20.04.2026 | 13:23 Uhr

Hallo Michael, stell dich doch bitte einmal vor: Wer bist du, was machst du und was treibt dich in deiner Arbeit an?
Ich komme aus der Fahrradstadt Freiburg im Breisgau und habe mich über die Jahre zum Experten für kindgerechte Fahrradlösungen entwickelt. Mein Anliegen ist einfach: Kinder sollen sicher, selbstbewusst und mit Freude unterwegs sein. Dafür entwickle ich praxisnahe Produkte und höre genau zu, was Familien brauchen. Mich treibt die Überzeugung an, dass zugängliche, sichere Mobilität für Kinder Lebensqualität schafft. Wo Kinder unbeschwert laufen, radeln und spielen können, entsteht eine neue Mobilitätskultur – und genau diese Veränderung halte ich heute für dringender denn je.
Erzähl uns doch bitte mehr über TYPE Bike: Seit wann gibt es euch, wo findet man euch und was genau steckt hinter dem Projekt?
TYPE Bike habe ich Ende 2021 gegründet. Erst waren wir nur online präsent und seit April 2025 gibt es zusätzlich einen Showroom in Berlin. Gestartet sind wir als reine Kinder‑ und Jugendfahrradmarke. Durch die Möglichkeit, in einer beliebten Einkaufsstraße in Schöneberg sichtbar zu sein, hat sich unser Angebot weiterentwickelt: Heute verstehen wir uns als Anbieter nachhaltiger Produkte rund um urbane Mobilität.
Wie ist TYPE Bike entstanden und was hat dich dazu bewegt, deinen ursprünglichen Job hinter dir zu lassen und dich ganz den Kinderfahrrädern zu widmen?
Ich habe lange in der Marketing- und Kommunikationsbranche gearbeitet und dabei viele Marken‑ und Unternehmenstransformationen begleitet. Diese Erfahrungen nehme ich bis heute mit in alles, was ich tue. #TYPE Bike habe ich am Ende der Pandemie im Nebenberuf gegründet. Ehrlich gesagt begann es als kleine Challenge: Meine Tochter wollte ein Fahrrad, das kein anderes Kind hat. Das klang banal – war für mich aber die Initialzündung, die Herausforderung, die ich damals gebraucht habe. Schnell stellten sich Fragen, die mich nicht mehr losließen: Gibt es Hersteller*innen jenseits der großen Massenproduzenten? Woher bekomme ich wirklich gute Komponenten? Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in der Fahrradbranche – und lassen sich faire Produktionsbedingungen, hohe Qualität und Erschwinglichkeit überhaupt vereinen? Berichte über Kinderarbeit, verkrustete Strukturen und fehlende Innovationsbereitschaft haben mich irritiert und motiviert zugleich. Der Weg war lang und oft schwierig, er hat auch Geld gekostet. Anfangs ging es vor allem um Markenaufbau und die Basics: von den Hersteller*innen wahrgenommen zu werden, direkte Bezugsquellen in Europa aufzubauen – und das alles auf einer nachhaltigen Grundlage. Für mich bedeutet das, Produkte kreislauffähig zu entwickeln – langlebig, reparaturfreundlich und möglichst wiederverwertbar – Lagerbestände schlank zu halten, lokal zu montieren und soziale sowie ökologische Kriterien zu berücksichtigen. Eine zusätzliche Qualifikation als geprüfter CSR‑Manager hat mir dabei geholfen: Wir arbeiten jetzt auf Grundlage des „Global Compact Management Model“*. In der Praxis begann alles mit Prototypen und ersten Modellen, mit Komponenten mehrheitlich aus Europa. Ja, wir arbeiten auch mit Zulieferern wie Shimano, die teilweise in Asien fertigen. Für mich gibt es kein „ganz oder gar nicht“ – nachhaltiges Arbeiten bedeutet, überhaupt damit anzufangen, täglich neu zu denken, zu handeln und sich weiterzuentwickeln. Es ist ein laufender Prozess. Mit dem Showroom in Berlin ist TYPE Bike für mich längst kein Nebenprojekt mehr, sondern zur Lebensaufgabe geworden. Es war ein langer Weg, aber der richtige Schritt zur richtigen Zeit.
