25. August 2025 | 13:40 Uhr

Innenstädte ohne Autos: Studien widerlegen den Parkplatz-Mythos

von Robert Strehler

Die Erzählung ist vertraut: „Innenstädte veröden, weil man nicht mehr mit dem Auto direkt vor den Laden fahren kann.“ Viele Menschen – auch auf Social Media – erklären den Rückgang des Einzelhandels mit der Ausweitung von Fußgängerzonen und fehlenden Parkplätzen. Doch wissenschaftliche Studien zeichnen ein differenzierteres Bild: Die Ursachen für das Ladensterben sind komplex – und der Autoverkehr spielt dabei eine weit geringere Rolle, als oft angenommen.

Difu-Studie: Vielfalt entscheidet über Attraktivität

Die aktuelle Untersuchung „Mobilität in Innenstädten“ des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) zeigt: Entscheidend für vitale Innenstädte ist nicht das Auto, sondern die Erreichbarkeit mit verschiedenen Verkehrsmitteln. Neben Pkw zählen dazu vor allem Fußverkehr, Radverkehr und der öffentliche Nahverkehr.1

TU Dresden: Zu viel Auto schadet der Innenstadt

Auch die Technische Universität Dresden bestätigt in ihren Studien, dass Innenstädte profitieren, wenn sie nicht allein auf den Pkw ausgerichtet sind. Menschen verbringen mehr Zeit und konsumieren mehr, wenn sie sich in der Innenstadt gerne aufhalten – und das gelingt besser in verkehrsberuhigten Zonen.1

FH Erfurt: Radfahrende und Fußgänger bringen mehr Umsatz

Besonders spannend sind die Ergebnisse der Fachhochschule Erfurt („Mit dem Rad zum Einkaufen in die Innenstadt“, 2019). Dort wurde untersucht, welche Verkehrsmittel welchen Anteil am Umsatz haben.

  • In Erfurt, Gera und Weimar erreichten nur rund 7 % der Kund:innen die Innenstadt mit dem Auto.

  • Über 90 % des Umsatzes wurden von Menschen generiert, die zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem ÖPNV kamen.2

RIFS Potsdam: Zahlen aus Berlin

Das Research Institute for Sustainability (RIFS) Potsdam legte ähnliche Ergebnisse für Berlin vor:

  • 6,6 % der Kund:innen kamen mit dem Auto.

  • Sie generierten aber nur rund 8,7 % des Umsatzes.

  • 91 % des Umsatzes stammten von Kund:innen, die nicht mit dem Auto unterwegs waren.3

Zusätzlich zeigte die Auswertung: In autofreien Innenstadtbereichen entstanden bis zu 30 % mehr Geschäfte – ein klares Indiz für die positive Wirkung von Aufenthaltsqualität und Verkehrswende auf die wirtschaftliche Entwicklung.4

Fazit: Vielfalt statt Parkplatz

Die Studien machen deutlich: Der Mythos vom „Sterben der Innenstädte ohne Autos“ ist wissenschaftlich nicht haltbar. Entscheidend für vitale Zentren sind gute Erreichbarkeit mit allen Verkehrsmitteln, eine hohe Aufenthaltsqualität und attraktive öffentliche Räume.

Die Zahlen zeigen: Innenstädte leben von Vielfalt – nicht von Parkplätzen.

 

  1. https://www.nordbayern.de/politik/ohne-autos-und-parkplatze-sterben-die-innenstadte-was-ist-dran-an-dem-mythos
  2. https://www.mobilitaetsforum.bund.de/DE/Themen/News-RADar/_texte/Einzelhandel-und-Verkehrsberuhigung_2024-12.html
  3. https://www.rifs-potsdam.de/de/blog/2021/09/mehr-umsatz-durch-attraktive-stadtgestaltung
  4. https://zukunftdeseinkaufens.de/autofreie-innenstaedte

 

Deine Takeaways

* Rad-, Fuß- und ÖPNV-Kund:innen generieren über 90 % des Umsatzes in Innenstädten – Autofahrer nur einen Bruchteil.
* Eine zu starke Fokussierung auf den Pkw mindert Attraktivität und Aufenthaltsqualität von Innenstädten.
* Autofreie Zonen fördern bis zu 30 % mehr Geschäfte – Vielfalt statt Parkplatz belebt den Einzelhandel.

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