06.08.2026 | 15:11 Uhr

Maike ist Liv-Ambassadorin in Bremen und hat ihren ganz eigenen Zugang zum Rennradfahren gefunden: weg von Druck und Zahlen, hin zu dem, was sich wirklich gut anfühlt. Auf ihrem Liv EnviLiv Advanced 1, Liv Avail Advanced Pro 1 und dem Liv Devote Advanced 1 fährt sie am liebsten dorthin, wo Kuchen und Eis warten, und genau das beschreibt ziemlich gut, worum es ihr geht: Freude statt Leistungszwang. Heute organisiert sie Ausfahrten für Frauen, schafft Räume, in denen man sich ausprobieren darf, und zeigt, dass es nicht das perfekte Set-up braucht, um loszufahren. Sobald sie im Sattel sitzt, wird der Kopf frei.
Lorenz im Interview mit Maike Edesdottir
Hallo Maike, stell dich doch bitte kurz vor.
Hey, ich bin Ambassadorin für Liv Cycling hier in Bremen, also Markenbotschafterin. Der Giant Store in Horn hat mich angefragt, um Rides zu organisieren, sichtbar zu sein und vor allem die Frauen-Rennrad-Community hier in der Stadt ein Stück weit zusammenzubringen.
Wie bist du selbst zum Rennrad gekommen und was machst du abseits davon?
Ganz klassisch eigentlich über meinen Freund. Ich habe mir damals einfach sein Rennrad ausgeliehen und das war ehrlich gesagt ziemlich unangenehm. Ich hatte danach Blasen an Stellen, von denen ich vorher nicht wusste, dass man dort überhaupt Blasen bekommen kann. Trotzdem fand ich das Gefühl auf dem Rad irgendwie gut. Ich bin schon immer gern Fahrrad gefahren. Dann habe ich mir mein erstes eigenes Rennrad gekauft. Und bin in drei Jahren ganze 300 Kilometer damit gefahren. Danach habe ich es wieder verkauft, weil ich dachte: Rennradfahren ist einfach nichts für mich. Im Nachhinein weiß ich, dass es gar nicht am Sport lag, sondern am Rad. Ich habe mich darauf nie sicher gefühlt, es war nicht bequem und ich konnte nicht mal richtig bremsen, weil ich ständig umgreifen musste. Meine Hände waren einfach zu klein, das Rad war zu groß. Ich habe mich damals komplett aufs Internet verlassen und das war einfach ein Fehler. Zwischendurch habe ich es mit einem Fitnessbike probiert, aber gemerkt: Ich will eigentlich Rennrad fahren. Also habe ich mich nochmal richtig reingearbeitet, viel recherchiert und bin irgendwann auf Liv gestoßen. Die Idee, Räder speziell für Frauenkörper zu entwickeln, hat mich total überzeugt. Dann bin ich während Corona nach Lübeck gefahren, um ein Rad Probe zu fahren. Ich bin draufgestiegen und hatte sofort dieses Gefühl wie bei richtig guten Laufschuhen. Ich wusste direkt: Das ist es.
Was genau hat für dich den Unterschied gemacht?
Das Rad war insgesamt viel kompakter. Der Abstand zwischen Sattel und Lenker war kürzer, ich konnte viel besser sitzen. Der Lenker war schmaler, meine Arme nicht mehr so weit auseinander – das hat sofort einen Unterschied gemacht. Ich habe mich damals bewusst für ein Endurance-Rennrad entschieden, also etwas Komfortableres. Weil ich irgendwann gedacht habe: Was bringt mir das schnellste Rad, wenn ich es nicht fahre? Ich dachte lange, ich brauche ein besonders schnelles Rad, um auszugleichen, dass ich vielleicht nicht gut genug bin. Aber am Ende sind es die Beine – und vor allem der Spaß. Und dieses Gefühl … Das kann man schwer beschreiben. Es gibt Modelle, da setze ich mich drauf und denke: passt nicht. Und andere fühlen sich einfach richtig an. Ich sage den Frauen immer: Hört nicht nur auf Zahlen oder Empfehlungen. Wenn sich ein Rad gut anfühlt, dann ist es das richtige, egal ob Aero oder Bergmaschine. Es geht darum, dass wir gerne fahren und nicht darum, was auf dem Papier am schnellsten ist.
Musstest du dein Rad dann noch groß anpassen oder hat es direkt gepasst?
