsere Social-Media-Kanäle. Außerdem bin ich viel auf Events unterwegs, oft mit einer Liv-Testflotte, damit Frauen unsere Räder direkt ausprobieren können. Seit etwas mehr als sechs Jahren bin ich dabei. Zuvor war ich beim E-Bike-Verband e-motion tätig – eine großartige Zeit, die mir wertvolle Einblicke und Kontakte verschafft und den Grundstein für meine Karriere in der Bikebranche gelegt hat. Heute ist meine Arbeit bei Liv kreativer, vielseitiger und noch näher dran an den Fahrerinnen.

Was macht Liv als Marke aus – und welche Werte verbinden dich persönlich damit?

Unsere Mission ist klar: mehr Frauen aufs Rad – und irgendwann genauso viele wie Männer. Liv ist die einzige allumfassende Bike-Marke nur für Frauen, mit Modellen für alle Disziplinen – vom City-E-Bike bis zum High-Performance-Rennrad. Alle Räder werden von Grund auf für Frauen konstruiert, basierend auf Unterschieden in Anatomie und Kraftverteilung. Denn viele Frauen sitzen auf Rahmen, die nach männlichen Proportionen gebaut sind, zu gestreckt – besonders im Rennradbereich. Liv gibt es seit 2008. Entstanden ist die Marke aus einer Lücke im Markt: Unsere Gründerin fand damals kein passendes High-Performance-Rad in ihrer Größe – und auch kaum Radbekleidung für Frauen. Die Frage war: Warum sollten Frauen sich mit Citybikes zufriedengeben? Heute entwickeln wir nicht nur Bikes, sondern fördern auch gezielt Frauen im Sport, bauen Communitys auf und unterstützen junge Talente. Genau diese Kombination aus Technik, Gemeinschaft und Förderung macht Liv so besonders.

Community-Building scheint bei Liv besonders stark ausgeprägt zu sein. Wie funktioniert euer Engagement – gerade im Hinblick auf Botschafterinnen und Nachwuchsfahrerinnen?

Das Ambassador-Programm gibt es in Deutschland seit dem Start von Liv im Jahr 2015. Unsere Markenbotschafterinnen sind oft an regionale Liv-Händler*innen angebunden – zum Beispiel in Leipzig an den Giant Store. Manchmal entstehen diese Verbindungen auch ganz spontan: Jemand schreibt mich auf Instagram an, hat Lust mitzumachen und ich schaue, ob es in der Region passende Händler*innen gibt. Wenn es passt, läuft das oft richtig gut. So haben wir inzwischen in vielen Regionen tolle Botschafter*innen, die gemeinsam mit ihren Händler*innen Communities aufbauen. Neben den regionalen Botschafter*innen arbeiten wir auch mit Influencerinnen – hauptsächlich auf Instagram. Aktuell haben wir rund 35 Markenbotschafterinnen und Influencer*innen. Viele bieten kreative Formate an: Intervall-Trainings, Bergfahrten oder längere Touren wie von Düsseldorf in die Niederlande. Das gibt Frauen die Möglichkeit, sich auch an Distanzen heranzutrauen, die sie allein vielleicht nicht fahren würden – und schafft einen sicheren Raum, in dem auch Fragen gestellt werden können, die man in einer Männergruppe vielleicht nicht ansprechen würde.

Legt ihr bei Liv Wert darauf, dass Kundinnen auch von Frauen beraten werden?

Idealerweise ja – wir merken, dass oft mehr Zug dahinter ist, wenn Frauen die Marke verkaufen, gerade bei Bekleidung. Gleichzeitig haben wir viele Männer im Verkauf, die das großartig machen. In manchen Regionen fehlen noch Händler*innen mit großer Liv-Auswahl, weshalb Kundinnen teils lange Anfahrten auf sich nehmen. Umso schöner, dass immer mehr Stores ihr Sortiment erweitern – oder sogar von Frauen geführt werden. Das bringt spürbar einen eigenen Drive.

Die Fahrradbranche ist immer noch stark männerdominiert. Wie schaffen wir mehr Sichtbarkeit und Präsenz von Frauen – gerade auch im Radsport?

Es gibt gute Ansätze: spezielle Slots für Frauen bei Radrennen, FLINTA*-Angebote in geschütztem Rahmen oder das Women in Cycling-Netzwerk, das Mentorinnen vermittelt, neue Möglichkeiten für Frauen schafft und die Frauen in der Fahrradbranche miteinander vernetzt. Entscheidend ist, Role Models sichtbar zu machen – auf dem Rad und in klassischen Männerberufen wie der Mechanik. Händler*innen könnten zudem stärker auf Schulen, Bike-Schulen oder Vereine zugehen und gezielt Mädchen ansprechen. Markenbotschafter*innen vor Ort können mit Workshops oder persönlichen Geschichten früh Interesse wecken und zeigen, welche Chancen die Fahrradwelt bietet.

Zum Abschluss: Wo sollte sich die Branche – und vielleicht auch Liv – in den nächsten Jahren hin entwickeln? Was wünschst du dir?

Mein größter Wunsch betrifft eigentlich etwas sehr Grundsätzliches: mehr Toleranz und Verständnis füreinander. Ich habe das Gefühl, das fehlt uns in Deutschland oft – auch in der Radwelt. Sei es der Blick auf Körpergewicht oder die Diskussion E-Bike vs. Bio-Bike: Am Ende verbindet uns doch, dass wir alle gerne Rad fahren. Ob mit Motor oder ohne, ob ich 15 Kilo mehr oder weniger habe – das sollte keine Rolle spielen. Ich wünsche mir außerdem, dass die Radbranche vielfältiger wird. Immer mehr Frauen trauen sich aufs Rad, sammeln positive Erfahrungen und merken, wie empowernd der Sport ist. Man hat über Jahre Erfolgserlebnisse – vom ersten 20-Kilometer-Ride bis zu 200 Kilometern am Stück, vom ersten Event bis zum ersten Rennen. Auch im Fachhandel täte mehr weibliche Präsenz gut – nicht nur, weil Frauen oft ein anderes Auge für Gestaltung haben, sondern auch, weil Vielfalt im Team die Arbeit bereichert. Wir können Finanzen verwalten, organisieren und gleichzeitig eine einladende Atmosphäre schaffen. Diese Mischung tut der Branche gut – und ich hoffe, dass wir uns dahin weiterentwickeln.

Und du selbst – welches Rad fährst du privat?

Eigentlich alles von Liv. Ich habe ein Rennrad, ein Gravelbike, ein Mountainbike und ein E-Bike, mit dem ich meine Einkäufe erledige. Für mich ist das Gesamtpaket perfekt. Meine Räder passen super und ich fahre die Marke aus Überzeugung. Mir gefallen das Design, die Farben – und ich freue mich jede Saison auf die neuen Modelle. Oft denke ich: „Boah, das hole ich mir als Nächstes.“ Außerdem bin ich auch viel mit unseren Rädern unterwegs, zum Beispiel als Guide bei unserer Frauen-Transalp im September. Das macht unglaublich Spaß – und ich bin dankbar, dass mein Job genau diese Leidenschaft zum Radfahren mitbringt.

Vielen Dank!

Das Könnte dich auch interessieren

WE RIDE GmbH
Gießerstraße 18

04229 Leipzig

magnifiercrossarrow-up