20.07.2026 | 13:53 Uhr

Messenger backpacks and other Radstuff!

von Anne-Katrin Hutschenreuter

Journal
(c) WE RIDE

Wir sind zu Besuch bei Max von Messaker Bags. Zwischen Industrie-Nähmaschinen, Stoffrollen und Prototypen entsteht hier jedes einzelne Bag von Hand – geschnitten, genäht und gebaut für den echten Fahrradalltag.

Lorenz im Interview mit Max Ganz

Hey Max, mit wem sitzen wir hier zusammen und wer steckt hinter diesem Label?

Ich bin Max, 38 Jahre alt, komme aus Bremen, bin aber auf dem Land groß geworden. Und ich mache jetzt seit fast zehn Jahren Messaker Bags. Angefangen hat das Ganze 2017 mit der Idee, Messenger-Bags und andere praktische Sachen für Fahrradkuriere und Menschen zu bauen, die einfach gerne Rad fahren.

Der Name verrät es schon ein bisschen – die Messenger-Kultur spielt bei euch eine große Rolle, oder?

Total. Der Name war damals eigentlich eher aus einer Schnapsidee geboren. Ursprünglich wollten wir ein Alleycat organisieren, das „The Messacre“ heißen sollte – also sechs Stunden ballern, Arbeitsalltag nachstellen, Pick-up, Drop-off, Fahrstuhl fahren und so weiter. Der Homie, mit dem ich das damals gestartet habe, Dennis, meinte: „Ich mache das nur, wenn es Messaker heißt.“ Und dann blieb der Name einfach.

Du kommst also direkt aus der Kurierszene?

Genau. Ich habe fast auf den Tag genau fünf Jahre bei Sprint Logistik Bremen gearbeitet, einer der Kurierbuden hier in Bremen. Darüber ist das Ganze eigentlich entstanden. Wir waren irgendwann unzufrieden mit dem, was die Industrie damals angeboten hat – gerade in Europa. In den USA gab es schon diese riesigen Messenger-Bags mit ordentlich Volumen, Cargo-Straps und allem drum und dran. Taschen, mit denen du wirklich arbeiten konntest. Das war alles noch vor dem großen Lastenrad-Hype. Dann meinte Dennis irgendwann: „Ich mache mir meine Tasche einfach selbst.“ Und ich war sofort dabei. Also sind wir irgendwann nach Aurich gefahren und haben dort eine alte Industrie-Nähmaschine gekauft – von einer Frau, die vorher Vorzelte für Bullis genäht hat. Und damit fing das Ganze an.

Und wer von euch konnte damals eigentlich nähen?

Niemand. Das war ja das Lustige daran. Dennis hatte vorher ein bisschen auf einer Haushaltsmaschine rumprobiert, aber wir hatten eigentlich keine Ahnung. Unterfaden, Fadenspannung, Industrie-Nähmaschinen – das ist ja nochmal eine ganz andere Welt. Dann haben wir diese völlig falsche Maschine gekauft, eigentlich eher für leichte Stoffe gedacht, und angefangen, die ersten Taschen zusammenzutackern. Die waren komplett krumm und schief. Wirklich schlimm. Aber wir haben sie dann einfach bei den Leuten von Sprintkurier Bremen verteilt und testen lassen. Und plötzlich meinten die ersten: „Ey, ich kauf dir eine ab.“ So sind wir da irgendwie reingerutscht.

Also Learning by Doing?

Komplett. Wir hatten damals so eine gemeinsame Hobbywerkstatt mit einem Tischler, einem Typen, der Surfboards gebaut hat, jemandem, der an Vespas geschraubt hat. Irgendwann wurde in dem Haus unten im Keller ein Atelier frei und wir dachten: Okay, jetzt machen wir halt ein richtiges Näh-Atelier daraus.

Die Taschen waren also direkt aus dem Arbeitsalltag heraus gedacht?

Genau. Wir wollten Taschen bauen, die wirklich für die Kurier*innenszene funktionieren. Diese alten Messenger-Bags damals – die frühen #Chrome Industries- oder Ortlieb-Modelle – waren oft eher schmale Lappen. Für unseren Alltag hat das irgendwann nicht mehr gereicht. Wir wollten Volumen. Platz für Pakete, Post, Einkäufe, alles. Wir wollten nie bei Kund*innen stehen und sagen müssen: „Sorry, das passt jetzt nicht mehr rein.“ Also haben wir angefangen, richtig große Bags zu bauen – ganz rudimentär erstmal. Und daraus hat sich dann Schritt für Schritt alles weiterentwickelt.

Bikepacking-Taschen sind aber gar nicht so dein Ding, oder?