Ich bin damit zur Bikefitterin gegangen – und sie meinte einfach: „Maike, wir sind überall in der Mitte.“ Also alles genau da, wo es sein soll. Groß anpassen musste ich tatsächlich nichts. Der Lenker wurde ein bisschen tiefer gesetzt – das ist ja ganz normal mit den Spacern –, aber der Rest hat einfach von Anfang an perfekt gepasst.
Wo hast du dein Bikefitting gemacht – auch hier in Bremen?
Ja, genau, hier in Bremen bei rehability. Dörthe ist eine großartige Bikefitterin.
Und im Alltag – nutzt du das Rad da auch?
Ja, tatsächlich schon. Ich pendle ab und zu zur Arbeit, das sind allerdings jeweils 20 Kilometer pro Strecke. Da muss ich immer ein bisschen schauen, wie das mit meinen Trainingsplänen zusammenpasst. Und tatsächlich ist mein Alltagsrad mein erstes #Liv-Rennrad. Ich habe es behalten, weil ich es einfach bequemer finde als alles andere – und ich bin damit auf der Strecke auch einfach schneller.
Wenn du von Trainingsplänen sprichst – wohin geht die Reise für dich sportlich? Fährst du auch Rennen?
Auch, ja. Aber nicht nur. Ich fahre verschiedene Events. In den letzten beiden Jahren zum Beispiel die MSR 300 – also 300 Kilometer. Beim ersten Mal bin ich die für mich gefahren, einfach um zu schauen, ob ich das schaffe. Im zweiten Jahr habe ich die Tour sogar geguidet. Da musst du natürlich in der Lage sein, das locker durchzuhalten, im Zweifel auch mal mit jemandem zurückzufallen und dann wieder zur Gruppe aufzuschließen. Genau auf solche Situationen bereite ich mich gezielt vor. Und wenn es in die Berge geht, muss ich hier im Norden sowieso ordentlich trainieren – die fehlen uns einfach.
Das hört man oft: Man fühlt sich fit und dann kommen die Berge …
Genau so ist es. Berge sind einfach nochmal eine ganz andere Hausnummer. Da hilft nur: trainieren.
Und wie macht man das in Bremen?
Das ist schwierig. Es gibt die sogenannten Lesmona-Wellen in Bremen-Nord, da kann man ein bisschen arbeiten. Aber meistens fahren wir raus – Richtung Harz oder Osnabrück, da wird es dann hügeliger. Oder man geht auf die Rolle und arbeitet gezielt mit Widerstand und Trittfrequenz.
Wie oft sitzt du auf dem Rad?
So drei- bis fünfmal die Woche – je nachdem. Da kommen natürlich einige Kilometer zusammen, aber ich fahre nicht auf maximale Kilometerzahlen. In meinem Umfeld gibt es gerade so Challenges, wer die meisten 100-Kilometer-Rides in einem Jahr schafft – da bin ich raus. Ich sage immer: train smart, not hard. Aktuell arbeite ich mit einer persönlichen Trainerin, nicht nur mit einem Plan. Da fahre ich viel in niedrigen Herzfrequenzen und da macht man automatisch weniger Strecke, vor allem, wenn dir noch der Wind entgegenbläst.
In Bremen fällt auf: Viele fahren Rad – aber gemeinsame Ausfahrten sind gar nicht so sichtbar. Wie nimmst du das wahr?
Das ist tatsächlich schwierig, vor allem für Leute, die neu in der Stadt sind. Die Angebote zu finden, ist gar nicht so einfach. Ich hatte das Glück, dass ich jemanden kannte, der sich schon auskannte – aber das hat nicht jede*r. Meine erste Gruppenausfahrt lief damals über einen lokalen Shop – gemischt, ziemlich schnell und ehrlich gesagt eine kleine Nahtoderfahrung. Ich kannte die Strecke nicht, hatte sie nicht auf dem Computer und im Blockland haben die Jungs plötzlich Tempo gemacht. Ich kam nicht mehr hinterher und war irgendwann einfach weg. Das war extrem anstrengend und genau daraus ist meine Motivation entstanden.
Was wolltest du anders machen?