Nachhaltig, sozial, regional, individuell – viele schreiben sich das auf die Fahne. Was macht eure Räder besonders? Wie integriert ihr die Sustainable Development Goals (SDGs) konkret und wie funktioniert wirtschaftlicher Erfolg mit einem so klaren Wertekompass?
TYPE Bike ist viel mehr als Kinderfahrräder – das ist unser Kerngedanke. Wir bauen keine Wegwerfprodukte, sondern langlebige, reparierbare und individuell konfigurierbare Räder, die Familien über Jahre begleiten. Qualität, Sicherheit und einfache Wartbarkeit sind für uns keine Extras, sondern Grundanforderungen. Nachhaltigkeit leben wir konkret: Wir nutzen zertifizierte und recyclingfähige Materialien, vermeiden schadstoffreiche Beschichtungen und planen Bauteile so, dass sie leicht ersetzt oder aufgerüstet werden können. Wo immer möglich arbeiten wir regional – das verkürzt Lieferketten, reduziert CO2-Emissionen und stärkt lokale Partner. Gleichzeitig kontrollieren wir faire Arbeitsbedingungen entlang der Lieferkette und kooperieren bewusst mit sozialen Werkstätten für Montage und Service. Die SDGs sind für uns kein Marketing-Gimmick, sondern Maßstab und Orientierung. Unsere Maßnahmen lassen sich direkt auf Ziele wie nachhaltige Städte (mehr Alltagsmobilität statt Auto), menschenwürdige Arbeit, verantwortungsvoller Konsum und Klimaschutz zurückführen. Dafür wurden wir von der deutschen Sektion der UN in Bonn bereits offiziell als Botschafter der 17 Ziele für eine nachhaltige Welt ausgezeichnet. In den Farben der UN-Charta lackieren wir auch unsere Rahmen. Unsere Positionierung ist bewusst wertegetrieben: Wir sind kein Billiganbieter, sondern eine Marke zwischen Premiumqualität und Purpose. Unsere Zielkunden sind smarte, werteorientierte Familien, die auf Transparenz, Langlebigkeit und sozialen Impact achten. Vertrieb und Service erfolgen über unseren eigenen Shop, Kooperationen machen wir mit Sportvereinen – wie aktuell dem Deutschen Handballmeister Füchse Berlin e.V. oder ausgewählten NGOs, wie „Mission Lifeline“ mit einem Sondermodell zur Unterstützung der Seenotrettung im Mittelmeer. Wie behaupten wir uns mit einem strikten Wertekompass? Durch radikale Transparenz, überzeugende Produktqualität und ein durchdachtes Service‑Ökosystem. Wir kommunizieren offen über Herkunft, Produktion und Impact, bieten Garantie- und Reparaturlösungen, Refurbish- und Upgrade‑Optionen, die die Gesamtkosten über die gesamte Nutzungszeit niedrig halten. Und bald wird es unsere Räder auch zur Miete geben. Denn am Ende zählt für eine Familien nicht nur der Kaufpreis, sondern was das Produkt über Jahre wirklich kostet – Reparaturen, Ersatzteile, Service und Lebensdauer. Mit einem Bike von uns heißt das: weniger Überraschungskosten, planbare Ausgaben und oft auch nachhaltigeres Verhalten – bspw. durch längere Nutzung statt Austausch. Deshalb entscheiden sich auch immer mehr Familien bewusst für hochwertige, reparierbare Räder von uns: das zahlt sich langfristig finanziell und ökologisch aus. Kurz: Ein Wertekompass kostet uns Disziplin, aber lohnt sich – auch in Abgrenzung zu den meisten anderen Anbietern. Er schafft Vertrauen, bindet Kund*innen langfristig und eröffnet neue Perspektiven und Möglichkeiten. Für uns bedeutet das: ehrliche Produkte, messbarer sozialer Nutzen und starke regionale Verankerung – dieses Konzept wollen wir in Zukunft gern auch in andere Städte tragen.