Nee, ehrlich gesagt überhaupt nicht. Da gibt’s mittlerweile so viele gute kleine Nähereien in Deutschland, die das jeden Tag machen und einfach richtig gut können. Die empfehle ich dann lieber weiter. Ich mache zwar eine Lenkerrolle und noch so ein „Pusher Bag“ – das ist so ein oversized Fanny Pack, das man auch als Lenkertasche fahren kann – aber dieses komplette ultraleichte Bikepacking-Ding ist einfach nicht meine Welt. Ich glaube auch ehrlich gesagt nicht, dass ich genau weiß, was Bikepacker*innen wirklich brauchen. Wenn ich losfahre, dann schnalle ich mir halt meine alten Carradice Saddlebags an den Gepäckträger und fertig. Ich habe da eine andere Gangart. Ich muss nicht mit minimalem Gewicht durch die Wüste Gobi oder irgendwelche Ultra-Races fahren.

Mittlerweile ist die Nähmaschine wahrscheinlich ein ziemlich guter Freund geworden?

Ja, absolut. Am Anfang hatten wir wirklich null Ahnung. Und ich habe mir mittlerweile auch beigebracht, die Maschinen selbst zu warten. Manchmal brauche ich noch Hilfe von einem Techniker aus Hamburg, aber grundsätzlich mache ich das alles selbst.

Wie lange sitzt du an einer Tasche?

Das kommt total drauf an: welche Größe, welche Features, wie viele Farben, wie oft du den Faden wechseln musst. Aber grob gesagt: An einem normalen Arbeitstag schaffst du vielleicht einen Rucksack. Die großen Messenger-Bags dauern nochmal deutlich länger. Da hängst du dann schnell noch zwei Stunden extra dran.

Individualisierung spielt bei deinen Taschen aber schon eine große Rolle, oder?

Voll. Das war eigentlich immer der Kern von Messaker Bags. Leute kommen zu mir und sagen: „Ich will die Größe, die Farbe für die Klappe, einen anderen Boden, noch ein Laptopfach oder einen zusätzlichen Strap.“ Dafür gibt es dann verschiedene Preisstufen und am Ende entsteht halt wirklich eine Tasche, die genau zu der Person passt. Ich sage aber auch manchmal bewusst nein. Gerade bei den Proportionen bin ich ziemlich picky geworden. Über die Jahre habe ich viel daran gearbeitet, dass die Taschen richtig sitzen und sich gut tragen. Wenn du dann plötzlich irgendwo Maße veränderst, verändert sich oft das ganze Tragegefühl. Das müsste man eigentlich wieder monatelang testen.

Die Taschen müssen also vor allem funktionieren?

Genau. Im Kurieralltag werden die Dinger tausendmal am Tag auf- und zugemacht, irgendwo hingeworfen oder im Regen gefahren. Die müssen wasserdicht sein und einfach halten. Du musst dich darauf verlassen können, dass die Sendung trocken bei den Kund*innen ankommt.

Wer kauft deine Taschen heute? Noch hauptsächlich Kurier*innen?

Das verändert sich ständig. Früher waren es vor allem die großen Messenger-Bags für Kurier*innendienste. Ich habe zum Beispiel für #Sprint Logistik Bremen oder auch für BY-EXPRESSEN aus Kopenhagen Taschen gebaut. Mittlerweile kaufen aber viele einfach einen robusten, wasserdichten Rucksack für den Alltag – Leute, die viel Rad fahren oder pendeln. Also eher Everyday-Use statt nur Messenger-Business.

Wie läuft das heute mit dem Verkauf? Kann man einfach eine Tasche bestellen oder ist vieles immer noch individuell?

Mein Hauptgeschäft läuft online über Messaker Bags. Da gibt es die Standardmodelle direkt im Shop – meistens komplett schwarz, das ist tatsächlich das, was viele wollen. Und dann gibt es einen Custom-Bereich, wo man sich Farben und Extras zusammenstellen kann. Das war eigentlich immer der Kern von Messaker Bags: individuelle Taschen bauen, die wirklich zu den Leuten passen. Andere Farben, zusätzliche Fächer, besondere Details – das geht alles. Aber ich achte schon darauf, dass die Konstruktion am Ende noch funktioniert und die Tasche sich vernünftig trägt.

Also keine klassische Fahrradtasche für den Gepäckträger?

Nee, gar nicht. Das wird oft verwechselt. Es sind einfach Taschen für Menschen, die viel unterwegs sind und etwas Robustes für den Alltag brauchen. Sie funktionieren auf dem Rad einfach besonders gut, weil sie genau dafür entwickelt wurden.

Produziert wird weiterhin komplett von Hand?

Alles. Vom Schnittmuster bis zur letzten Naht. Jede Tasche geht durch meine Hände. Ich habe hier verschiedene Maschinen für unterschiedliche Arbeitsschritte – Geradstich, Verriegelungen für stark belastete Stellen oder Maschinen zum Einfassen der Kanten. Dadurch halten die Dinger halt auch wirklich etwas aus. Und wenn doch mal etwas kaputt geht, repariere ich das natürlich. Auf meine Arbeit gibt’s lebenslange Garantie – beziehungsweise solange es Messaker Bags gibt. Gerade im Kurier*innenalltag werden die Taschen komplett zerstört. Aber genau dafür sind sie gemacht.

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