Ich wollte einen Raum schaffen, in dem Frauen Gruppenfahren lernen können – ohne Druck. Also nicht direkt 28er- oder 30er-Schnitt, sondern erstmal ankommen und Sicherheit bekommen. Es gibt in Bremen schon Frauengruppen, aber die fahren oft deutlich schneller – das war für mich damals einfach nicht machbar. Deshalb fahren wir bewusst langsamer. Und bei uns darf wirklich jede kommen – auch mit Gravelbike, ohne Klickpedale, im T-Shirt. Mir ist nur wichtig: Helm auf. Alles andere ist egal. Hauptsache, die Leute trauen sich.
“Ich wollte einen Raum schaffen, in dem Frauengruppen fahren lernen können – ohne Druck.”
Die Einstiegshürden sind ja oft riesig – Equipment, Kleidung, Tempo …
Total. Viele denken: Ich habe nicht das richtige Rad, nicht die richtigen Schuhe, nicht das passende Outfit. Aber genau das versuche ich abzubauen. Es geht nicht darum, perfekt ausgestattet zu sein, sondern einfach loszufahren. Und dann entstehen Gespräche, die in gemischten Gruppen oft gar keinen Platz haben: Sitzprobleme, Kleidung, ganz praktische Fragen wie „Wie gehe ich eigentlich mit Bib-Shorts auf Toilette?“ Das sind Themen, die Frauen beschäftigen – und es ist wichtig, dafür einen Raum zu haben.
Und was passiert dann, wenn sie einmal drin sind?
Im besten Fall machen sie sich unabhängig. Das ist mir total wichtig. Ich bin nicht „die Anführerin“. Ich freue mich riesig, wenn sich Frauen untereinander verabreden, eigene Rides starten oder sich auch in andere Gruppen trauen – zum Beispiel in den Radclub oder auf ihre ersten Radtourenfahrten. Am Ende geht es um Freiheit: Heute alleine fahren, morgen mit Frauen, übermorgen gemischt – genau so, wie es sich richtig anfühlt.
Das können wir nur bestätigen. Wie groß ist eure Community inzwischen und wie organisiert ihr euch?
Wir haben eine #WhatsApp-Community mit mittlerweile knapp 100 Frauen. Das ist inzwischen ziemlich strukturiert, weil es sonst zu unübersichtlich wird – mit einzelnen Bereichen für Rennrad, Gravel, Veranstaltungen, einen Marktplatz und auch für Fotos. Den Zugang teilen wir ganz offen, auch über QR-Codes auf Plakaten. Viele kommen erst mal rein und lesen nur mit – das ist völlig okay. Aber so bekommt man eigentlich alles mit.
Und wie laufen eure Ausfahrten konkret ab?
Für mich gilt ganz klar: Erlebnis vor Ergebnis. Das ist kein Training. Wer gezielt trainieren will, sollte sich mit Leuten auf ähnlichem Niveau verabreden. Viele unterschätzen, wie viel leichter es in der Gruppe wird – gerade hier im Flachland. Wenn ich sage, wir fahren im Schnitt 25 bis 27 km/h, dann reicht es oft völlig, wenn du alleine 23 km/h fahren kannst. In der Gruppe kommst du locker mit. Und wir achten total darauf, dass sich alle wohlfühlen: Wer unsicher ist, fährt am besten mittig – dann kommt man kaum in den Wind. Wenn jemand kämpft, bleibt sie aus dem Wind raus. Und ja, im Zweifel wird auch mal geschoben oder unterstützt – natürlich nur, wenn das okay ist.
Das nimmt ja vielen die Angst, überhaupt mitzufahren.
Total. Viele Frauen wollen nicht „die Langsamste“ sein oder das Tempo bestimmen. Das fällt unglaublich schwer. Deshalb ist dieser geschützte Raum so wichtig. Bei uns darf man sich ausprobieren, sich zumuten, auch mal sagen: Heute geht nicht mehr. Und genau das ist der Punkt – zu lernen, für die eigenen Bedürfnisse einzustehen. Wenn man das einmal kann, nimmt man das überall mit hin, auch in gemischte Gruppen.
Wenn man jetzt sagt, ich will tiefer rein – Community und Material: Wo findet man euch und die Bikes in Bremen?
Uns findet man über Instagram und die Community – einfach schreiben. Und wer sich die Bikes anschauen will: Der #Giant Store Bremen ist in Horn, Auf der Höhe 6 in 28357 Bremen zu finden. Super nettes Team und vor allem: Frauen werden dort ernst genommen. Das ist mir persönlich extrem wichtig.
Vielen lieben Dank!
WE RIDE GmbH
Gießerstraße 18
04229 Leipzig