Nimm uns einmal mit in deinen Showroom: Was gibt es bei dir zu entdecken – von Modellen über Marken bis hin zum Beratungserlebnis? Und wie erreicht man dich, wenn man nicht vor Ort in Berlin sein kann?
Wir verstehen uns als Ort für „urbanen Lifestyle“. Wenn du zu uns in den Showroom kommst, entdeckst du eine Bandbreite an nachhaltigen Produkten von Manufakturen aus Deutschland und Europa: von modischen Jacken aus recycelten Materialien bis hin zu einer Auswahl an Radmodellen für Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene, alle Individualisierungsoptionen wie Farben und Extras live zum Anfassen, geprüfte Sicherheitsfeatures und Ersatzteile. Du kannst Probe fahren, dich persönlich beraten lassen, Aufbau- und Wartungsservices buchen und direkt Termine für Workshops oder Events, die wir regelmäßig machen, erfahren. Außerdem zeigen wir transparent, wo die Teile herkommen, und stellen Partner aus der Region und soziale Montageprojekte vor. Schaffst du es nicht nach Berlin, bieten wir demnächst in unserem überarbeiteten neuen Onlineshop eine Auswahl an verschiedenen Rädern. Wir liefern „Plug & Play“ vormontiert mit ausführlicher Anleitung und bieten digitalen After‑Sales‑Support. Unsere Stärke liegt aber ganz klar in der physischen Präsenz, das liegt einfach in der Natur unseres Konzeptes.
Wenn du an Berlin aus Radperspektive denkst: Was braucht die Stadt noch – und wie erlebst du es, hier unterwegs zu sein?
Ehrlich: Berlin ist die Hölle – auf allen Ebenen, für Fußgänger, Fahrradfahrer, Autofahrer. Menschen haben – subjektiv empfunden – eine sehr kurze Zündschnur, pöbeln sich ständig an, alles ist geprägt durch Aggressionen. Das ginge nach meinem Verständnis auch anders. Ich wünsche mir für Berlin ein durchgängiges, sicheres und attraktives Netz aus breiten Radwegen, das wirklich alle Stadtteile verbindet – getrennt vom Autoverkehr, mit klarer Priorisierung an Kreuzungen und sicheren Querungen. Mehr Fahrradstraßen, sichere Abstellanlagen an Kitas, Schulen und Bahnhöfen, flächendeckende Reparatur‑ und Sharing‑Angebote sowie gezielte Förderung für familienfreundliche Lastenräder und Schulwegeprogramme. Wichtig sind außerdem Ampelprogramme und Lieferzonen, die den Stadtverkehr so steuern, dass Radfahrende Vorrang haben und Stress minimiert wird. Aufs Rad zu steigen fühlt sich in Berlin oft zweigleisig an: einerseits frei – schnell durch die Stadt, direkte Mobilität, das Gefühl von Unabhängigkeit. Andererseits häufig unsicher und fragmentiert: Lückenhafte Radinfrastruktur, Konflikte mit parkenden Autos oder Lieferverkehr und wechselnde Fahrbahnbedingungen schaffen Stress, besonders für Eltern mit Kindern. Bessere, durchgängige Infrastruktur würde das Freiheitsgefühl stärken und Radfahren für viele Menschen zur ersten Wahl im Alltag machen.
Vielen Dank!
(*) Das UN Global Compact Management Model ist ein 6-stufiger Rahmen, der Unternehmen hilft, Nachhaltigkeit in ihre Strategie zu integrieren. Es umfasst Verpflichtung, Bewertung, Definition, Umsetzung, Messung und Kommunikation. Ziel ist die Verankerung von 10 Prinzipien aus den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umwelt, Anti-Korruption in Geschäftsprozessen.
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